…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 29. Juni 2019

(zum Bild: Muss sich der ehemalige Präsident Benigno Aquino III nun doch noch für Mamasapano verantworten?)

 

Pfaffe – Primadonna – Plaudertasche – Der erste Sprecher war Ernesto Abella, ein ehemaliger Prediger in Davao, der 1996 von Banditen entfuehrt wurde. Der damalige Buergermeister von Davao, Rodrigo Duterte, verhandelte mit den Entfuehrern, und innerhalb 24 Stunden war Abella befreit. Er wurde ein Fan von Duterte, unterstuetzte dessen Wahlkampgane fuer das Amt des Praesidenten und wurde 2016 dessen erster Sprecher. Mir gefiel an Abella dessen pastoral-ruhiger Ton, der Duterte selbst aber wohl zu ruhig war. Nun ja, nicht jeder steht auf gregorianische Gesaenge, obwohl sie etwas Beruhigendes haben. Kulturell sind sie das westliche Gegenstueck zu oestlichen Mantras.

Wie auch immer. Im Oktober 2017 wurde Harry Roque Sprecher, dessen unabhaengige Sicht der Dinge Duterte schaetzte, wie das “Manila Bulletin” wissen wollte. Seine unabhaengige Sicht fiel auch Jojo Robles im “Manila Standard” auf, der sich im Januar 2018 fragte: “Wann spricht der Sprecher des Praesidenten fuer den Praesidenten, und wann spricht er tatsaechlich fuer sich selbst?” Er fand, dass Roque die Steuerreform TRAIN (Tax Reform for Acceleration and Inclusion Program) schlecht verkauft und urteilte: “Solange Roque nicht versteht, dass er Dutertes Mundstueck ist, kriegt er das nie gebacken.” Nach einem Jahr stellte Roque selbst fest, dass er als Primadonna nicht recht in Dutertes Team passt  und entschloss sich, fuer den Senat zu kandidieren. Ich verdanke ihm jene Einsicht zu den Reden Dutertes, die Roque im April 2018 erstmals aeuszerte und die ich oefter zitiere, man duerfe den Praesidenten niemals woertlich, aber man solle ihn immer ernst nehmen.

Der naechste im Amt, Salvador Panelo, erklaerte im Oktober 2018, dass er “wieder” Dutertes Sprecher sei, denn er hatte den Posten schon bei dessen Wahl-Kampagne. Panelo war und ist auch Dutertes Rechts-Berater. Mir gefaellt Panelos Art nicht, im Presse-Briefing Fragen der Reporter von oben herab lieber abzuwimmeln als zu beantworten. Er ist ein Selbst-Darsteller, der mir nun unangenehm auffiel, als in der Diskussion um die Fischerei in der South China Sea, Praesident Duterte sich am Donnerstag vor Reportern aus dem Stegreif zu seinem Gespraech mit Xi Jinping aeuszerte und dies so schilderte: “Ich sagte ihm ‘Ich werde dort nach Oel bohren’. Sagte Xi Jinping fluesternd ’Weiszt du Mayor Duterte, wir haben grad unsere Freundschaft wieder hergestellt. Die war nicht gut fuer eine Reihe von Jahren, doch darueber wollen wir jetzt mal nicht reden’ sagte Xi. ‘Lass uns darueber reden, wie wir einander helfen koennen. Bei Handel, Wirtschaft und Investitionen kann China helfen.’” So erinnerte Duterte sein Gespraech mit Xi und fuegte hinzu, dass er noch einmal auf Oel-Bohrungen in der South China Sea zu sprechen kam, weil das ja “unser Gebiet” sei, und da sagte Xi – laut Duterte: “Nein, das koennte Aerger geben (that could mean trouble).

 



 

Im Presse-Briefing gestern wurde Panelo gefragt, ob das eine Drohung sei. Panelo ist nicht der Meinung, sondern haelt das fuer einen “freundschaftlichen Rat (friendly advice)”.

