…aus der philippinischen Presse

 

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 06. November 2019

(zum Bild: Pfusch am Bau oder einfach gesagt, Korruption offensichtlich bei eingestürzten Gebäuden in Mindanao.)

 

Was nun, Leni? – Nun beschaeftige ich mich schon drei Jahre mit Praesident Rodrigo Roa Duterte, und ich durchaue ihn immer noch nicht. Am 29. Oktober schrieb ich, was Duterte bei Vereidigung neuer Regierungs-Mitarbeiter in Malacañang am Vortag sagte, sei blosz ein Witz. Dessen Worte zu Vize-Praesidentin Leni Robredo waren: “Ich sende ihr einen Brief ueber Minister Medialdea. Ich uebertrage ihr meine Macht um das Gesetz durchzusetzen. Ich geb das der Vize-Praesidentin. … Ich geb es ihr fuer sechs Monate. Sie uebernimmt das Kommando. Mal sehen, was passiert. Ich werde mich nicht einmischen. Du willst es? Du bist gescheiter als ich? Versuch es selbst!

Dass das in der Presse breitgetreten wurde, hielt ich fuer ueberfluessig, weshalb ich darauf nicht einging. Gestern wurde ich eines Besseren belehrt. Als ich die Nachricht zuerst las, wollte ich es nicht glauben, doch dann wuehlte ich mich durch das Netz. Die Meldung kam gestern von “PhilStar” um 12:57 pm, von “Inquirer” um 1:05 pm, von “Rappler” um 1:33 pm und dann folgte die Meute – es gibt diesen Brief!

In einem Memorandum wurde Vize-Praesidentin Maria Leonor Gerona Robredo zur Mit-Vorsitzenden des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) bis zum 30. Juni 2022 ernannt – ausgefertigt und unterschrieben von Rodrigo Roa Duterte am 31. Okotober 2019, plus Amtssiegel. Das Memorandum wurde jedoch erst gestern an Leni Rodredo geschickt und an die Presse gegeben. Mir fiel prompt der Satz des Ex-Sprechers Harry Roque ein, man duerfe den Praesidenten nie woertlich, man solle ihn aber immer ernst nehmen. Das stimmt so nicht mehr – manchmal meint er es ernst und woertlich.

Der Vorsitzende des ICAD ist der Chef der PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency) Aaron Aquino, der noch kuerzlich in einem Interview von Robredo gesagt hatte, sie haette nicht das Zeug dazu und wuerde scheitern, sie wisse nichts ueber illegale Drogen. Nun muss er mit ihr als Mit-Vorsitzender zusammenarbeiten – falls sie das Angebot annimmt – und er will sie zu 100 Prozent unterstuetzen.

Die ICAD wurde per Executive Order 15 am 6. Maerz 2017 geschaffen, um mit dem Drogen-Problem im Land fertig zu werden. Die PDEA hat den Vorsitz – nun mit einer Co-Vorsitzenden – und Mitarbeiter aus allen relevanten Regierungs-Behoerden wie Dangerous Drugs Board, Philippines Information Agency, Philippine National Police, National Bureau of Investigation, Bureau of Customs und andere. Die ICAD ist weisungsbefugt, was den Kampf gegen illegale Drogen betrifft.

Robredo hatte sich bisher um konkrete Aussagen gedrueckt mit dem Hinweis, sie reagiere nicht auf muendliche Aussagen oder Text-Messages. Da muesse es ein wirkliches Schreiben geben. Das ist nun da, und damit liegt der Ball bei “Leni” Robredo, fehlt nur, dass sie das Angebot annimmt. Damit haette sie Kabinetts-Rang und waere dort wieder willkommen. Allerdings hoerte man gestern nichts von ihr. Ihr Sprecher, Anwalt Barry Gutierrez, sagte zur Presse, die Position habe keine Macht, “das Angebot sei nicht serioes.” Robredo will heute eine Erklaerung abgeben, wozu ihr Anwalt wohl schon die Richtung vorgegeben hat. Laesst sie das Angebot sausen – wie ich tippe – ist sie bis in die naechste Steinzeit blamiert und muss zum Drogenkrieg die Klappe halten. Nimmt sie das Angebot an, kann die Opposition den Drogenkrieg nicht weiter kritisieren, ohne auch ihr zu schaden.

