…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 29. Mai 2020

Zum Bild: ‚New normal‘ – was wird das sein?

 

Quarantaene light… – …ist nun auch fuer Metro Manila angesagt, wie Praesident Rodrigo Roa Duterte gestern Abend in einer von “PTV” live uebertragenen Rede verkuendete, und wie ich es heute im “Bulletin” lesen kann. Genauer gesagt wird die dort gueltige ECQ (Enhanced Community Quarantine) zum 1. Juni in eine GCQ (General Community Quarantine) abgemildert. Im “Standard” finde ich, dass Region 12, wozu GenSan gehoert, als MGCQ (Modified General Community Quarantine) gefuehrt wird – das heiszt, fuer mich aendert sich erstmal nichts.

Was sich fuer wen im Einzelnen aendert bekannt zu machen, ueberlaesst Praesident Duterte dann auch seinem Sprecher Harry Roque: “In anderen Bereichen wird es wiederum vereinzelt sein, abhaengig von der Lebensfaehigkeit des Ortes, die Herausforderungen von Covid-19 zu bewaeltigen. … Doch von Zeit zu Zeit wird uns Minister Roque die Orte nennen, an denen es Aenderungen geben wird.

Ich will daran nicht herummaekeln, das tun andere, aber eine differenzierte Loesung in Abhaengigkeit lokaler Gegebenheiten, laesst sich nicht in einem Satz rueberbringen. Und so faellt mir an Dutertes Rede positiv auf, dass er, die Unzuverlaessigkeit anderer Zahlen missachtend, sich vornehmlich auf die Zahl der Toten stuetzt, wenn er sagt: “Die Todesfaelle haben nun 921 erreicht, so wenn Sie das im Verhaeltnis zur Zahl der Bevoelkerung sehen, wir hier im Land eine niedrige Sterblichkeitsrate haben. … Alles in allem, finde ich, ist das nicht so schlimm.

Leben wir also auf der Insel der Seligen?

Sicher nicht, wenn wir darunter verstehen, was das “Damen Conversations Lexikon” von 1835 dazu schreibt: “Tief im Ozean, am westlichen Erdrande dachten sich die Griechen heitere Inseln, auf denen die Seelen der Guten nach dem Tode ihren Aufenthalt finden sollten. Dorthin kamen die Schatten groszer Todten, die Goetterlieblinge, die der Olymp nicht aufnahm, und in Ruhe und ungetruebter Glueckseligkeit genossen sie dort den Lohn eines Lebens nach dem Willen der Gottheit.

Schauen wir in den Westen, so moechte im Moment wohl niemand gern dorthin. Die Zahl der Toten in den USA hat die 100.000 ueberschritten. Bei rund 3-mal so groszer Bevoelkerung wie die Philippinen mit einer rund 100-mal so hohen Todesrate, kann “Ruhe und ungetruebte Glueckseligkeit” dort kaum zu Hause sein. Sogar Realitatsleugner Donald Trump, Ex-Reality-TV-Star und derzeit Praesident, sah sich 16 Stunden nach Erreichen dieses Rekords seiner Politik gezwungen, dies per Twitter zuzugeben.

Also koennen wir uns beruhigt zuruecklehnen?

Da laut Trump ja nun China an allem Schuld ist, beunruhigen mich nicht nur Handelskrieg und die Unruhen in Hong Kong, denen die USA gerade den Autonomiestatus aberkannt haben, weil China Hongkong ein neues “Sicherheitsgesetz” vorschreibt, sondern ein Bericht der “Straits Times”, der sich mit “US-China accident risk is highest in the South China Sea” befasst. Darin heiszt es: “Da Praesident Donald Trump Monate vor der Wahl und Praesident Xi Jinping zu Hause nationalistische Toene anchlagen, um von einer verwundeten Wirtschaft abzulenken, ist die Stimmung weniger foerderlich fuer eine behutsame Diplomatie, die erforderlich waere, eine Pattsituation auf See zu entschaerfen. Herr Xi nutzte eine Ansprache am Dienstag, um die Delegierten des Nationalen Volkskongresses in Peking, das Militaer zu mahnen, seine Kriegsvorbereitungen zu staerken.

Herr Xi denkt so, um “von einer verwundeten Wirtschaft abzulenken”. Wie denkt Herr Trump, um eine Wahl zu gewinnen, wenn man beruecksichtigt, dass 100.000 tote Buerger des eigenen Landes ihm nach langem Zoegern nur eine Twitter-Meldung zu diesem “very sad milestone” wert ist?

Wenn nun, was die abgemilderten Quarantaenen betrifft, hier vermehrt vom “new normal” gesprochen wird, was ist damit dann eigentlich gemeint?

Der Leitartikel der “Times” fragt, ob das Reden ueber das “new normal” den Menschen vorschreibt, wie sie leben sollen, und er bringt dazu den erschreckenden Satz: “New normal droht ebenso beruechtigt zu werden wie Adolf Hitlers ‘Endloesung’.

Die derzeitige “Quarantaene light” kann damit kaum gemeint sein, da hat der Leitartikler beim Griff in die Kiste moeglicher Vergleiche grob daneben gelangt. Doch blicken wir ueber den Tellerrand, dann kann einem schon angst und bange werden, denn gleich dahinter liegt die South China Sea.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Manila Times”, “South China Morning Post”, “Straits Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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