…aus der philippinischen Presse



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 03. Dezember 2019

(zum Bild: Das philippinische Team marschiert zu den SEA-Spielen zu dem Lied ‚Manila‘ ein)

 

Das Auswaertige Amt… – …warnte heute Nacht per E-Mail vor dem Landfall des Taifuns Kammuri (lokal: Tisoy), der in der Gegend von Catanduanes, Albay oder Sorsogon auf Land treffen und weiter nach Westen ziehen wird. Er kam an in Gubat, Sorsogon, suedliches Ende von Luzon, und mich in GenSan, suedlichste Stadt der Philippinen, laesst das wie alle Taifune hier ziemlich kalt, auch wenn es mir Leid tut fuer die Menschen, die da oben wohnen. Da ich mir die Philippinen als Wohnort nicht ausgesucht habe, ich folgte nur meiner Frau in ihre Heimat als wir in Rente gingen, bin ich heute heilfroh, dass sie nicht aus Manila stammt. Vor nun ueber 30 Jahren, als wir uns in Deutschland kennenlernten, sie war dort als Nanny fuer die Kinder ihrer Schwester, hatte mich das noch nicht interessiert.

Heute ist das wichtig, und das eben nicht nur, weil Sara Duterte-Carpio, Tochter des Praesidenten, Buergermeisterin von Davao, es nicht gefiel, dass das philippinische Sportler-Team zu dem Lied “Manila” ins Stadion tanzte. Der “Standard” haelt das in seinem Leitartikel heute fuer eine “Kirchturm-Sicht ~ parochial view”, und der Oberste Ausleger von Spruechen der Dutertes – Vater wie Tochter – Salvador Panelo fordert Liedermacher auf “inklusive Lieder” zu schreiben, wie ich in der “Times” lesen kann. Dazu zwei Punkte.

Panelo geht mir schon laenger auf den Keks, weil er fuer alles, was Praesident Rodrigo Roa Duterte sagt, andeutet oder auch nur im Dunkeln laesst, eine ihm logisch scheinende Begruendung meint nachliefern zu muessen. Von der Einstellung bis zur Entlassung von Vize-Praesidentin Leni Robredo im Drogenkrieg stellte er die wildesten Vermutungen an, die sich alle in heisze Luft aufloesten – “into thin air ~ in duenne Luft” sagt man im Englischen, was ich sehr plastisch finde, da man da den “horror vacui” im Hinterkopf hat. Und da der Praesident sich im Moment eher wortkarg gibt, meint Panelo wohl, dass er nun auch die Sprueche der Tochter mit eigenen Ansichten ausschmuecken muss.

Hinter der Lied-Kritik der Duterte-Carpio steckt ein Vorurteil, das ich schon aus dem Kauderwelsch-Sprachfuehrer Cebuano-Visayan kenne, mit dem ich hier mal angefangen habe, meine Frau verstehen zu wollen – in ihrer Muttersprache. In dem Buch von Janet M. Arnado und Volker Heinrich heiszt es zu Land und Sprache der Philippinen:

Obgleich mehr Filipinos – um es genau zu sagen: 24,4% – ‘Cebuano’ als erste Sprache erlernen, hat es sich nicht als Nationalsprache gegen ‘Tagalog’ (mit 23,8%) durchsetzen koennen. Die Entscheidung kam von dem Regierungssitz in Manila, der im Tagalog sprechenden Luzon liegt. Unter Protest der Cebuano sprechenden Filipinos wurde also Tagalog 1937 durch den Praesidenten Manuel Quezon zur Nationalsprache erklaert. Auch dass die Nationalsprache spaeter in ‘Filipino’ umbenannt wurde, konnte den Streit nicht beilegen. Selbst heutzutage gibt es Filipinos, die sogar Englisch bevorzugen, ehe sie sich der Nationalsprache ‘beugen’.

Von meiner Frau weisz ich, dass Cebuano/Visayan sprechende Filipinos frueher in Tagalog sprechenden Kreisen als minderbemittelte bis zurueckgebliebene Bauern-Trampel angesehen wurden. Wie das heute mit einem Visayan-Praesidenten ist, der bei Reden oefter hinter ihm sitzende Minister fragt, wie man dies oder das in Tagalog ausdrueckt, kann ich nicht einschaetzen. Es ist aber dieser tiefe Vorbehalt, den “Provinzler” gegen das “imperial Manila” mit der Muttersprache aufgesogen haben, der bei solchen Anlaessen ausbricht.

Und so kommt es auch nicht von ungefaehr, dass Praesident Duterte sich in seiner “Huette in Davao” wohler fuehlt, als in dem “Palast in Manila”, weshalb er am Wochenende auch immer “nach Hause” fliegt. Das brachte Rigoberto Tiglao am 13. Dezember 2016 zu einer Kolumne unter der Ueberschrift “Duterte sollte Davao aufgeben”, die so begann:

Damit meine ich, dass Praesident Duterte zum Wohle des Landes aufhoeren sollte, Davao City zu seiner Hauptwelt zu machen – der Komfort-Zone, aus der er nie wirklich ausgezogen ist – und, was noch wichtiger ist, seine Denkweise als Buergermeister der Stadt zu verwerfen.

“Tatsaechlich sind viele seiner Misserfolge in seiner fast sechs-monatigen Amtszeit wohl darauf zurueck zu fuehren, dass seine Welt nicht die gesamten Philippinen, sondern immer noch Davao City ist. Aber er ist weder Praesident von Davao City, noch der von Mindanao. Er ist der Praesident des ganzen Landes.

Und im Vergleich zu Dutertes Vorgaenger Benigno Aquino konstatierte Tiglao damals abeschlieszend: “Das wuerde bedeuten, dass ein Praesident nicht wirklich Vollzeit arbeitet, sondern studenlang pendelt. Von einem Praesidenten, der viel Zeit mit X-Box-Computerspielen verbachte, zu einem Praesidenten, der stundenlang im Flugzeug von und nach Davao sitzt. Was fuer ein Land!

Ich glaube nicht, dass Tiglao dies heute auch noch so schreiben wuerde. Duterte ist ein Aktenfresser und Arbeitstier so sehr, dass das auf seine Gesundheit zurueckschlaegt. Das kann man ihm nicht vorhalten.

Es gibt aber eine Konstante in Dutertes Weltsicht: er sieht sich immer noch als “Mayor ~ Buergermeister”, nicht mehr von Davao – als Buergermeister der Philippinen halt.

Er hat nicht abgehoben, wie das bei den meisten Provinzlern ist, die nach Manila gehen und ihre Herkunft verleugnen – er hat die Provinz in die Hauptstadt gebracht, die nun erstaunt feststellt: “Was, Mindanao, das gibt’s auch?

Es ist diese Verbundenheit mit dem Ursprung, die 80 Prozent der Filipinos nachvollziehen koennen, und die er auf Landesebene nun als Nationalismus verkauft, was ihm der Rest der Welt mal wieder uebel ankreidet – was kreiden sie ihm nicht an?

Es ist diese Verbundenheit, die meine Frau in ihre Heimat zurueckzog, in Deutschland wollte sie nicht alt werden. Tja, was blieb mir uebrig? Gott sei Dank, kam sie nicht aus Manila!

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.