…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 22. Oktober 2019

(zum Bild: Wahlbetrug)

 

Der Dauerbrenner… – …in den Blaettern ist die Diskussion der Nicht-Entscheidung des SC (Supreme Court) als PET (Presidential Electoral Tribunal) in Sachen Ferdinand “Bongbong” Marcos vs Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Robredo wegen moeglicher Mauscheleien bei der Wahl 2016. Ich weisz, das ist nicht neu, aber dann koennte ich heute wieder nichts schreiben, und so faellt mir als Ausrede nur noch ein, dass ich mich an den Gedanken gewoehnen muss, dass in der Politik auch nicht taeglich Neues geschehen kann. So interessiert mich nun, wie die verschiedenen Kolumnisten die Sache anfassen, zum Beispiel in der “Times”, in der sich Yen Makabenta und Antonio Contreras heute des Themas annehmen.

Makabenta hat klassische englische Literatur studiert, und so haengt er sich daran auf, dass in der Auszaehlung am 9. Mai 2016 abends Marcos mit ueber einer Millionen Stimmen fuehrte, nur um am naechsten Morgen hunderttausend Stimmen hinter Robredo zu liegen. Wie das? Das Geschehen im Dunkel der Nacht deutet Makabenta so:

Es war eine Szene, die an die Geschichte von Thomas Becket, dem Erzbischof von Canterbury, und Koenig Henry II erinnert.

“Becket war ein guter Freund von Henry II, welcher ihn zuerst zum Kanzler und dann zum Erzbischof von Canterbury ernannte.

“In der Kathedrale von Canterbury nimmt Becket sich sein Amt zu Herzen.

“Henry und Becket stritten sich ueber ein klerikales Privileg. Henry fand, dass die Kirche dem Gesetz des Landes unterliegt, aber Becket bestand darauf, dass die Kirche ueber dem Gesetz steht.

“Ihr Konflikt spitzte sich im Oktober 1164 auf Northampton Castle zu, als Henrys Anhaenger Beckets Loyalitaet zu seinem Koenig in Frage stellten und ihn beschuldigten, ein Verraeter zu sein.

Am Weihnachtstag 1170 predigte Becket in der Kathedrale und zeigte erneut sein stuermisches Temperament, als er einige seiner Mit-Bischoefe exkommunizierte mit den Worten: ’Moegen sie alle von Jesus Christus verdammmt sein!’

“Henry wurde wuetend als er von diesem Ausbruch hoerte und soll die schicksalhaften Worte ausgesprochen haben: ‘Schafft mir niemand diesen unruhigen Priester vom Hals?’

“Vier von Henrys Rittern nahmen dies als Aufforderung zu handeln; sie machten sich auf den Weg nach Canterbury und ermordeten Becket in der Kathedrale.

“Aehnliches koennte bei den Wahlen im Mai 2016 geschehen sein.

“Nach der Erklaerung von Aquino, dass ein Marcos-Sieg nicht passieren darf, machten sich Schluessel-Beamte Aquinos auf und schickten Marcos in eine Niederlage, sodass Rodredos unerklaerlicher Sieg moeglich wurde.

“Ich habe da eine Theorie, dass die Aquino-Regierung einen Plan hatte, sich den Weg zum Sieg 2016 zu kaufen und zu betruegen.

Es ist eine Funktion des Mythos, das Unerklaerliche hinter einer plausiblen Geschichte zu verstecken. Makabenta hat nicht erklaert, wie betrogen wurde. Er erzaehlt eine klassische Geschichte – Klassiker ziehen immer – und so hat der Leser ein Muster zu verstehen, was ihm zuvor unverstaendlich war. Als Aufsatz gut gemacht, liest sich so weg, als Nachricht keinen Pfifferling wert.

