…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 23. Juni 2018 

 

 

Die Hysterie… – …die sich im Moment in den Medien um den “Oplan Tambay” breit macht, verdeckt den eigentlichen Skandal. Die Polizei zeigt mehr Praesenz und geht gegen oeffentliches Trinken, Belaestigung von Passanten, mangelnde Kleidung und anderes Tun und Treiben dieser “Herumsteher”  vor, was man in Deutschland Erregung oeffentlichen Aergernisses nennt. Nun ist es zu einem Todesfall gekommen, der von der Polizei untersucht wird. Nach bisherigem Kenntnisstand wurde ein Mann, der mit freiem Oberkoerper an einem Kiosk Guthaben fuer sein Handy kaufte, von der Polizei eingesperrt und in Haft von anderen Haeftlingen totgeschlagen. Die Familie des Opfers “Tisoy” gibt der Polizei eine Mitschuld, weil sie meint, die haetten ihn nur gefasst, um so eine “Quote” zu erfuellen. Gibt es eine Verhaftungs-Quote, waere das ein Skandal, aber die Frage ist offen.

Der Skandal ist vielmehr, dass in Dingen, wo die Polizei in Deutschland einen Platzverweis erteilen oder einen Strafzettel ausfuellen wuerde, in den Philippinen – wie im Vorbild des Rechts-Systems der Vereinigten Staaten – immer gleich verhaftet wird. Die Zelle, in der “Tisoy” so landete, wenn ich es recht verstanden habe, ist fuer 40 Haeftlinge geplant, derzeit jedoch mit 135 Haeftlingen belegt. Im Interview mit einem Polizei-Direktor in Pia Hontiveros “NewsNight” bei “CNNPhil” verstand ich den Direktor so, dass es sich dabei um 25 oder zweimal 25 qm handelte; ich bin mir da nicht sicher. Aufnahmen in Gefaengniss spaeter in Jessica Sohos “State of the Nation” bei “GMANews” zeigten mir jedoch, dass das schon gut moeglich ist: die Bewegungsfreiheit der Haeftlinge aehnelt der einer Oelsardine nachdem sie eingedost wurde. Angebot und Nachfrage regeln da den Preis des Platzes, was sich inhaftierte Mitglieder einer Gang zu nutze machen, die dort Steh-, Sitz- oder Liege-Plaetze anbieten – gegen Cash, sonst gibt’s Zoff. “Tisoy” konnte oder wollte nicht zahlen, aber – das muss nun alles geklaert werden.

Der Abgeordnete Jose Christopher “Kit” Belmonte, der in dem betroffenen Bezirk lebt, fordert eine Untersuchung und begruendet das mit “dringendem Bedarf, die wachsende Zahl illegaler Verhaftungen und fragwuerdige Haft-Prozeduren zu untersuchen, aehnlich den Umstaenden des Todes des Genesis ‘Tisoy’ Argoncillo.

Ob legal oder illegal, die grundsaetzliche Frage ist, ob man die Leute fuer jeden Mist einsperren muss. Wird das bejaht, sollte man auch entsprechend viele halbwegs menschenwuerdige Haftzellen einrichten, aber – wer soll das bezahlen? Diese Zellen scheinen auch recht unterschiedlich ausgelegt zu sein. So sieht die Senatorin Leila de Lima ganz allein in einem Apartment mit Bade-Zimmer in Camp Crame ihrem Prozess entgegen, bei dem das Distrikts-Gericht Muntinlupa grad wieder eine ihrer zahllosen Eingaben abgewiesen hat, den Prozess gegen sie niederzuschlagen. Sie hat sofort eine neue Eingabe gemacht, das zu ueberdenken, und so soll es dann am 27. Juli wirklich langsam mal losgehen.

Wo ist da die Gleichheit vor dem Gesetz?

Wie auch immer. Praesident Rodrigo Roa Duterte stellt in der Sache klar, dass er nie gesagt hat man solle “Herumsteher” einsperren: “Diese Tambays, ich hab nie gesagt ‘sperrt sie ein’. Ihr Idioten. Warum wiederholt ihr nicht, was ich gesagt habe. Ich hab gesagt ‘geht nach Hause!’”

