…aus der philippinischen Presse

 

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 22. Mai 2019

(zum Bild: Pia Hontiveros die Zicke)

 

Familien-Ausflug – Ex-Ombudsfrau Conchita Carpio-Morales unternahm gestern einen Ausflug mit Familie nach Hong Kong. Sie bekam dort nicht ungehindert Zutritt, sondern wurde von der Familie getrennt, in einen Interview-Raum gebeten und vier Stunden festgehalten. Dann erschien ein hoeherer Offizier, entschuldigte sich und meinte, sie koenne nun Hong Kong besuchen. Sie entscheid sich jedoch mit ihrer Familie nach Manila zurueck zu kehren, wo sie gestern Nacht ankam.

Carpio-Morales hatte mit Ex-Auszen-Minister Albert del Rosario beim ICC (International Criminal Court) im Maerz Klage eingereicht gegen Chinas Praesident Xi Jinping unter anderem wegen Verbechen gegen die Menschlichkeit durch Zerstoerung der Umwelt in der South China Sea. Fuer die Befragung und anfaengliche Verweigerung des Zutritts wurden ihr keine Gruende genannt, wie alle Blaetter und auch die “South China Morning Post” berichten. Dafuer fanden sie, ihre Anwaeltin und der Vorsitzende der LP (Liberal Party), Senator Francis Pangilinan, schneller den Grund und nannten dies “Bullying” und “Vergeltung” fuer ihre Klage gegen Xi. Dagegen verwahrte sich Auszen-Minister Teodoro Locsin, um den Ball flach zu halten und das nicht diplomatisch eskalieren zu lassen: “Woher weisz Francis, dass dies der Grund ist? Ist er der Chef von Hong Kong? Er bekam nicht mal seine Otso Demento (!) gewaehlt und er hat nun goettliche Einsicht in das Gemuet von Hong Kongs Autoritaeten?

Mir stellt sich die Frage, wes Geistes Kind man sein muss, den Fuehrer eines bekannt autoritaeren Staates vor ein internationales Gericht zerren zu wollen, gleichzeitig aber einen Familien-Ausflug in dessen Vorgarten zu unternehmen.  Und da sehe ich bei einer Frau, die trotz ihrer 78 Jahre durch jahrelange gezielt selektive Justiz gegen Feinde Aquinos bewiesen hat, dass sie kein geistiger Tiefflieger ist, sondern Faeden ziehen und in der Hand halten kann, nur einen zureichenden Grund: sie glaubt sich wirklich im Recht.

Sie sieht nicht, wie Rigoberto Tigalao in seinen Kolumnen wieder und wieder aufgezeigt hat, dass die USA Aquino bei Scarborough Shoal reingelegt haben, um den Standoff zu provozieren, bei dem es leider nicht zum Schusswechsel kam, den die USA als Vorwand zum Einschreiten haetten nehmen koennen. Sie sieht nicht, dass die USA die Philippinen zum Schiedshof nach Den Haag geschickt haben, um China medial bloszzustellen und ihre geo-politischen Absichten zu foerdern. Dass der Schiedsspruch wertlos ist, weisz jeder – auszer Carpio-Morales, del Rosario und der Richter am Obersten Gericht Antonio Carpio, der immer noch darauf herumreitet. Der Handelskrieg, den US-Praesident Donald Trump nun fuehrt, hat aus dessen Sicht vielleicht etwas mit der Handelsbilanz zu tun, setzt aber bruchlos die Geo-Politik seines Vorgaengers und des Deep State fort. Das alles hat mit Recht nichts zu tun, es ist lupenreine Macht-Politik.

Und es hat nichts mit “freiem Tourismus” zu tun, oder was sonst Carpio-Morales sich einbildet. Der Zutritt zu einem Land ist ein Privileg, das gewaehrt wird, kein Recht, das man haben kann. Sollte eine ehemalige Richterin am Obersten Gericht und Ombusdfrau eigentlich wissen.

 



 

Die leidige Verantwortung – Nach der Schlappe der Otso Diretso bei der Zwischenwahl uebernahm der Praesident der LP, Francis “Kiko” Pangilinan, die Verantwortung und trat zurueck. Seinen Ruecktritt verkuendete auch Jose Christoper “Kit” Belmonte, General-Sekretaer der LP. Die entsprechenden Gesuche reichten sie bei Vize-Praesidentin Leni Robredo ein, Vorsitzende der LP. Die nahm die aber nicht an, sondern liesz durch einen Sprecher wissen: “Die VP hat Senator Kiko und Abgeordneten Kits Ruecktritte nicht akzeptiert. Es bleibt viel Arbeit zu tun, und sie werden es gemeinsam tun”.

