…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 11. Juli 2018

 

Finanzen sind nicht so mein Ding… – …und grad deshalb sollte ich darauf achten. Hab ich aber nicht, und so entging mir gestern in “The Manila Times” die Kolumne von Ben D. Kritz mit der bezeichnenden Ueberschrift “’Build Build Build’ sieht aus wie Pleite, Pleite, Pleite”. Die Commission on Audit erachtet die Bemuehungen des DPWH (Department of Public Works and Highways) als zum Scheitern verurteilt, da sie zwei wichtige Maengel fuer das Jahr 2017 festgestellt hat.

Der erste war, dass 334 Projekte des DPWH Fehler aufwiesen ‘die, falls nicht korrigiert oder richtig gestellt von betroffenen Vertragsnehmern, dazu fuehren, dass oeffentliche Mittel verschwendet werden und die Oeffentlichkeit um den maximalen Gebrauch der Infrastruktur gebracht wird.’ Die zweite und weitaus wichtigere Entdeckung war, dass nur ein Drittel der dem DPWH verfuegbaren Mittel fuer Infrastruktur-Projekte tatsaechlich ausgegeben wurden ‘ursaechlich wegen verzoegerter/nicht begonnener Infrastruktur-Projekte.’ Von dem Etat von 662,7 Mrd Peso wurden nur 222,7 Mrd Peso in Projekte gesteckt, wobei zusaetzliche 51,8 Mrd Peso ‘unzugeordnet’ blieben und an das Schatzamt zurueckgegeben wurden.

Kritiker haetten gegen “Build, build, build” schon frueh eingewandt, dass groeszere Projekte stets eine laengere Anlaufzeit zwischen Idee und Baubeginn haben. Zum anderen haette das Land nicht die erforderlichen Fachkraefte, um all die geplanten Projekte in Angriff zu nehmen.

Das Hauptproblem sieht Kritz im Mangel an kompetenten Mitarbeitern im DPWH, Projekte dieser Zahl und Groeszenordnung zu managen, wie auch im Mangel an Fachkraeften, die eben nicht – wie blauaeugige Duterte-Fans wohl meinten – in Middle East einfach in den Sack hauen, um hier fuer einen Bruchteil des Gehalts dasselbe zu tun.

Da so Dutertes Parade-Projekte kaum vorzeigbar sind, wundert es Kritz nicht, dass die SONA (State of the Nation Address) von Praesident Duterte mehr “vom Herzen kommen soll … unbehindert von dem Erfordernis ueber die verschiedenen Erfolge zu berichten”, wie der Sprecher des Praesidenten Harry Roque das vor Journalisten ausdrueckte. “Praktische Erfolge scheinen weniger zur Verfuegung zu stehen als alle gehofft hatten, mit keiner guten Idee, wie der Mangel zeitgerecht behoben werden koennte, um Resultate vorzuweisen, wenn Duterte abtritt.

Das ist nicht mit einem Fuehrungswechsel bei DPWH zu beheben. Das dauert.

Sie ist inkompetent – Vize-Praesidentin Leni Robredo verkuendete gestern, dass sie die Fuehrung der Opposition im Land uebernehmen will. “Neben politischen Parteien gibt es andere Bewegungen mit aehnlichen Motiven wie Bekaempfung der Diktatur und Politik, mit der ich nicht einverstanden bin, als da sind: auszergerichtliche Toetungen und die Anti-Herumlunger-Bewegung, welche beide hart die Armen treffen, die Foederalismus-Karawane, die Staatsgelder nutzt, aber die Armut nicht anspricht. Doch diese Stimmen sind nicht abgestimmt. Ich will diese Stimmen vereinigen, und das ist die Rolle, die ich uebernehmen will.