Einen anderen Ansatz waehlt Antonio Contreras zu demselben Thema unter der Ueberschrift: “In der Tat, Zahlen luegen nicht; sie koennen der rauchende Colt sein.” Jemanden mit der “smoking gun” in der Hand zu erwischen, “in flagranti”, ist der Gipfel der Beweiskunst in Kriminalfaellen. Nur sehr gute Krimi-Autoren schaffen es, den Angeklagten, der mit dem rauchenden Colt in der Hand neben der Leiche des Opfers von Zeugen ueberrascht wird, da noch rauszuschreiben. Und so haengt Contreras sich daran auf, was schon ein Anwalt des Marcos-Lagers vor ein paar Tagen so formuliert hat: “Versuchen Sie sich vorzustellen, auch wenn es eine Erhoehung seitens des Leni-Lagers gab, und wie hoch auch immer die Stimmen des Bongbong Marcos waren, beachten Sie, dass es eine Erhoehung gab und daher die Computer, die Maschinen nicht wie versprochen richtig funktionierten.

Er erklaert dann, dass die Regeln der manuellen Bewertung der Stimmzettel von der Auszaehlung mit VCM (vote counting machine) abweichen. Grad die Frage ist offen, ob ein Kaestchen ganz mit Tinte ausgefuellt sein muss – oder zu wieviel Prozent? – oder ob ein Haekchen (check mark) mitgezaehlt wurde bei der manuellen Betrachtung. Der Glaube, dass der Computer nur 0 und 1 kennt, kommt angesichts der bemalten Wahltapeten, mit denen die Scanner gefuettert wurden, ins Wanken. Es sind keine genormten Barcodes, die an der Supermarkt-Kasse problemlos durchgezogen werden. So kommt Conteras zu dem Schluss:

Es scheint nun, dass das Uebergewicht zweifelhafter Stimmen, Ausreiszern, Ueberstimmen [mehr Markierungen als zulaessig], und vom VCM abgewiesenen Wahlzetteln unter Rodredo-Waehlern verbreiteter waren als unter Marcos-Waehlern in den drei Pilot-Gebieten in einem Ausmasz, als sich PET entschied, Punkte und Haekchen mitzuzaehlen, dass Robredo sich erholte und ihren Vorsprung sogar ausbauen konnte.

“Robredo-Anhaenger behaupten, dass Zahlen nicht luegen. Das koennte sich aber auch gegen sie wenden. Tatsaechlich sind die 15.093 [Mehr-Stimmen] nur der rauchende Colt zu beweisen, dass sie von dem Betrug profitiert hat, durch den die Demokratie tatsaechlich einer sauberen und fairen Wahl beraubt wurde.

Hier ist es nicht der Mythos, den der Leser schlucken soll, sondern das Bild, das ihm den Blick verstellt. Der “rauchende Colt” suggeriert, dass Straefliches geschehen sein muss. Was aber, wenn die freihaendige Bemalung der Wahltapeten der Grund fuer mehrere moegliche Ergebnisse ist? Mich wuerde interessieren, wenn man nicht einen Muster-Wahlzettel, sondern einen der Fraglichen mehrfach durch eine der VCM laufen laesst, ob die immer zu demselben Ergebnis kommt. Ich hab da so meine Zweifel.

Wie auch immer, sonst ist nichts passiert, die Welt dreht sich weiter um sich selbst, und – gut, dass wir darueber nachgedacht haben.

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • Oktober 22, 2019 um 08:22
    Permalink

    Guten Morgen Herr Eckard,
    die Wahlen habe damals, 2016, hier auf den Philippinen miterlebt und auch zumindest teilweise im TV verfolgt.
    Was mir auffiel war, dass der „Niedergang“ von Herrn Marcos begann nachdem Smartmatic ein , wie sie es nannten „Softwareupdate“ eingespielt hatte.
    Für mich, der ich einige Jahre beruflich mit IT zu tun hatte, stinkt sowas geradezu zum Himmel.

    viele Grüße aus Cavite
    Dietmar Westenfelder

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