…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 28. Dezember 2018

(zum Bild: Duterte auf der Totenwache von Batocabe)

 

Der Mord an Rodel Batocabe… – …hat nun auch Praesident Rodrigo Roa Duterte auf den Plan gerufen. Batocabe, der sich 2019 fuer das Amt als Buergermeister zur Wahl stellen wollte, verteilte in seiner Heimatstadt Daraga, Albay, am 22. Dezember Geschenke an Senior Citizens und Behinderte, als er und sein Polizei-Begleiter erschossen wurden. Am 26. Dezember gegen Mitternacht kam Praesident Duterte zur Totenwache in der Bicol University in Daraga, um der Witwe Gertie zu kondolieren. Nach dem Gespraech stellte er sich der Presse und sagte, dass er die Belohnung fuer Hinweise zur Ergreifung der Taeter, die bei 30 Mio Peso lag, auf 50 Mio erhoeht. Dabei gab er einen mysterioesen Hinweis auf den fuehrenden Kopf hinter der Tat: “Jeder kann es gewesen sein. Wenn ich sage, dass es politisch motiviert war, koennte es der Buergermeister sein, der Gouverneur. Aber mein Favorit ist der Buergermeister. Aber ich sage nicht, wer der Buergermeister ist.” Und dann ging es wieder mal mit ihm durch und er drohte dem Taeter: “Ich habe meine Gruende den Kerl zu verdaechtigen. Mach das nicht, denn du kannst nicht alle Leute so bedrohen. So, wenn dieser Vorfall auf dich zurueckschlaegt, komme ich zurueck um dich zu demuetigen. Weiszt du was, ich werde zu deinem Haus kommen und dir eine reinhauen. Wenn du es probieren willst, mach so’nen Bloedsinn nochmal. Wenn ich wuetend werde, verdammt nochmal, werde ich dich erschieszen.

Nun, Duterte wird nicht schieszen. Diese Aussagen kamen, nachdem er mit der Witwe gesprochen hatte. Die hatte ich schon in einem TV-Interview gesehen, in dem sie sagte, sie wisse, wer dahintersteckt. Das muss mit einem Koernchen Salz genossen werden. Natuerlich kennt man sich in einem Bezirk mit knapp 200 Tsd Wahlberechtigten und weisz, wer mit wem kann und wer nicht, aber das beweist nichts. Die Polizei sagt – ohne Namen zu nennen – sie konzentriere ihre Untersuchung auf 6 “persons of interest”.

Warten wir’s ab. Ansonsten bleibt festzuhalten, dass Morde nicht erst unter Praesident Duterte begonnen haben. Neben den ueblichen Totschlag-Motiven gehoeren Morde bei anstehenden Wahlen oder wegen Landstreitigkeiten hier zur Tradition, weshalb ich auch zunaechst nicht darueber geschrieben hatte – Alltag halt. Dass alle Politiker sich grad darueber aufregen kann daran liegen, dass es sonst wegen der Weihnachtsferien nichts zu melden gibt.

Nichts war zu hoeren… – …von den Kommunisten, die am 26. Dezember den 50sten Gruendungs-Tag der CPP (Communist Party of the Philippines) in aller Stille begingen, was zu dem Titel der gestrigen Kolumne von Jojo Robles in “The Manila Times” passen wuerde: “Red is dead”. Offenbar um sich dagegen zu verwahren, und auch gegen die Aussage des Sprechers des Praesidenten, Salvador Panelo, der die kommunistische Rebellion als “Fehlschlag” bezeichnet hatte, meldete sich CPP-Gruender Jose Maria “Joma” Sison aus seinem selbstgewaehlten Exil – er wurde nicht verjagt, er ist abgehauen, nachdem “Cory” Aquino ihn aus dem Gefaengnis entlassen hat – in Utrecht, Niederlande. In einer “online message” an die “Times” fragte er nun: “Wie kann die CPP ein Fehlschlag sein, wo sie grosz und stark wurde nachem sie 1968 klein und schwach war, die New People’s Army (NPA) aufbaute, die revolutionaere Massen-Bewegung und die demokratische Volks-Regierung?” Er verwies auf einen Link zu einem seiner Artikel, in welchem er den Sturz von Ferdinand Marcos 1968 und den von Joseph Estrada 2001 unter die “Errungenschaften” der CPP zaehlte. Weiter sagte er den Sturz Dutertes durch irgendeine Abrechnung voraus und fuegte hinzu: “Doch die demokratische Volksregierung und die revolutionaere Bewegung wird Welle um Welle fortschreiten bis sie die reaktionaere Regierung buerokratischer Marionetten, Groszhaendler und Gutsherren stuerzt.

Gut, dass wir das jetzt wissen, mir selbst waere das nicht eingefallen. Doch, will ich nicht ungerecht sein, und erinnere, was ich im April 2017 in meinem Blog schrieb: “Jose Maria Sison, der von Praesident Duterte eingeladen wurde in die Philippinen zurueck zu kehren, will das erstmal nicht. Er wartet auf eine guenstige Entwicklung der Verhandlungen mit einem Abschluss mit Amnestie, Entlassung aller ‘politischen Gefangenen’ und sozialen und wirtschaftlichen Reformen. Solange das nicht ist, koenne er sich eine Rueckkehr hoechstens vorstellen, wenn er als ‘National Artist for Literature’ nominiert wird. Einem ‘National Artist’ winkt neben 100 Tsd Peso Preisgeld eine monatliche Pension, medizinische Versorgung bis ans Lebensende und ein Staatsbegraebnis auf dem ‘Libingan ng mga Bayani (Friedhof der Helden)’.

Ich weisz nicht, was hier als Literatur betrachtet wird, wenn ich seine Titel in ‘Wikipedia’ durchgehe: ‘Foundation for Resuming the Philippine Revolution’, ‘Defeating Revisionism, Reformism & Opportunism’, ‘Building Strength through Struggle’, ‘Detention and Defiance against Dictatorship’, ‘Continuing the Philippine Revolution’ und so weiter und so weiter.

Vielleicht sieht Sison, dass er mit den Titeln keinen Blumentopf gewinnen kann. So versucht er sich nun in “political fiction” und schreibt die philippinische Geschichte um. Ob ihm das jemand abkauft?

Gemaesz “PCOO”, “ManilaStandard”, “ManilaTimes” u.a.