Spaeter am Nachmittag hielt Praesident Duterte eine Rede in Clark, Pampanga, “PTV” war live dabei, und nach der Rede stellte er sich der Presse. In der Rede betonte er wieder den Unterschied von seinem Gott und diesem “bloeden Gott”, der Himmel und Hoelle geschaffen hat. Hierzu wurden Fragen gestellt, die er abblockte. Wenn man ihm mit Gott kommt: “Ich hab das Recht zu antworten. Es gibt eine Trennung der Gewalten [sprich: Kirche und Staat]. Warum verflucht noch eins fuehrst du den Namen Gottes gegen mich in’s Feld?” Ein Reporter wollte dann von ihm wissen, was er dazu sagt, dass Leni Robredo die Opposition im Land vereinigen und fuehren will. Duterte: “Sie wird Praesidentin? Schau her, ich trete nicht zurueck, weil das sie zur Praesidentin machen wuerde. Mein Ruecktritt [im Falle eines Verfassungs-Wechsels] richtet sich an das Volk, sodass es waehlen kann, wen immer es will. Sie? Ich glaube nicht, dass sie jemals in der Lage ist, mein Land zu regieren. Grund? Inkompetenz. … Sie ist nicht faehig ein Land wie die Philippinen zu fuehren.” Reporter: “Warum?” Duterte: “Sie ist inkompetent.

Manchmal ist es einfach zuviel… – …und so kann ich hier nur auf drei Kolumnen hinweisen, falls sich jemand naeher fuer die Inkompetenz der Opposition interessiert, ohne sie im Einzelnen zu referieren.

Rigoberto Tiglao zeigt in seiner Kolumne in “The Manila Times”, dass die Attacke gegen Jose Midas Marquez, derzeit Verwaltungs-Chef des Obersten Gerichts, der fuer das vakante Amt eines Richters am Obersten vorgeschlagen wurde, ein Racheakt der Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno ist, die einen Blogger “Gwapito” vorschiebt, der die treffen soll, die sie hinter ihrem Rausschmiss vermutet.

Jojo Robles zeigt in seiner Kolumne in “The Manila Times”, dass Leni Robredos Verbruederung in einer Party mit dem Team, das den Wahlbetrugs-Vorwurf untersucht, nichts ist als eine weitere Verzoegerung des Verfahrens, damit die Nachzaehlung blosz nicht vor Ende ihrer Amtszeit zu Rande kommt.

Getsy Tiglao zeigt in ihrer Kolumne im “Manila Bulletin”, dass die Kirche weiter das Maentelchen “heiliger Unantastbarkeit” als Schutz vorschiebt, wenn es um politische Einmischung einer Nonne geht. Dagegen wird die “Auszergerichtliche Toetungs”-Keule herausgeholt, wenn es um weltliche “Opfer des Staates” geht. In jedem Fall wird dem Staat Schuld untergejubelt und so Destabilisierung betrieben.



Fragen oder nicht fragen? – Das ist hier die Frage, wenn im Netz die Frage diskutiert wird, warum man in den Philippinen oft nur ungenuegende Anworten auf einfache Fragen bekommt. Ich will hier auf die Beispiele nicht eingehen, die sich an kompliziertem Satzbau – Oder-Fragen gehen gar nicht! – Gesichts-Verlust, Logik von Frauen und anderen moeglichen Nebensaechlichkeiten hochziehen.

Eine Frage, ganz besonders eine “einfache”, noetigt den Gefragten zu antworten, und das umso mehr, wenn der Fragesteller ein reicher Auslaender und ein Kunde, und damit also eine Respektsperson ist. Das wuerdigt den Gefragten in seiner gesellschaftlichen Stellung herab, und da muss er sich nun beweisen. Vielleicht ist schon aufgefallen, dass gleichrangige Filipinos von Kleinauf lernen, sich nie direkt mit ihrem Rufnamen, sondern immer nur indirekt mit “ate” oder “kuya”, mit ihrem gesellschaftlichen Rang anzusprechen. In der funktionalen westlichen Welt haben wir den gesellschaftlichen Rahmen aus dem Gespraech entfernt und durch den Informations-Gehalt ersetzt. Das klappt hier nicht – wenn man es nicht grad mit westlich umgepolten Filipinos zu tun hat – es wird eher als anstoeszig betrachtet, und dagegen verwahrt man sich. Die Antwort kann so nicht nur am Informationsgehalt relativ zur Frage gemessen werden, sondern auch daran, ob man mit dieser Attacke auf gutes Benehmen fertig wird.