Nun bin ich ja durchaus fuer Dutertes Politik der Annaeherung an den grosz-maechtigen Nachbarn – welche Alternative haette er auch? – aber Xi als den “guten Onkel von nebenan” hinzustellen, heiszt die Reporter fuer dumm zu verkaufen. Natuerlich ist das eine Drohung, und so verhaelt Duterte sich auch. Er setzt sich deshalb, die Existenz der Nation gegen einen Satz aus der Verfassung abwaegend, ueber die Verfassung hinweg. Schon ist die Forderung nach Amtsenthebung der Kampfruf der Opposition, weil Duterte auch sagte, die Verfassung sei ein “Stueck Papier” fuer “Gedankenlose und Unverstaendige”. So schnell geht Amtsenthebung nicht, wie Justiz-Minister Menardo Guevarra erlaeutert: “Am Ende geht es um die Frage, ob der Praesident gegen die allgemeinen Interessen der ganzen philippinischen Nation gehandelt hat.” Ich verwies gestern auf dieses sperrige Wort – Rechtsgueterabwaegung – das gilt also auch hier.

Um auf Pamelo zurueck zu kommen. Ich weisz nicht, wie die Reporter im Presse-Briefing das sehen, aber merken sie nicht, dass sie von Panelo verarscht werden? Xi ist nicht der “gute Onkel von nebenan”. Das ist ein Machthaber erster Guete, der sich nichts nehmen laesst, und wenn der sagt “So nicht!”, dann meint der “So nicht!”, sonst gibt es Aerger und das ist eine Drohung, basta!

Duterte drueckt sich da klarer aus als sein Sprecher – wofuer braucht er den dann? Vergleiche ich Panelao mit seinen Vorgaengern, so sehe ich ihn als Pausenclown. Das sind die lustig gekleideten Jungs, die in der Manege herumalbern, waehrend die fuer den naechsten Auftritt umgebaut wird. Das Publikum soll von den Arbeiten abgelenkt werden. Duterte braeuchte dagegen jemanden, der sachlich die oestlichen Spaziergaenge seiner Reden zu westlichen Gedankengaengen linearisiert, von denen Reporter in ihren Artikeln dann Nachvollziehbares berichten koennen. Stattdessen irrt Panelo im Labyrinth des von Duterte Aufgetischtem herum und findet den Ausgang nicht. Da kann ich nur das Urteil von Jojo Robles ueber Harry Roque auf Salvador Panelo ummuenzen: “Solange Panelo nicht versteht, dass er Dutertes Mundstueck ist, kriegt er das nie gebacken.

 



 

Schatten der Vergangenheit – Manchmal bin ich mit meinem Englisch am Ende, doch die Sache ist dann auch wieder zu interessant, als dass ich sie einfach liegen lassen koennte. Die Schlagzeile des “Tribune” heute lautet: “SAF 44 case rebooted”.

Die “SAF 44 ~ Special Action Forces 44” sind 44 Mitglieder einer Spezialeinheit der Polizei, die von Benigno Aquino in Mamasapano, Maguindanao, eingesetzt wurde, um den Terroristen Zulkifli Adhir, alias Marwan, zu stellen, auf den die USA 5 Mio Dollar Kopfgeld ausgelobt hatten. Der Einsatz am 25. Januar 2015 wurde total vermasselt, denn obwohl Marwan dabei zu Tode kam, so eben auch die 44 Mitglieder der Polizei-Einheit. Es kamen auch 18 Kaempfer der MILF (Moro Islamic Liberation Front) ums Leben, mit welcher der Einsatz nicht abgestimmt war, und 7 Zivilisten. Diese “Kollateral-Schaeden” praegten sich nicht so in das kollektive Gedaechtnis ein wie die “SAF 44”.

Die Angelegenheit wurde von Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales untersucht, die sich dabei mit ihrer selektiven Justiz den Ruf einer Beschuetzerin Aquinos erwarb. Sie liesz den kriminellen Teil der Klage – fahrlaessige Toetung durch Unterlassung – fallen, und erhob Klage gegen Aquino nur wegen Schiebung und Amtsanmaszung. Ich ignoriere hier mal den Teil des Verfahrens, der sich mit den beiden Mit-Angeklagten Polizei-Oberen befasst, einer davon im Ruhestand, haette also gar nicht einbezogen werden duerfen, das sind Details am Rande.

