aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 19. Juli 2020

Zum Bild: Viele warten auf die STATE OF THE NATION ADDRESS 2020

 

Sonntagsgedanken – Es gibt eine Entscheidung des Obersten Gerichts vom 8. Mai, die erst am 8. Juli bekannt wurde, ueber die ich nicht geschrieben haette, gaebe es Erzaehlenswertes. Die Gesundheit von Praesident Rodrigo Roa Duterte  sei kein Thema fuer die Oeffentlichkeit, fand das Oberste. Damit wies es den Antrag des Anwalts Dino de Leon ab, der wuenschte, alle medizinischen Berichte und Gesundheits-Bulletins des Praesidenten moegen veroeffentlicht werden. Das Oberste begruendete: “Das Gericht haelt es fuer angebracht, darauf hinzuweisen, dass der Praesident in den letzten Monaten sichtlich regelmaeszig Kabinettssitzungen abgehalten hat und damit die Unterstellung des Bittstellers widerlegt hat, der Praesident leide an schweren Krankheiten.” Die Verfassung von 1987 verlangt, die Oeffentlichkeit im Falle einer schweren Erkrankung des Praesidenten zu informieren. Liegt die nicht vor, gibt’s halt keine Information. Nun gibt es aber Leute, die gern in den Krankheiten anderer Leute herumstoebern, und Praesident Duterte wird da nicht verschont.

Bekannt ist hier vor allem Francisco Tatad, vormals Kolumnist der “Times”, der am 6. Januar 2017 mit der Frage “Did DU30 visit Guangzhou’s Fuda Cancer Hospital?” kam. Da Tatad nichts Genaues wusste, brachte er sein Unwissen so unters Volk: “Aufgrund der widerspruechlichen Aussagen von Abella [damals Sprecher des Praesidenten] und der ungenannten ‘Quelle’ ist es riskant einem Bericht aus einer Kette gewoehnlich zuverlaessiger Quellen Glauben zu schenken, dass DU30 Davao tatsaechlich an Bord eines privaten Geschaefts-Flugzeuges verliesz, das ihn zu einem Treffen mit Aerzten im weltberuehmten Fuda-Krebskrankenhaus in Guangzhou, Provinz Guangdong, nach China flog.

Dann zaehlte er alle bekannten Krankheiten von Duterte auf – “staendige schwere Migraene, Barret-Oesophagus, Morbus Buerger und die Verwendung eines synthetischen Opiods namens Fentanyl” – und hinterliesz so beim Leser die “naheliegende Frage”, warum Duterte nicht auch Krebs haben koennte. Das Geschick des Artikels liegt neben dem simplen “journalistischen Fragezeichen” der Ueberschrift, mit dem ueblich Geruechte in die Welt gesetzt werden, darin, sich in juristisch brillanten Windungen jeder Verantwortung zu entledigen, gar etwa behauptet zu haben, dass der Praesident Krebs hat.

Als die Krebs-Geruechte danach ins Kraut schossen, erklaerte Duterte seinen Besuch im Hospital im Februar 2017 so: „Nagpatuli ako… ~ ich wurde beschnitten…“ Er wurde in der Jugend nach traditioneller Methode beschnitten, doch die Vorhaut sei nachgewachsen. Die Fentanyl-Pflaster benutzte er eine Zeit wegen Kreuzschmerzn aus einem Motorrad-Unfall. Sein Arzt riet davon ab – “das koenne suechtig machen” – und er stellte das Pflaster wie das Motorradfahren ein.

Am 25. August 2017 kam Tatad in der “Times” mit der Frage heraus: “A ‘psychopathic despot’?” Er berief sich auf einen Artikel des “Asia Sentinel”, der an Duterte kein gutes Haar liesz, und fuegte ein Gutachten an, das 1998 eine Psychologin, Dr. Natividad Dayan, im Zusammenhang mit der Aufloesung der ersten Ehe Dutertes erstellt hat. Dieses Gutachten wurde von “ABS-CBN” schon im April 2016 in einem Artikel aehnlich dem Part in Francisco Tatads Kolumne verwurstet, als Duterte als Kandidat fuer das Amt des Praesidenten auftrat. Tatad verwendete es, um eine weitere “naheliegende Frage” beim Leser zu landen: “War DU30, dessen Ehe aufgrund einer schweren psychischen Stoerung gescheitert war, praedisponiert, als Despot mit dem gleichen psychischen Defekt Erfolg zu haben?

Nun, man weisz aus einvernehmlichen Scheidungs-Prozessen, wenn das Gesetz einen Scheidungs-Grund verlangt, dass man sich auf einen einigt, der von einer Partei genannt wird, und die andere Partei widerspricht dem nicht. Kein Richter fragt dann, ob das stimmt; kenn ich aus eigener Scheidung, fuer die damals auch ein Grund erforderlich war.

Am 11. Februar 2019 wollte Tatad in seiner Kolumne wissen: “Did DU30 get a new kidney?”, die so beginnt: “Zwei unabhaengige Quellen, von denen keine genannt werden will, haben behauptet, dass sich Praesident Rodrigo Duterte am Mittwochmorgen, 29. Januar 2019, einer erfolgreichen Nieren-Transplantation unterzog, unter Geruechten, dass er ernsthaft erkrankt sei.

