…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 28. Oktober 2017 

 

Senator Antonio “Sonny” Trillanes… – …hat es geschafft: er hat eine Feature Story im “Time”-Magazin. Kriegt nicht jeder, also muss Trillanes wichtig sein, und so featured Joseph Hincks unter der Ueberschrift “Der Rebell: Wie Antonio Trillanes dazu kam, den Kampf gegen Rodrigo Duterte zu fuehren.

Ich war skeptisch, wenn ein amerikanisches Blatt ueber philippinische Politik schreibt, aber, nein – stimmt alles. Keine groben Unterstellungen und Verdrehungen. Liest sich so weg, und ich war richtig verwirrt, als ich den Artikel ausgelesen hatte und war auf keine Stelle gestoszen, wo ich “Stimmt nicht!” haette zwischenrufen koennen.

Aber das geht nicht. Ein amerikanischer Artikel zur Opposition, der alles korrekt beschreibt, und Trillanes ist der Held: was ist da falsch?



Ich lese im Moment alte Krimis, die man im Internet vom “Project Gutenberg” kostenlos herunterladen kann, und da bin ich auf Carolyn Wells gestoszen, eine amerikanische Schriftstellerin, 1862-1942, die hat neben anderen Buechern eine ganze Reihe ueber einen Detektiv Fleming Stone geschrieben, in denen es, wenigstens in den 11 Baenden, die ich gelesen habe, stets um ein “locked room”-Problem geht. Das Opfer wird in einem von innen verschlossenen Raum gefunden, erste Frage: Mord oder Selbstmord? Falls Mord und keine Tatwaffe im verschlossenen Raum, zweite Frage: wie konnte Taeter entkommen? Zur Unterhaltung gehoert, dass zuerst eine junge Erbin des Opfers verdaechtigt wird, und wenn alle lokalen Detektive und Polizisten das Handtuch werfen, kommt Fleming Stone, zeigt, dass alles ganz anders war, und der junge Mann, der als Einziger an die Unschuld der Verdaechtigen geglaubt hat, heiratet die ausnehmend huebsche junge Frau, in die er sich auf den ersten Blick verliebt hatte – “the end.

Die Feature Story ueber Trillanes im “Time”-Magazin kam mir wie so ein “locked room”-Problem vor, und in mir erwachte der “Fleming Stone”-Instinkt.

Was stimmte da nicht?

Erst spaeter, ich schaute abends Fernsehen – “I saw the light”, ein Film ueber das verkorkste Leben des Country-Saengers Hank Williams, “Your cheatin’ heart” kennt jeder, wer’s nicht kennt, gibt’s bei Youtube als Video – da fiel es mir auf: in dem Artikel wird beschrieben, wie der junge, drahtige Marine-Offizier Trillanes gegen Praesidentin Gloria Macapagal-Arroyo meutert wegen Missstaenden bei der Marine, und es wird beschrieben, wie der junge, etwas verschlossene Senator Trillanes – “Die verstorbene Senatorin Miriam Defensor-Santiago bemerkte einst, dass der junge gut aussehende Trillanes noch besser aussaehe, wenn er ab und zu mal versuchen wuerde zu laecheln”, zitiert Hincks – gegen Praesident Rodrigo Roa Duterte meutert, aber warum? In dem Artikel wird mit keinem Wort beschrieben, was er in der Zeit unter Praesident Benigno Aquino gemacht hat. In dem ganzen Artikel kommt der Name “Aquino” nicht einmal vor.

Also, kleine Ergaenzung, damit die Geschichte rund wird:

Aus dem Gefaengnis kam der Meuterer Trillanes, weil Praesident Aquino ihn begnadigte. Aquino schickte dann den gut aussehenden Trillanes nach China, um an Auszenminister Albert del Rosario vorbei zu verhandeln, was wegen des kriegerischen Standoff bei Scarborough Shoal zu tun sei. Das ging schief wie alle Dreier-Gespraeche, bei denen einer falsch spielt, wobei Trillanes dem Auszenminister den Schwarzen Peter zuschiebt, der die philippinischen Schiffe abgezogen haette, obwohl er, Trillanes, mit den Chinesen Abzug der Schiffe Zug um Zug – auf der Autobahn nennt man das Einfaedeln – vereinbart hatte, weil die enge Zufahrt zu der Untiefe einen gleichzeitigen Abzug nicht gestattete. Waren die Filipinos erst einmal fort, lachten die Chinesen sich ins Faeustchen – und blieben. Scarborough Shoal war verloren.

