…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 25. April 2018

 

 

Das Problem des Sokrates… – …war, dass er den Spruch des delphischen Orakels “Niemand ist weiser als Sokrates” so verstand, als sei er weiser als andere. Nun rannte der Bloedmann durch Athen und nervte jeden, ob das wahr sein koenne, denn er wisse ja, dass er nichts weisz, bis die ihn satt hatten, zum Tode verurteilten, und er den Giftbecher trinken musste. Ich weisz, ich hab das im Oktober letzten Jahres schon mal geschrieben, aber wer erinnert sich so weit zurueck, wenn die Welt heute doch ganz anders aussieht? Also, nochmal zum Mitschreiben:

Es gibt eine ganz einfache Loesung von Sokrates’ Problem. Alle Menschen sind gleich weise und jeder weisz am besten selbst, wie er sein Leben zu fuehren hat. Damit ist niemand weiser als der andere, und keiner ist weiser als Sokrates. Das hat etwas mit der Gleichheit aller Menschen und damit auch mit den Menschenrechten zu tun. Und genauso weisz jede Nation am besten selbst, wie sie ihre Probleme loest. Das nennt man Souveraenitaet.

Die Verfassung der Philippinen von 1987 benennt in Artikel 1 das Territorium des Landes, in Artikel 2 die Prinzipien des Staates, wobei sie die Philippinen als demokratischen, republikanischen Staat beschreibt, dessen Souveraenitaet im Volk verankert ist, von dem alle Macht ausgeht. Erst in Artikel 3 der Verfassung kommt die “Bill of Rights”, die das auffuehrt, was man so als Menschenrechte versteht. Man kann die Menschenrechte daher durchaus als dem Land und dessen Souveraenitaet nachgeordnet betrachten. Sie stehen auf keinen Fall ueber oder vor der Souveraenitaet. Das muss so sein, denn “Recht ohne Macht, wird verlacht.” Will ich das Recht wahren, muss ich die Macht erhalten, sonst geht alles den Bach runter.

Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wende ich mich der australischen Nonne Schwester Patricia Fox zu. Das BI (Bureau of Immigration), das die Souveraenitaet des Landes wahrt, indem es darauf achtet, wer hier herein kommt, hat das Visum der Fox fuer nichtig erklaert, das ihr den Aufenthalt bis zum 9. September diesen Jahres gestattete. Sie hat das Land binnen 30 Tagen zu verlassen. Das BI kann das. Es hat die Macht dazu, die sich aus der Souveraenitaet des philippinischen Volkes herleitet. Es beruft sich dabei auf einen Erlass der damaligen Justiz-Ministerin – das BI ist dem DOJ (Department of Justice) unterstellt – Leila de Lima, der Touristen die Teilnahme an politischen Veranstaltungen strikt untersagt.

Es gibt ein Foto der Fox, wie sie vor der Coca Cola-Niederlassung in Davao zu protestierenden Arbeitern spricht, die ihren Job verloren haben. Nun wird man gegen ein paar troestende Worte nichts einzuwenden haben, wuesste man denn, was sie gesagt hat. Doch da gibt es noch ein Foto, das ich gestern in “PhilStar” sah, das die Fox mit einem Schild “Free all political prisoners!” zeigt.

Die Forderung beinhaltet, dass es in den Philippinen politische Gefangene gibt. Das ist eine Aussage, die Praesident Rodrigo Roa Duterte auf seinem Land nicht sitzen lassen kann, denn als Praesident hat er Ruf und Integritaet des Rechtsstaates zu wahren. Und er laesst solche Kritk auch nicht auf sich selbst sitzen. In seinen eigenen Worten – gegenueber philippinischen Zuhoerern: “Du kannst mich beleidigen oder sagen ‘Duterte ist dumm, nicht weise.’ Das geht in Ordnung, weil ich Regierungs-Angestellter bin. … Aber Auslaender, die uns besuchen wie diese Priester, wenn ihr das zu mir sagt, dann schlage ich zurueck. Du darfst das nicht, weil du kein Filipino bist. Du zahlst nicht mein Gehalt, also, warum willst du mir das antun?” Anders ausgedrueckt: alle Macht geht vom Volke aus, nicht von Touristen.