Das beeindruckt die Opposition ueberhaupt nicht. Sie hat ihr Herz fuer Tambays entdeckt, wie Jojo Robles in seiner Kolumne in “The Manila Times” sarkastisch feststellt. Er wisse nicht, wo Senator Francis “Kiko” Pangilinan aufgewachsen sei. Vielleicht in einer abgezaeunten Tambay-freien Gemeinde, wo keine halb-nackten Besoffenen Frauen anmachen oder verpruegeln und Menschen ausrauben, die dummerweise ihre improvisierten Gehsteig-Clubs nicht umgangen haben. Also diesen Tambay-Ruepeln empfiehlt Pangilinan, falls ihnen Verhaftung droht – sie moegen ruhig bleiben, Name und Einheit des Polizisten erfragen, nicht diskutieren, sondern ihren Standpunkt erlaeutern, bei Verhaftung ruhig bleiben, aber um Erlaubnis bitten, einen Verwandten oder Anwalt anzurufen, nichts unterschreiben, nicht fliehen, achten, dass ihnen keine Beweise untergeschoben werden, nach Zeugen Ausschau halten, falls moeglich Fotos oder Videos zu machen. Robles sieht das als Opposition eines gedankenlosen Politikers, der im wirklichen Leben noch nie einem Tambay begegnet ist.

Manche Nachrichten… – …muss man einfach nur nebeneinander halten, um zu sehen, was in diesem Land nicht stimmt. Praesident Duterte hat den “Balik Scientist Act ~ Heimkehr Wissenschaftler Gesetz” unterzeichnet. Wissenschaftler und Techniker, die im Ausland ihr Wissen erworben haben, sollen in die Philippinen geholt werden, damit das Land technisch-wissenschaftlich nicht den Anschluss an den Rest der Welt verpasst. Groszzuegigste Hilfe fuer Visa, Umzug, Einrichtung und steuerfreie Unterstuetzung winken. Die andere Nachricht ist, dass die niederlaendische Polizei eine Kinder-Sex-Gang in den Philippinen gesprengt hat, wo “Kunden” in USA, Australien, UK und China per Chat sagen konnten, was mit den Kindern zwischen 5 Monaten und 12 Jahren anzustellen sei. Die Preise lagen zwischen 15 und 25 Euro pro “Show”, die Akteure vor Ort waren die Eltern oder Groszeltern der Opfer.

Ein Filipino, der etwas kann, geht gern in’s Ausland, er kann ja Englisch, und kommt ueberall an. Hier sind die “Zurueckgebliebenen”, die auch Englisch koennen und zahlungsfaehigen Kunden im Ausland per Internet gewuenschte Dienste anbieten.

Es ist dringend noetig, dass die Intelligenz zurueck geholt (oder besser gleich dabehalten) und hier in Arbeit gebracht wird, die dann auch wieder Arbeit fuer “Minderleistende” schaffen, dass die nicht auf abartige Gedanken kommen, die man historisch-literarisch nur noch mit Jonathan Swifts “A Modest Proposal ~ Ein bescheidener Vorschlag” vergleichen kann. In dem satirischen Buch von 1729 schlaegt Swift vor, dass die Iren ihre oekonomischen Probleme loesen koennten, wenn sie ihre Kinder schlachten und das zarte Fleisch an reiche Damen und Herren zum Verzehr verkaufen.

Nichts anderes geschieht hier, und mich wuerde nicht wundern, wenn im Darknet demnaechst “Paedophile Bildungsreisen in die Philippinen” angeboten werden. Dieses Land braucht Arbeit wesentlich dringender als Diskussionen zu Stambay, Scarborough Shoal, Drogenkrieg, ueberfuellten Gefaengnissen, Wahlbetrug, “quo warranto” oder Kuessen in Korea – aber erzaehl das mal der Opposition!



Der Aufmacher… – …der “Manila Times” gestern war “Joma: Rote bereit Duterte zu stuerzen”. Ich hatte gestern ein anderes Thema, doch will ich dies nicht einfach uebergehen, auch wenn ich es schon ‘zig-mal geschrieben habe.