Das ist kein Schachzug von Duterte, das laesst mich mehr an das asiatische Spiel Go denken, zu dem Henry Kissinger schrieb: “Waehrend der geschickte Schach-Spieler darauf abzielt, die gegnerischen Figuren in einer Serie von Konfrontationen auszuraeumen, zielt der talentierte Go-Spieler darauf in leere Raeume des Brettes zu gehen und so das strategische Potential seines Gegners nach und nach zu vermindern. Schach produziert Engstirnigkeit: Go foerdert strategische Flexibilitaet.

Duterte ist flexibel – Robredo auch?

 



 

Das Vorstehende… – …habe ich gestern geschrieben, als die Nachrichten eintrudelten, und was ich heute morgen mit den Blaettern vergleichen und pruefen kann, ob es nicht Wichtigeres gibt. Denn so schoen es ist, wenn man nur ein Thema hat, auf das man sich konzentrieren kann, statt sich in ‘zig Sachen zu verzetteln, so will man ja doch Wichtiges nicht uebersehen, um das spaeter mal bereuen zu muessen. In diesem Sinne:

Alle Blaetter haben das Angebot an Robredo als Schlagzeile oder Top-Story, weisen aber darauf hin, dass Robredo auf einer “lange geplanten Reise” in die USA in “Familienangelegenheiten” unterwegs ist. Ich finde es interessant, dass die Opposition so oft in den USA ist, wenn sie ins Schwimmen kommt, und prompt erscheinen in US-Blaettern und -Magazinen kurz darauf boesartige Artikel zu Dutertes Kampf gegen Drogen. Oder haben die wirklich alle so viele Verwandte dort, oder studieren deren Kinder nur in den USA oder haben die mit den Philippinen gar nichts mehr zu tun?

Macht nichts, denn hier sind ja ihre Berater. Anwalt Gutierrez liesz gestern wissen: “Sie [Robredo] ist bereit zu helfen und wird dem Praesidenten morgen ihre Vorschlaege und konkreten Schritte zur Verbesserung der Kampagne gegen illegale Drogen vorstellen.” Wie kann sie hier vorstellen, wenn sie in den USA unterwegs ist? Es wird also ein Papier kommen – wer auch immer das verfasst hat – in dem es heiszt, man sollte… Ich hasse diese Vorschlaege, die mit “man sollte” beginnen, auch in Social Media kursieren Tausende davon. Sie bedeuten zuallererst, dass man selbst das nicht tun wird, sondern dass es gefaelligst andere tun sollen. Und der Abgeordnete Edcel Lagman warnt, dass die Vize-Praesidentin dort nur zum Scheitern vorgefuehrt werden soll (“is being set up to fail”) – womit genau das gemeint ist, was ich ein “hinterfotziges Angebot” genannt habe.

Wichtiger als dieser Aufreger… – …scheinen mir zwei Dinge, auf die in der “Times” der Aufmacher und der Leitartikel hinweisen.

Der Aufmacher befasst sich unter der Ueberschrift “Quake open cans of worms” mit der Feststellung des PACC (Presidential Anti-Corruption Commission), dass in Mindanao bei dem Erdbeben-Schwarm, der nun langsam abzuklingen scheint, hauptsaechlich “substandard buildings” eingestuerzt sind, also Gebaeude, die nicht den Baustandards entsprechen. Man koennte von “Pfusch am Bau” sprechen, und so untersucht der PACC nun, ob man Klagen wegen “economic sabotage” erheben kann.

Der Leitartikel befasst sich unter der Ueberschrift “Trump doing ASEAN – and his own country – a great disservice” mit der Tatsache, dass US-Praesident Donald Trump nicht selbst zum Gipfel in Bangkok, Thailand, anreiste, sondern nur den Handels-Minister und den Sicherheits-Berater schickte. Mit denen trafen sich dann auch nur drei Fuehrer der ASEAN-Laender, die anderen schickten auch “nur Minister”. Der Artikel prangert die Ignoranz an, mit der Trump die sich am staerksten entwickelnde Region der Welt behandelt, die – wenn Indien in die Gaenge kommt und sich zum Beitritt zu RCEP (Regional Comprehensive Economic Partnership) entschlieszt – die Haelfte der Menschheit umfasst und 30 Prozent des Welt-Brutto-Sozialprodukts erwirtschaftet. Diese Ignoranz koennte boes auf die USA zurueckschlagen.

Wie auch immer, das ist heute in den Philippinen nicht ganz so wichtig. Alles wartet hier gespannt auf die Antwort von Leni Robredo, auch wenn hinterher jeder sagt, dass er sich das auch selbst haette sagen koennen.

 



 

Gemaesz “PNA”, “PhilStar”, “Rappler”, “Inquirer”, “ABS-CBN”, “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.