…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag (Heiligabend), den 24. Dezember 2018

(zum Bild: Militärische Weihnachten in Mindanao)

 

Eine Weihnachtsgeschichte – Nein, es gibt nichts Neues von Praesident Rodrigo Roa Duterte. An Soldaten verteilte er am Samstag im Camp Manuel Yan Sr. in Mawab, Compostella Valley, Geschenke, bedankte sich fuer ihren Dienst fuer die Nation und in einer Rede forderte er die NPA (New People’s Army) auf, die Waffen niederzulegen und in den Schosz des Gesetzes zurueckzukehren. Von einem Waffenstillstand will er nichts wissen, wohl wissend, dass die Kommunisten sich noch nie daran gehalten haben, und Unheil droht, da sich am 26. Dezember der Gruendungstag der CPP (Communist Party of the Philippines) zum 50sten Male jaehrt. Mit diesen Gedanken im Hinterkopf klingt Dutertes Botschaft an die Soldaten so gar nicht weihnachtlich: “Wir unterschreiben ihren Waffenstillstand nicht. Wir sind fuer alles bereit, und ich sage euch: aendert euer Paradigma. Bekaempft sie nicht. Zerstoert sie. Zerstoert sie. Toetet sie.

Das ist nicht neu, das kennen wir schon. Neu ist auch nicht, wie im letzten Jahr, dass meine Frau grad an der letzten “Misa de Gallo” teilnimmt. Sie ist dabei, und – die Kapelle ist Luftlinie keine hundert Meter entfernt – wo ich dies schreibe, hoere ich den Gesang der kleinen Gemeinde.

In den Zeitungen interessiert mich heute frueh die Kolumne des von mir sehr geschaetzten Rigoberto Tiglao in “The Manila Times”, in der er der Frage nachgeht “Existierte Jesus wirklich?” Das reicht fuer eine Weihnachtsgeschichte, wobei wenig interessiert, welche Fakten Tiglao da ausgraebt, sondern wie er sich dem Thema naehert. Da stoeszt mir auf, dass er schon im ersten Satz die Welt aufteilt in das “was falsch und mythisch ist, und das, was wahr und tatsaechlich (oder historisch) ist.

Das ist Unfug.

Kein Mensch sieht die Welt so, sondern zwischen dem Schwarz und Weisz dieser Unterscheidung liegt das ganze Grau des Lebens. Es gibt nicht nur das, was Wissenschaftler, Theologen und Historiker untersucht haben, und schon Ludwig Wittgenstein wusste: “Am Grunde des begruendeten Glaubens liegt der unbegruendete Glaube.

Die Frage, ob Jesus wirklich lebte, ficht den Glaeubigen nicht an. Meine Frau, die ich mit ihren Bruedern und Schwestern im Glauben grad wieder singen hoere, wuerde sich die Frage nicht einmal stellen. Kaeme ich ihr damit – was ich nicht tue – wuerde sie mich irritiert anschauen und fragen, ob ich krank bin.

Der “begruendete Glaube”, das was Tiglao fuer “wahr und tatsaechlich” haelt, ruht auf dem grenzenlosen “unbegruendeten Glauben”, von dem er annimmt, dass es “falsch und mythisch” sei. Diese Annahme ist irrig. Es ist nur nicht hinterfragt worden, und das ist der Kern der Angelegenheit. Glaube beginnt da, wo man aufhoert zu fragen.

Und so ist die Frage nach der Existenz Jesu fuer den Glaeubigen voellig unerheblich. Nur der Unglaeubige kann darueber gruebeln und schreiben, sich einen Doktor-Titel in Theologie oder in den historischen Wissenschaften erwerben, oder, wenn es sonst nichts gibt, eine Kolumne in der Zeitung schreiben.

Fuer die Glaeubigen existiert Jesus, und heute (und morgen, er wurde ja mitten in der Nacht geboren) hat er Geburtstag. Das ist ein Feiertag – uebrigens auch fuer Unglaeubige.

Gemaesz “ManilaBulletin”, “ManilaTimes” u.a.