Jose Maria “Joma” Sison ist Gruender der CPP (Communist Party of the Philippines), der NPA (New People’s Army), und der NDF (National Democratic Front). Die NDF ist der “demokratische” Ueberbau von CPP/NPA mit dem ersten Programmpunkt: “Vereinigung des Volkes zum Sturz des halb-kolonialen und halb-feudalen Systems durch einen Volkskrieg und zur Vollendung der national-demokratischen Revolution.” Sison sasz unter Marcos im Knast und wurde von der “People Power”-Praesidentin Corazon “Cory” Aquino freigelassen in der naiven Annahme, dass, wer unter dem Diktator im Gefaengnis sasz, ja ein unschuldiger politischer Gefangener sein muss. Er hat sich sofort in die Niederlande abgesetzt, bevor jemand auf die Idee kam, diese Freilassung zu hinterfragen.

Von dort hetzt er seither gegen die philippinische Regierung, egal wer da grad Praesident ist. Zur Zeit ist also Rodrigo Roa Duterte sein Gegner. Der war mal am College Sisons Schueler im Fach Politik und versteht sich in Reden gern als “Sozialist”. Duterte ist aber ein “Law and Order”-Mann, der fest auf der demokratischen Verfassung steht, auch wenn er das Volk nie aus dem Auge verliert, weil er begriffen hat, dass durch Wahlen alle Macht vom Volke ausgeht – und nicht von “Joma” Sison.

Sison ist Chef-Berater in den Friedens-Gespraechen der NDF mit der Regierung. Er versteht sich dabei als auslaendische Macht, die mit den Philippinen im Krieg ist und einen Frieden aushandeln will. Daher besteht er auf Verhandlung im neutralen Ausland und begibt sich nicht in “Feindesland”, bevor der Frieden unter Dach und Fach ist. Dazu gehoert das CASER (Comprehensive Agreement on Social and Economic Reforms), eine kommunistische Verfassung, die auf diese elegante Weise installiert werden soll.

Dies scheint Praesident Duterte zu nass-forsch, was die politische Willensbildung angeht. Die NDF hat keinen Sitz in Haus oder Senat, ihr “Territorium” ist der wechselnde Bereich der Lager der streunenden NPA. Die finanziert sich von der Erpressung von Minen-Besitzern (die sie mehr oder weniger als private Schutztruppen bezahlen), Tele-Unternehmen (deren Sende-Masten sie bei Zahlungs-Unwilligkeit sprengt), und Bau- und Bus-Unternehmen (deren Fahrzeuge sie abfackelt, wenn dort die Zahlungs-Moral nachlaesst). Diese “politische Interessen Gruppe” will eine Koalition mit der gewaehlten Regierung bilden, wobei die NDF die Rolle eines Polit-Bueros uebernimmt, das die Richtlinien der Politik bestimmt.

Praesident Duterte moechte da erst den “Puls des Volkes” fuehlen und hat deshalb eine drei-monatige Pause aller Gespraeche angeordnet. Nun tobt “Joma” auf den Web-Seiten der NDF: “Duterte toetet weiterhin die Friedens-Verhandlungen. Waehrend er dies tut, kann die [NDF] immer fuer Friedens-Verhandlungen einstehen, nicht notwendigerweise mit dem Duterte-Regime [und dessen] ungezaehmten Terror und Machtgier. Die breite vereinte Front patriotischer und progressiver Kraefte und der Volkskrieg schreiten voran und koennen das Duterte-Regime zu gegebener Zeit stuerzen.

Hierzu der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque: “Wisst ihr, sie drohen von altersher die Republik zu stuerzen. Deshalb sind sie schon im Guiness [Buch der Rekorde] als laengst laufender Aufstand! Joma hat keinen Bezug mehr zur Realitaet.

Gut, wenn die Regierung das so sieht, aber – warum will Duterte mit dem Arschloch dann noch reden?



Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PTV”, “EurasiaFuture” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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