…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 15. August 2020

Zum Bild: Das Chaos gewinnt die Überhand

 

Am Anfang… – …schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wuest und leer. und es war finster auf der Tiefe; und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser. Und Gott sprach: ‘Es werde Licht!’ Und es ward Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war. Da schied Gott das Licht von der Finsternis und nannte das Licht Tag und die Finsternis Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Nein, lieber Leser, Du bist nicht auf dem falschen Dampfer. Es geht um das Leben, denn das entsteht, indem man Ordnung in das Chaos bringt. Der Mythos sieht dahinter einen Gott – wie soeben zitiert – ein heutiger Physiker wie Hans Graßmann beschreibt das simple Prinzip des Lebens in seinem Werk “Das Denken und seine Zukunft” wie folgt:

Indem das Leben die Moleküle seiner Umgebung ordnet, erhöht es durch die abgestrahlte Wärme die Entropie des Universums um mehr, als es die Entropie seiner Umgebung erniedrigt. Wenn es uns also gelegentlich so vorkommt, als lebten wir nicht, um zu essen, sondern äßen, um zu leben, so ist dies – aus rein thermodynamischer Sicht – ein Irrtum. Aus thermodynamischer Sicht leben wir, um zu essen, denn damit erhöhen wir die Entropie des Universums. Darum leben wir, ganz spontan.

Man muss das nicht verstehen. Ich habe es auch erst verstanden, als ich mit meiner Frau in Muenchen im Fernsehen einen Film ueber das Leben in einem Suedsee-Riff sah, und meine Frau bei einem Fisch sagte: “Der schmeckt gut”, bei einem anderen: “Den kann man nicht essen”.

Auch das ist eine Biologie, die fuer die Kueche reicht. Man muss nicht immer gleich die ganze Welt verstehen, doch wenn man es tut, macht man auch nichts anderes, als eine Ordnung zu stiften, wie Gott am Anfang, als er den Tag von der Nacht schied, und damit leben wir heute noch, wenn wir sagen: “Die Sonne geht auf.” Natuerlich wissen wir es besser, sie geht gar nicht auf, sondern die Erde dreht sich, aber das macht nichts. Und wo der Physiker ueber die Erhoehung der Entropie sinniert, denken wir ans Essen, und das hat seinen guten Grund.

Ordnung ist das halbe Leben”, will uns ein populaerer Spruch einfluestern, aber das ist nur die halbe Wahrheit: Leben ist Ordnung, und die geraet in der Pandemie gerade weltweit aus den Fugen.

So ueberrascht mich eine Umfrage der SWS (Social Weather Stations) heute ueberhaupt nicht, dass 79% der Filipinos meinen, das Leben habe sich in den letzten 12 Monaten verschlechtert. Natuerlich, wenn man durch Lockdowns seinen Job verloren hat und auf Hilfsgelder und Lebensmittel der Regierung angewiesen ist, die nicht ueberall regelmaeszig und selten ausreichend ankommen. Untersuchungen laufen an gegen einige Buergermeister, bei denen Hilfsgelder “versickert” sind. In einer Meldung lese ich, dass haeusliche Gewalt zunimmt, in einer anderen, dass die Kriminalitaet halbiert wurde – gibt es da einen “thermodynamischen Zusammenhang” ueber den Erhalt der Gesamt-Un-Ordnung in der Gesellschaft? Die Familie ist ja nur eine Unter-Ordnung der staatlichen Ordnung.

Und mit der sieht es auch nicht gut aus, wenn ich nicht auf die “Breadwinner” schaue, sondern auf deren Kinder. Der Anfang des Schuljahres, das am 24. August beginnen sollte, wurde nun auf den 5. Oktober verschoben. Einige Privatschulen haben aber bereits mit Online-Unterricht begonnen. Das mache nichts, meint der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, und sagt: “Fuer Privatschulen, die begonnen haben Online-Unterricht durchzufuehren, die sollen mit dem Unterricht fortfahren.

Moment a’mal, Herr Roque! Sie sind gelernter Rechtsanwalt, und vor dem Gesetz sind alle gleich. Wird so eine Zwei-Klassen-Gesellschaft geschaffen, bei der kuenftig die hinten runter fallen, die sich Privatschule nicht leisten koennen? Und der “Standard” hakt in seinem Leitartikel auch nach, wie DepEd (Department of Education) denn, angesichts grammatischer Fehler in ihrem Vorab-Plan, in der kurzen Frist bis zum 5. Oktober Plaene ausarbeiten will “…wie die Sicherheit ihrer Lehrer und die Qualitaet ihrer Module gewaehrleistet werden kann, abzueglich, aber auf jeden Fall, der eklatanten Grammatikfehler, die sofort behoben werden sollten.

Ich will mich nicht darueber lustig machen, aber Rechtschreibung und Grammtik sind Ordnungen, die im DepEd zum Basiswissen gehoeren sollten, oder haben sie die Erstellung ihrer Module und Plaena auch “outgesourced”?

Und blickt man auf die Anordnungen, die von der IATF (Inter-Agency Task Force) zur Bekaempfung von Covid-19 kommen, so moniert der Leitartikler der “Times” heute: “New face shield rules may increase Covid-19 infections”. Ich will die Diskussion nicht verfolgen, die an den Erlass fuer Motorrad-Schutzschilde nahtlos anknuepft, aber – sollte IATF nicht Ordnung in das Chaos bringen, das durch das Virus ausgeloest wurde?

Da ist nicht ermutigend, wenn Praesident Rodrigo Roa Duterte konstatiert: “I’m between the devil and the deep blue sea.” Ja, ich habe gestern gelobt, dass er die Lage erkennt und sich keine Illusionen macht, aber – reicht das? Von einem “Law and Order-Man” erwartet man doch, dass er Ordnung stiftet.

Die aber loest sich derzeit in Chaos auf.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard” u.a. uebersetzt mit DeepL.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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