Ob das wirklich so war, wie Rigoberto Tiglao das am 24. Mai 2016 in seiner Kolumne in “The Manila Times” Erinnerungs-Notizen Trillanes’ folgend beschrieb, bleibe dahingestellt. Andere fanden da ein Haar in der Suppe, und Senatspraesident Juan Ponce Enrile beschuldigte Trillanes im Septembder 2012 in chinesischem Interesse zu handeln, und er soll gesagt haben, dass die Filipinos ihre Kuesten nicht verteidigen koennten und an Scarborough Shoal kein Interesse haetten. Die Frage kochte im Wahlkampf 2016 hoch, als Trillanes gegen Duterte zu opponieren begann und Geruecht zu Billionen-Konten Dutertes streute, weil der ihn nicht als Partner fuer den Posten des Vize-Praesidenten haben wollte. Als Retourkutsche erhob das Duterte-Lager Klage beim Ombudsmann gegen Trillanes und Aquino wegen Landesverrat. So ruht die Frage – neben einigen anderen – nun bei Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales, die sich als Beschuetzerin des Benigno Aquino und seiner Gesellen versteht. Vielleicht gibt es da ja eine Fortsetzung naechstes Jahr, wenn die Dame sich in den Ruhestand zurueckzieht.

Derart geschuetzt kann Trillanes gegen Praesident Duterte meutern und ihn als Moerder bezeichnen. So geht die Geschichte dann logisch weiter, und Hincks schlieszt mit den Worten: “In einer seltenen oeffentlichen Erklaerung beschrieb letzten Monat die Gattin des Praesidenten, Honeylet Avanceña, das Dilemma deutlich: dass der Senator noch lebt, sagte sie, beweist dass ihr Ehemann kein Moerder sei. Und solange er lebt, folgt daraus, dass Trillanes sich schwer tut, das Gegenteil zu beweisen.

Jetzt liest es sich wie ein guter Krimi, und das Motiv ist klar, warum Trillanes gegen Duterte meutert. Ohne das Aquino-Zwischenspiel und die abgelehnte Wahl-Partnerschaft – bei Carolyn Wells haette “Sonny” einen verschmaehten Liebhaber abgegeben – ist das nicht zu verstehen.

Das hatte mir an der Geschichte gefehlt. Krimi ohne Motiv geht nicht.



Lueg nicht!”… – …soll laut “Manila Standard” die Dienstanweisung von Praesident Duterte an seinen neuen Sprecher Harry Roque gewesen sein, der damit Ernesto Abella abloest. Duterte soll nicht zufrieden gewesen sein, wie Abella mit Dutertes Drohungen umgegangen sei, die Verbindungen zur EU zu kappen, wenn denen die philippinischen Erklaerungen zu den Morden im Rahmen des Drogenkrieges nicht passen.

An dem Abgeordneten Harry Roque respektiere Duterte dessen unabhaengige Sicht der Dinge, will das “Manila Bulletin” wissen. Das passt zu meinem Eindruck, dass Duterte keine Horde von Ja-Sagern in seinem Kabinett haben will. Ihm gefiel ja auch die “freigeistige” Gina Lopez, die aber eben wegen dieser Eigenschaft keinen Gefallen bei der Bestaetigungs-Kommission fand und gehen musste. Roque soll den Rang eines Kabinett-Ministers haben. Ich weisz nicht, ob er dann auch vor die Kommission muss, und ob die etwas gegen ihn haben. In seiner Partei war er mit alleinstehenden Meinungen schon mal angeeckt.

Wie auch immer, ich werde den pastoralen Ton des Ernesto Abella bei den Pressekonferenzen vermissen, die “PTV” meist live bringt. Mit Harry Roque wird es hektischer werden, kann ich mir vorstellen.

Gemaesz “Time”, “ManilaTimes”, “Inquirer”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.