Das klingt kompliziert, ist aber ganz einfach. Wenn ich in Deutschland einen Bekannten traf und fragte: “Wie geht’s?” Dann sagte der “Gut”, und ich wusste nichts. Traf ich ihn aber, vielleicht auch mit anderen am Stammtisch, und erzaehlte in lockerer Runde so nebenher, dass ich Probleme mit Schuppen haette, und nun mein Haar auf 4 mm schneide, damit ich beim Haarewaschen an die Kopfhaut komme, und seither sei alles in Ordnung – dann erzaehlte jeder in der Runde, was ihm fehlt, berichtete aehnliche Faelle in seiner Verwandschaft ersten und zweiten Grades, und ich bekam eine genaues Bild von dem, was ich wissen wollte, aber nie haette fragen duerfen. Man muss den anderen mitnehmen, wenn man von ihm etwas wissen will, und nicht eine platte Frage vor den Latz knallen.

Ich hab da auch oefter ein Problem, insbesondere weil ich die Muttersprache der Filipinos – in diesem Fall Visayan hier – nicht beherrsche, und mich mit Englisch behelfen muss. Das bringt die zusaetzliche Schwierigkeit in’s Spiel, dass Filipinos das auch nur aus der Schule kennen. Sie werden so in aller Oeffentlichkeit in eine Schulsituation versetzt, in der sie sich nun beweisen muessen. Und wer kennt das nicht selbst? Was man zu Hause fleiszig gelernt und noch alles gewusst hat – vor die Klasse zitiert und dort peinlich befragt, bringt man ploetzlich nichts mehr heraus.

Aber ich will doch nur etwas wissen”, hoere ich schon den Einwand, “ist das so schwierig?

Nun, wenn es eh unwichtig ist, was rege ich mich darueber auf? Als Sokrates auf den Markt kam und die vielen schoenen Dinge sah, wurde ihm klar, was er alles nicht braucht. Ist es aber eine wichtige Frage, zu der ich diesen Menschen jetzt brauche, warum will ich mich nicht auf ihn einlassen?

So bewundere ich meine Frau, wie sie von Filipinas oder Filipinos alles rauskriegt, was sie wissen will, ohne danach zu fragen. Von daher ist es falsch, ungenuegende Antworten nur einem Verstaendnis-Mangel der Filipinos zuzuschreiben – was natuerlich auch vorkommt. Westler muessen lernen Filipinos zu verstehen, und dann wuerden sie keine einfachen Fragen stellen. Sie wuerden etwas von Problemen mit dieser oder jener Sache erzaehlen und wuerden hoeren, wie ein anderer Mensch damit fertig wurde, und bei dem, was sein Vetter zweiten Grades in der Situation gemacht hat, als dessen aeltester Sohn sich mal das Bein gebrochen hatte und man das Krankenhaus nicht bezahlen konnte, wuerden sie auch nicht mehr hinhoeren, weil sie aus der ersten Geschichte schon erfahren haben, was sie wissen wollten, wonach sie aber ganz geschickt nicht gefragt hatten. Wer hier etwas verstehen will, muss einfach nur so tun, als seien Filipinos Menschen – und keine westlichen Androiden, von denen man “nur etwas wissen will”.

Von daher verstuende sich auch, warum Duterte sich von Auslaendern nicht befragen laesst ohne sie selbst in’s Kreuzverhoer nehmen zu koennen. Und das schon gleich gar nicht zur Menschlichkeit oder Unmenschlichkeit seiner Politik, weil diese Westler im Grunde immer noch Kolonialherren sind, die meinen Recht und Wahrheit gepachtet zu haben, und nicht mal mehr wahrnehmen, wie sie jemandem aus der “dritten Welt” damit vor den Kopf stoszen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “CNNPhil”, “PTV”, “GMANews”, “ManilaBulletin” u.a.

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.