Tatad war Informations-Minister unter Ferdinand Marcos. Dessen Nieren-Transplation musste wiederholt werden, weil die erste abgestoszen wurde. Das scheint Tatad eine bleibende Erinnerung an den Diktator zu sein, der kurz danach gestuerzt wurde. Warum nicht auch so bei dem Despoten Duterte? Doch – falsch gedacht – es war nur eine Routine-Untersuchung zu der Duterte ins Krankenhaus gefahren wurde.

Nun schrieb Tatad nicht nur ueber die Gesundheit des Praesidenten, sondern in dem Stil auch zu dessen Politik, so dass Duterte schlieszlich der Kragen platzte und im Februar 2019 drohte: “Dieser Tatad, du Tatad. Weiszt du, es gibt eine Grenze zwischen Presse-Freiheit und Verleumdung. Wenn ich dich sehe, geh mir aus dem Weg. Du Hurensohn, ich hau dir eine rein. Glaub mir, ich ohrfeige dich vor allen Leuten.” Er bot dann auch an, wenn Tatad eine Frau haette, sie ihm mal zu leihen, der koenne er zeigen, was ein Mann ist, weil Tatad wegen Diabetes keinen mehr hochkriegt, aber – lassen wir das, das lenkt vom Thema ab.

Nun, der Krug geht solange zum Brunnen, bis er bricht, und so folgte am 8. Maerz 2019  aus der Feder des Besitzers der “Times” Dr. Dante A. Ang ein Leitartikel betitelt “The Times’ prerogative to end Tatad’s fake storytelling”. Darin verwahrte Ang sich gegen die Luege seines bisherigen Kolumnisten Francisco Tatad, er, Ang, habe ihn, Tatad, auf Weisung des Praesidenten Duterte rausgeworfen. Tatad wurde gefeuert, weil Ang meint: “Eine Zeitung existiert zu dem Zweck, die Menschen zu informieren indem sie akkurate, faire und objektive Nachrichten und Kommentare liefert, und gegen den Missbrauch der Macht ist, sei das nun in oder auszerhalb der Regierung. Die Times steht zu diesem Grundsatz.

So hatte Francisco Tatad keine Kolumne mehr in der “Times”. Seine letzte Luege, er sei auf Dutertes Weisung rausgeworfen worden, die er in einer “Abschieds-Kolumne” verbreiten wollte, wurde von der “Times” nicht mehr gedruckt.

Zurueck in die Gegenwart.

Ob Dino de Leon in Tatads Fuszstapfen treten will, weisz ich nicht, er zeigt aber schon die noetige Borniertheit. Trotz des abschlaegigen Entscheids des Obersten, schrieb er am Donnerstag einen Brief an den Sprecher des Praesidenten, Harry Roque: “Angesichts der Bedeutung der Gesundheit des Praesidenten fuer die Oeffentlichkit sowie des Rechts der Bevoelkerung sich der Richtigkeit der Aussagen des Praesidentensprechers zu versichern, bitte ich Sie hoeflichst, der Oeffentlichkeit die Grundlage fuer ihre Schlussfolgerung zu liefern, dass der Praesident zu 88 Prozent gesund ist.

Roque verwies in seiner Antwort auf den Entscheid des Obersten – siehe oben.

Nun ist es aber so – und damit komme ich zu meinen Fragezeichen – dass Duterte in letzter Zeit wenig von sich hoeren liesz. Seine zwei Saetze aus dem Transcript seiner Rede an das Volk zitierte ich am Freitag in diesem Blog. Es sprachen andere und er hoerte zu. Ich will da keine Unpaesslichkeiten vermuten, ein solcher “Tatadismus” liegt mir fern, und Zuhoeren ist wichtig fuer Praesidenten, doch etwas mehr als “maraming salamat” moechte ich schon wissen, und so hoffe ich, dass er am 27. Juli mehr sagt, wenn er seine fuenfte SONA (State of the Nation Address) im Kongress haelt.

Einen schoenen Sonntag noch.

 



 

Gemaesz “PNA”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht

Ein Gedanke zu „aus der philippinischen Presse

  • Juli 21, 2020 um 11:41
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    Ueber Deine Schreibweise wollen wir nicht mehr Diskutieren,da ist Alles über Bord zu werfen was wir einmal gelernt haben. Ausgangssperre und das herunter fahren der Wirtschaft-Industrie kostet ca. 1o Millionen Arbeitsplätze? Tourismus für lange Zeit am Boden ,Hotels und Restaurants schliessen. Während der Ausgangssperre sind mehr Leute gestorben weil Sie nicht zur Behandlung ins Spital resp. zum Arzt konnten. Ph. ca. 1o3 Millionen, und nur 12OO Tote wegen CORONA! Da stellen sich Fragen. Spital heute; Kranke gehen nicht ins Spital wegen Angst dass Sie nicht gleich in Quarantäne müssen,Sie schicken Familien Mitglieder vor?! Quarantäne scheint weltweit zum Kassenschlager zu werden. Viele Europäer sind mit spez. Flügen nach Hause gegangen,der Aufwand aber sehr gross. Gruss H.H

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