…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 19. August 2019 – Diese Presseschau von gestern wurde nachträglich erst heute hier gepostet

 

Bevor ich wach werde… – …ist mein Kopf am lebendigsten, fast so, als ob er sich zur Ruhe begibt, wenn das Bewusstsein die Wache uebernimmt. Meist lohnt es nicht, die Gedanken mitzunehmen, sie bleiben auf der Strecke, waehrend ich mich anziehe, Kaffee mache und mich an den PC setze, um die Nachrichten zu lesen.

Die sind nicht neu. Die “Times” macht mit einem auf drei Teile angelegten Artikel zur Wiederbelebung des Anti-Subversion Law gegen CPP (Communist Party of the Philippines) und NPA (New People’s Army) durch Innen-Minister Eduardo Año auf. Ich schrieb dazu schon letzten Donnerstag, dass das Gesetz 1957 erlassen, jedoch 1992 aufgehoben wurde. Die Aenderung gegenueber der heutigen Gesetzeslage waere, dass allein schon Mitgliedschaft in CPP oder NPA, wie auch die Anwerbung dazu, strafbar waere.

Das gehoert zum Paradigmen-Wechsel. Man achtet nun auf den Roten Terror. Dazu passt die Kolumne von Rigoberto Tiglao, der in der “Times” zeigt, welch angenehmes Leben die Fuehrer der Linken fuehren und auf welch teuren Schulen sie ihre eigenen Kinder schicken, waehrend sie die Kinder der Armen verfuehren und zum Kampf gegen das “faschistische Regime” anstacheln. Der “Tribune” macht auf mit dem Kollaps einer “Schatten-Regierung” der Roten in Bukidnon, bei der 10 NPA-Mitglieder, 184 Milizen, 10 Sekretaere, 12 Komittee-Mitglieder und 854 Mitglieder des Untergrunds sich der Armee ergaben und “in den Schosz des Gesetzes” zurueckkehrten. Die NPA – einst als “Revolutionssteuer-Eintreibungs-Behoerde” der CPP von “Joma” Sison gegruendet – hat abgewirtschaftet, auch wenn die Rote Propaganda das hartnaeckig leugnet.

Das vertreibt mir heute aber nicht die Gedanken, die nicht nur um die Verfuehrung zum Kommunismus, sondern auch um die Jugendlichen der “Fridays for Future” oder denen in Hong Kong kreisen. Das waren Gedanken von Schuld in Vermischung von Moral – Schuld, Schuldgefuehle, Gewissen – und doppelter Buchfuehrung – Schuld und Guthaben, Debit und Kredit, Konto und Gegenkonto.

Es ist eine Einstellung zum Leben, ob man dies jemandem schuldet, die klassische Perspektive der Erziehung aus der heraus sich ein Gewissen bildet, das so gesellschaftliche Normen zur Selbststeuerung uebernimmt. Oder – und das waere ein moeglicheer Hintergrund des vermuteten Paradigmen-Wechsels – ob nicht andere uns dieses Leben schulden, und das man demzufolge als gutes Recht auch einfordern kann. Die klassische Perspektive ist fuer das Leben dankbar, und das hat der Freiherr von Knigge ganz unvergleichlich einmal so ausgedrueckt: “Wenngleich das Zeugungsgeschaeft nicht eigentlich absichtliche Wohltat fuer die folgende Generation ist, so gibt es doch wenig Menschen, die nicht ganz gut damit zufrieden waeren, dass jemand sich die Muehe gegeben hat, sie in die Welt zu setzen…

Die Jugend dankt heute niemandem fuer ihr Leben, im Gegenteil: sie fordert die Schuld ein, sie in die Welt gesetzt zu haben!

Die Generation der Eltern oder Aelteren ist da sprachlos. Das war auch die Crux im “Hardtalk” von Stephen Sackur und Roger Hallam neulich: Sackur wollte Antworten auf Fragen, die Hallam gar nicht mehr stellte. Fast ist es so, als ob nicht die Kinder die Eltern begraben, sondern dass die Kinder den Eltern vorwerfen, ihr Grab zu schaufeln.

Der Philosoph Søren Kierkegaard hat sich in seinem Buch “Entweder – Oder” mit dem Zweifel und der Verzweiflung befasst und schreibt dort: “Ueberhaupt kann man gar nicht verzweifeln, ohne dass man es will; um aber in Wahrheit zu verzweifeln, muss man es auch in Wahrheit wollen; aber wenn man es in Wahrheit will, so ist man auch schon wieder in Wahrheit ueber die Verzweiflung hinaus; wenn man in Wahrheit die Verzweiflung gewaehlt hat, so hat man in Wahrheit das gewaehlt, was die Verzweiflung waehlt: sich selber in seiner ewigen Gueltigkeit. Erst in der Verzweiflung ist die Persoenlichkeit beruhigt, nicht mit Notwendigkeit, denn ich verzweifle niemals notwendig, sondern mit Freiheit, und erst darin ist das Absolute gewonnen. Und ich glaube, die Zeit ist nicht mehr sehr fern, da man es, vielleicht teuer genug, erfahren wird, dass man, um das Absolute zu finden, nicht vom Zweifel, sondern von der Verzweiflung ausgehen muss.

Das klingt etwas ungewohnt, doch es beschreibt nur, dass der Zweifel eine geistige Uebung ist, die man anstellen oder lassen oder sogar diskutieren kann. Die Verzweiflung ist darueber hinaus. Sie hat den Zweifel schon nicht mehr, sie “weisz”. Ueber die Grenze hinweg ist Diskussion nicht mehr moeglich.

Zweifelt die heutige Jugend noch, oder ist sie schon verzweifelt? Und – kommt uns das nun teuer?

Saysay sa adlaw – Ayaw ko pakabataa! 

ayaw unterlassen, ko ~ ako ich, bata Kind + paka…a behandeln wie ein Kind pakabataa

Satz des Tages – Behandle mich nicht wie ein Kind!

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.