Entsetzt waren insbesondere die Angehoerigen der “SAF 44”, die sich um ihr Recht betrogen fuehlten zu erfahren, wem denn nun die Schuld am Tod ihrer Soehne und Gatten zuzuschreiben ist. Das zu erfahren war Carpio-Morales – und natuerlich auch Aquino – nicht interessiert.

Da kommt nun der “Tribune” und schlagzeilt heute, dass der Fall wieder auf’s Tapet kommt. Doch das ist nicht ganz einfach, und jetzt wird’s Englisch:

Ombudsman Samuel Martires said in the resolution that his office did not find sufficient grounds and evidence that can indict Aquino.

‘Wherefore, premises considered, it is most respectfully prayed of this Honorable Court that the People of the Philippines be allowed to withdraw the information in criminal cases against accused Aquino and thereafter the same be considered dismissed,’ Martires said.

The further wording of the resolution indicated that a revision of the case may be in be in the offing.

‘This is without prejudice to the filing of appropriate charges against accused after the conduct of preliminary investigation,’ the Ombudsman added.

 



 

Ich versuche gar nicht erst zu uebersetzen, sondern verstehe das so: der jetzige Ombudsmann Martires weist die Klage gegen Aquino wegen “Schiebung und Amtsanmaszung” ab, behaelt sich aber vor, nach einer “vorlaeufigen Untersuchung” eventuell Klage zu erheben gegen Aquino wegen des kriminellen Punktes “fahrlaessige Toetung durch Unterlassung”.

Mit anderen Worten, Benigno Aquino, der hart daran gearbeitet hat, die Justiz mit ihm wohlgesonnenen Menschen auszustatten – Conchita Carpio-Morales als Ombudsfrau, Maria Lourdes Sereno als Oberste Richterin – damit ihm blosz niemand an die Karre fahren kann, sieht sich wohl doch noch gezwungen, fuer “SAF 44” Rechenschaft abzulegen.

Das ist dem “Tribune” eine Schlagzeile wert – man sollte wissen, dass der “Tribune” pro-Duterte und anti-Yellow ist – doch Praesident Duterte sieht die Sache auch so. In einer Rede im April fand er, Aquino und Ex-Innen-Minister Manuel Roxas, damals Herr der Polizei, sollten fuer die 44 Toten verantwortlich gemacht werden. Er erzaehlte, dass er damals in Zamboanga City war, sie wurden zur Kommando-Konferenz gerufen. Dort haetten Aquino und Roxas herumgestanden und geredet. Er fragte einen Offizier der Aufklaerung, was los sei. Der berichtete, dass viele SAF-Leute ausgeloescht wurden, als sie in das Gebiet eindrangen. Duterte fragte, ob da keine Verstaerkung durch die Armee sei. Der Offizier: “Sir, es wurde kein Befehl gegeben. Wir wollten hin, aber es gab keinen Befehl.” Duterte urteilte zu Aquino: “Er hat 44 Leben fuer nichts geopfert. Sie konnten das nicht mal erklaeren. Warum war das die Polizei, die da reinging, die keine Ahnung von dem Gelaende hatte und wie es in den Bergen dort aussah.

Die Leute waren fuer Haeuserkampf ausgebildet, kamen aus Luzon herunter, aber ueber die konnte Aquino mit getuerkter Befehlskette verfuegen, und einige fragen sich heute noch, wo denn nun die 5 Mio Dollar sind, nachdem die USA nach DNA-Pruefung eines Fingers des Marwan bestaetigt hatten, dass dies der gesuchte Terrorist war.

Wie auch immer. Wir werden sehen, ob und wie es da weitergeht.

Saysay sa adlaw – Mao na sa sentensya sa huwes, kong angkonon dili sad-an siya. 

mao es ist, na nun, sa von, sentensya Spruch, huwes Richter, kong ~ kon nga wenn + Verbinder, angkon gelten als + …on Z/M passiv angkonon wird gelten als, dili nicht, sala Fehler, Schuld + …an bildet Eigenschaft verschliffen zu sad-an schuldig, siya er, sie

Satz des Tages – Bis zum Urteil des Richters wird er als nicht schuldig gelten.

 



 

Gemaesz “PhilStar”, “Yahoo”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.