…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 23. Mai 2018

 

 

Ein voellig haltloser Gedanke – Dass die Opposition Praesident Rodrigo Roa Duterte staendig als Diktator hinstellt, wird langsam langweilig. So mokiert sich Adam Garrie in “Eurasia Future” darueber unter der Ueberschrift “Fuer Dutertes Opponenten ist der Wille zum Frieden das Merkmal eines ‘Diktators’”. Er zitiert einen Artikel im “Nikkei Asian Review”, der Duterte den Rauswurf der Fake-Richterin Maria Lourdes Sereno ankreidet und meint, er bekaeme ein “imperial president”. Garrie weist das als unsinnig zurueck und betont Dutertes Friedens-Willen, der ihn im Suedchinesischen Meer zur Verstaendigung mit China, statt zur Konfrontation bringt, weil die den Untergang der Philippinen bedeuten wuerde. Garrie schlieszt den Artikel mit den Worten: “Ein wirklicher Diktator waere Willens, seine Nation fuer sein Ego zu opfern. Duterte hat das Gegenteil getan.

Dies erinnert mich an meinen Philosophielehrer Hans Blumenberg. In seinem Buch “Lebenszeit und Weltzeit” fuehrt Blumenberg eines der Probleme des Menschen aus, damit zu Rande zu kommen, dass die Welt schon da war, als er geboren wurde, und dass sie noch sein wird, wenn er gestorben ist. Darin bringt er ein Zitat gemaesz Nicolaus von Below, Adjutant der Luftwaffe, der Adolf Hitler nach der gescheiterten Ardennen-Offensive sagen hoerte: “Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir koennen untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen.” Der Diktator wollte, dass seine Lebenszeit gleich der Weltzeit ist.

Ich habe darueber nachgedacht, und mir fiel damals der patriarchale Spruch ein, dass ein Mann ein Haus gebaut, einen Sohn gezeugt und einen Baum gepflanzt haben muss. Lassen wir Haus und Baum mal beiseite, so bleibt anzumerken, dass Hitler keine Kinder hatte, keinen Sohn, dem er ein Erbe haette hinterlassen koennen. Mit ihm war es eh aus, und da kam es auf die Welt dann auch nicht mehr an.

Praesident Duterte fuehrt als Vater des Vaterlandes einen Drogenkrieg, um der Jugend eine Zukunft zu sichern. Er hat Kinder, und Xi Jinping hat auch eine Tochter, Xi Mingze, und da faellt mir bloederweise auf, wer keine Kinder hat: Ex-Praesident Benigno “Noynoy” Aquino. Der schickte 2012 die grad von den USA erhaltene Fregatte “Gregorio del Pilar” nach Scarborough Shoal, um chinesische Fischer dort zu verjagen – mit den Folgen, die uns heute Sorgen machen.

Ich weisz, ich weisz, der Gedanke ist voellig haltlos. Josef Stalin und Saddam Hussein hatten Kinder, und die meisten, die Duterte anstacheln, sich gegen China auf die Hinterbeine zu stellen, haben auch Kinder. Aber mit deren Zukunft gehen sie ziemlich sorglos um, wie Noynoy – Scarborough Shoal, Mamasapano, Dengvaxia.

In dem Zusammenhang ist der zweite Teil einer Kolumne heute in “The Manila Times” beispielhaft, in dem sich Lito Monico Lorenzana – einst im Kabinett von Cory Aquino, nun Leiter des CDPI (Centrist Democracy Political Institute) – mit der “West Philippine Sea” befasst. Er weist Dutertes Politik als “alpha male behavior” zurueck und empfiehlt als Alternative einen Fuenf-Punkte-Ansatz von Antonio Carpio, derzeit amtierender Oberster Richter des Landes, den die Journalistin Carmela Fonbuena im Maerz 2017 in “Rappler” aufgegriffen hat:

1. Einen starken foermlichen Protest gegen China einlegen.

2. Die Philippinische Marine bei Scarborough Shoal patroullieren lassen.

3. Die USA bitten, Scarborough Shoal als Territorium der Philippinen zu erklaeren, damit im Falle eines Angriffes auf die Schiffe der beiderseitige Verteidigungs-Pakt greift.

4. Gemeinsame Patrouillen mit den USA im Suedchinesischen Meer ausfuehren.

5. Alles vermeiden, was als Schwaechung des Philippinischen Territorial-Anspruchs verstanden werden koennte.

Dass Lorenzana einen “Rappler”-Artikel zitiert, geht mir schon quer runter, und Carpio ist der Richter, der es sich zur persoenlichen Aufgabe gemacht hat “die Philippinische territoriale und maritime Souveraenitaet besonders in der Westphilippinischen See zu schuetzen und zu wahren”. Ich schaetze den Ansatz viel eher noch als “alpha male behavior” ein denn Dutertes Verstaendigungs-Politik, und dass die USA das Territorium der Philippinen festlegen sollen, ist nach Internationalem Recht eine Absurditaet, gerade weil die USA selbst nicht mal UNCLOS (United Nations Convention on the Law of the Sea) unterzeichnet haben. Doch was mir am allermeisten gegen den Strich geht ist, dass ich trotz langem Stoebern im Internet keinen Hinweis gefunden habe, dass Carpio verheiratet ist oder Kinder hat.

Aber das ist wieder dieser voellig haltlose Gedanke.



Gemaesz “EurasiaFuture”, “ManilaTimes” u.a.

Ein Gedanke zu „…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

  • Mai 23, 2018 um 12:33
    Permalink

    Hallo Heiko, dass es einen Menschen gibt mit dessen Meinung ich sowas von 100% uebereinstimme, haette ich auf den Ph nicht gerechnet. Fuer mich ist es interessant die Meldungen von ph Magazin und den Euren zu vergleichen. Magazin übernimmt alle Fakenews u die verlogene westliche Haltung. Ihr seht u berichtet die echte Situation vor Ort , so wie ich sie auch erlebe. Ich finde es skandalös, wie man einen Menschen wie Duterte u sein handeln so falsch darstellt, nur wegen der eigenen westlichen Provilneurose. Heiko mach weiter so, alle ph Menschen, denen ich auf ihre Frage „was ich von Duterte halte“ , geantwortet habe“ein toller Mann, der endlich eure Probleme angeht“ , bekam ich ein breites ehrliches Laecheln und die Antwort “ da hast du recht, wir brauchen ihn“.
    Demokratie ist halt sehr schwer zu leben, wenn man nur davon redet aber nicht handelt.
    Duterte tut es – Gott sei Dank
    Ich wohne in Alcoy-Cebu, bin mit einer Philippina verheiratet, die 38 Jahre in Deutschland gelebt u gearbeitet hat. Sie stimmt mit meiner Meinung ueberein.
    Ein anderer Gedanke, der mir hier schon mehrfach passiert ist:
    Deutsche u Oesis beschweren sich u schimpfen über die Auslaender zu Hause u dass sie sich nicht integrieren .
    Hallo Heiko, die sind hier auch Ausländer, wohnen in rein deutsch-oesi Enklaven und haben kein Interesse an Integration.
    FUER DIESE LEUTE SCHAEMEN UND ENTSCHULDIGEN WIR UNS BEI UNSEREN PHILIPPINISCHEN MITMENSCHEN.
    Ein schier unertschoepfliches Thema.
    Wir sind 65 u 60 Jahre, in Deutschland gefunden u geheiratet.

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