Genau das ist das Problem. Robredo, durch den Tod ihres Gatten in die Politik gestolpert, ist noch nie dadurch aufgefallen, dass sie irgendetwas geleistet oder geschafft hat. Bekannt wurde sie nur, als sie – die Vize-Praesidentin des Landes – die philippinische Polizei in einem Video verleumdete, im Kampf gegen Drogen mit “palit ulo ~ Kopf-Tausch” zu arbeiten, d.h., wenn die einen im Haftbefehl Genannten nicht fanden, ersatzweise einfach einen Verwandten einzubuchten. Das Video wurde im Maerz 2017 mit einem Interview vom “Time”-Magazin veroeffentlicht. Ansonsten begnuegte sie sich in der Rolle als Vize-Praesidentin darauf zu warten, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte an einer der vielen realen und nachgesagten Krankheiten stirbt oder auf welche Weise auch immer aus dem Weg geraeumt wird. Die Aussicht, Parteiarbeit zu leisten und die LP womoeglich auf den “Endsieg” bei den Praesidial-Wahlen 2022 vorzubereiten, muss ihr den Angst-Schweisz auf die Stirn getrieben haben.

 



 

Ladies first! – Bei Abschluss der Philippine Military Academy belegte die Kadettin Dione Mae Umalla aus Ilicos Sur den ersten Platz unter 190 maennlichen und 73 weiblichen Kadetten. Es war seit 1999 das fuenfte Mal, dass eine Frau den ersten Platz einnimmt. Umalla beabsichtigt zur Philippine Navy zu gehen. Die Uebergabe der entsprechenden Zertifikate wird naechsten Sonntag Praesident Duterte vornehmen. Wer militaerisches Zeremoniell und Fancy Drill mag, sollte die Graduation im TV anschauen, wird sicher live uebertragen.

Aus gegebenem Anlass interviewte Pia Hontiveros in ihrer “News Night” gestern bei “CNNPhil” die Top-Kadettin live, und das war eine Katastrophe. Ich gebe zu, dass Umalla nicht das ist, was Reporter gern als Interview-Partner vor das Mikrofon bekommen: jemanden der frisch von der Leber weg von sich selbst zu reden weisz und im Gespraech eher gebremst als gefordert werden muss. Das ist Umalla nicht. Gehemmt und sicher keine Plaudertasche, beantwortete sie Fragen brav mit “yes, Ma’am” oder “no, Ma’am”, sofern dies moeglich war. War die Frage offen, glaenzte sie durch praegnante Kuerze der Antwort. Ein Gespraech kam so nicht zustande.

Ich verstehe, dass Journalisten die Pimpernellen kriegen, werden sie mit einem solchen Gespraechs-Partner konfrontiert. Was ich nicht verstehe ist, dass Hontiveros sich dann darauf verlegte, da sie die Information hatte, dass Umalla Tochter einer “single mother” ist, diese nach ihrem Vater auszufragen, wo der sei, und ob der zur Graduierung kommen werde, und ob es eine Versoehnung der Familie geben wuerde. Dies alles konnte Umalla nicht beantworten, die Eltern leben offenbar schon laenger getrennt, und sie weisz nichts von ihm. Genau darin jedoch bohrte Hontiveros mitleidlos herum. Es war zum Fremdschaemen fuer das Verhalten dieser TV-Journalistin, so im Privatleben einer jungen Frau herumzustochern, die das alles nicht haben wollte, sich aber in einer Situation fand, in der sie nicht in der Lage war, selbst das Gespraech zu beenden.

Ich verstand das Verhalten von Hontiveros ueberhaupt nicht – bis ich am Abend in den “Fox News” zufaellig einen Bericht ueber die Graduierung der US-Militaer-Akademie sah, die, Zeit-Verschiebung, am Vortag gewesen sein musste. Dort wurde eine Kadettin graduiert, die ihren in Korea stationierten Vater seit 10 Jahren nicht gesehen hatte, und der – Ueberraschung – nun zu ihrer Graduierung auftauchte: Jubel, Kreisch und Freudentaumel!

Das musste Hontiveros gesehen und im Auge gehabt haben, als sie eine aehnliche Story gestern Umalla einreden wollte. Da passte aber auch gar nichts. Der eher introvertierte Typ der Kadettin, die kaum jubelt oder kreischt, wenn sie sich freut, schon gar nicht vor der Kamera, und die fehlende Beziehung zum Vater, der nicht woanders stationiert ist, sondern offenbar haben die Eltern sich getrennt, oder der Vater, wie man in Visayan so sagt, “nalumos sa sabaw ~ ist in der Suppe ertrunken ~ ist abgehaun”. Es war widerlich, wie Hontiveros Umalla in peinlichem Verhoer zu dem “Gestaendnis” zwang, dass sie sich freuen wuerde, wenn ihr “papa” am Sonntag kaeme. Hontiveros forcierte dann noch und zwang die Gedemuetigte live im TV “papa” anzusprechen und zu bitten, zu ihrer Graduierung zu kommen.

Das Damenkraenzchen bei “CNNPhil” versteht es immer mehr, selbst die Nachrichten zur Life-Style-Feature-Story zu pervertieren, in der die Damen – nur Frauen koennen Frauen so hassen – ihre niedersten Instinkte ausleben. Das gestern war eine glatte Vergewaltigung. Haette sich ein maennlicher Journalist so aufgefuehrt, haette er heute einen Shitstorm der #MeToo-Bewegung zu erwarten.

Saysay sa adlaw – Bintahusa nga tsismosa. 

bintahusa gemein, nga Verbinder, tsismosa Schwatztante, Geruechte-Verbreiterin

Satz des Tages – Die Schwatztante ist gemein.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “South China Morning Post”, “CNNPhil”, “Fox News” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.