Die Forderung, alle politischen Gefangenen zu befreien, weckt bei mir auch Zweifel, ob Fox bei der Veranstaltung in Davao wirklich nur ein paar troestende Worte gesprochen hat, wie sie behauptet. Patricia Fox ist eine politische Aktivistin, die sich in das Maentelchen ihrer missionarischen Taetigkeit huellt. Ihr Visum wurde zurecht fuer ungueltig erklaert, und dabei kann sie von Glueck reden, dass sie nicht in eine “Blacklist” gesetzt wurde. Hierueber wird das BI entscheiden, wenn Fox ihre Eingabe in der Sache gemacht hat. Vorerst muss sie das Land verlassen, kann aber als Touristin zurueckkehren und hier Urlaub machen, wenn sie das Land so sehr liebt, wie sie sagt.

Ob Fox aus der Angelegenheit lernt, wage ich zu bezweifeln. Menschenrechtler, als die sie sich in ihrer missionarischen Taetigkeit ja auch versteht, meinen gern, dass niemand “rechter” sei als sie. Das verstehen sie faelschlich so, wie einst Sokrates,  dass sie “mehr Recht” haben als andere. Das ist Unfug: “Vor dem Gesetz sind alle gleich.” Sokrates hat das nicht kapiert und ist vor die Wand gelaufen. Ob Fox das kapiert, ist ihre Angelegenheit. Sie und andere sollten darueber nachdenken, ob der Staat, der ihnen ermoeglicht, sich fuer die Menschenrechte einzusetzen, nicht zuerst geschuetzt werden muss.

 




Umgekehrt wird ein Schuh draus – Die Nachricht, die es auch in die “South China Morning Post” gebracht hat, folgt heute morgen: Kuwait gibt dem philippinischen Botschafter eine Woche Zeit das Land zu verlassen. Seine “Rettungsaktion” mit dem “rapid rescue team” misshandelte OFWs (Oversea Foreign Workers) aus dem Land zu holen, war ein Eingriff in kuwaitische Souveraenitaet, die das Land nicht auf sich sitzen lassen kann. Zurueckberufen wurde auch der Botschafter Kuwaits in den Philippinen. Vermutlich muss er daheim Rede und Antwort stehen, was bei seinen Gespraechen mit Praesident Duterte und Auszen-Minister Alan Peter Cayetano gelaufen ist (siehe gestern). Vielleicht waren die Broetchen nicht klein genug, die Cayetano gebacken hat.

Damit duerften auch zwischenzeitliche Meldungen, dass es zu einem Memorandum bezueglich der OFWs nach dem Ramadan (einige vermuteten gar vorher) kommt, in der Schwebe sein. Wir muessen sehen, wann und wie das in Ordnung kommt. Eins aber wissen wir jetzt schon: das ist keine “kleinere Angelegenheit”, wie der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, glauben machen wollte.

Irritierend… – …ist fuer mich eine Meldung, nach der Vize-Praesidentin Leni Robredo den Kolumnisten der “Manila Times”, Rigoberto Tiglao, der Verbreitung von “fake news” ueber sie bezichtigt. Tiglao hatte in seiner Kolumne am Montag geschrieben, dass die Liberalen hinter der juengsten EU-Resolution gegen die Philippinen stecken, angezettelt durch Robredo und ihr Liberales Gefolge bei dem Deutschland-Besuch, den sie dann mit einem Foto auf dem Holocaust-Denkmal kroenten.

Fake news”, ruft Robredo und twittert: “Zu keinem Zeitpunkt sah, sprach oder kommunizierte ich mit einem einzigen EU-Offiziellen oder -Repraesentanten waehrend ich in Deutschland war.

Soweit ich das verstanden hatte, wurde die Resolution von PES (Party of European Socialists) eingebracht, wozu der ausgewiesene Polit-Tourist Giacomo Filibeck gehoert. Das schloss ich aber nur aus einem Hinweis, dass vor Verabschiedung der Resolution eine PES-Abgeordnete dazu gesprochen hat. Ich weisz nicht, wie Tiglao auf die Liberalen kommt. Doch er hat seine Quellen und ist ein investigativer Journalist, der bei mir groszen Kredit hat, waehrend ich nur Zeitungsleser bin. Allerdings weisz ich eben auch aus dieser Lektuere von Tiglaos Kolumnen, dass er ein Hass-Gegner der Liberalen ist, die seiner Meinung nach das Schlimmste waren, was den Philippinen nach der Marcos-Diktatur widerfahren ist.

Ich werde im Auge behalten, ob und wie das ausgeht. Wo ich mir auf der einen Seite vorstellen kann, dass Tiglao mal ueber’s Ziel hinausgeschossen ist, glaube ich Robredo auch nicht unbesehen.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “PhilStar”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge stic