…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 23. November 2019

(zum Bild: Ist Maria Leonor Robredo eine Maria Clara?)

 

 

Maria Clara… – …ist eine Figur aus Jose Rizals Roman “Noli me tangere”, die jedem Filipino und jeder Filipina bekannt ist. Ueber sie schreibt die “Wikipedia”: “Rizal formte die fiktive Person der Maria Clara nach seiner Freundin und Cousine im wirklichen Leben Leonor Rivera. Obwohl sie gelobt und idealisiert wurde, wurde Maria Claras keuscher, ‘masochsitischer’ und ‘zur Ohnmacht neigender’ Charakter auch bezeichnet als das ‘groeszte Unglueck, das die Filipina in den letzten hundert Jahren befallen hat’. Gelehrte haben auch die unterstellte Kultur der Maria Clara angeprangert, insbesondere die von Filipinas, die gegenueber Maennern unterwuerfig und ruhig ist – ein Stereotyp, das zuerst von den spanischen Kolonialisten vorgebracht wurde.

Nimmt man – “nomen est omen ~ der Name ist ein Zeichen” – dass Vize-Praesidentin Leni Robredo den Taufnamen “Maria Leonor” hat, dann assoziiert man leicht eine Verbindung zu “Maria” Clara, die nach der historischen Figur der “Leonor” Rivera gezeichnet wurde. Umgekehrt dient dies als Bruecke zum Verstaendnis, wie Robredo sich als “Anti-Drug Czarina” auffuehrt.

In einer Rede zur International Conference on Gender, Adult Literacy and Active Citizenship sagte Leni Robredo am Freitag: “Wir Frauen werden uns nicht davon abhalten lassen, unserer Nation oder unserer Generation einen Teil von uns zu geben, wenn wir gebraucht werden, egal was oder wer uns aufzuhalten versucht. In diesen zwei Wochen, seit ich die Herausforderung des Praesidenten angenommen habe. die Bemuehungen der Regierung gegen illegale Drogen zu fuehren, war es diese Staerke und Entschlossenheit, die ich als Frau gelernt habe, die mir, gelinde gesagt, erlaubte angesichts unzaehliger Hindernisse und Schwierigkeiten zu bestehen.

Sie gibt sich in der Rolle der Maria Clara und hat damit die Sympathien der Frauen hinter sich.

Hat sie? – In der “Wikipedia” heiszt es weiter in dem Absatz zu Maria Clara: “Historiker haben darauf hingewiesen, dass Filipinas in der Vergangenheit lautstaerker waren und Positionen innehatten, die Maennern glichen und teilweise sogar ueberlegen waren.” Nicht nur historisch, sondern aktuell aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Bild der Filipina als “gegenueber Maennern unterwuerfig und ruhig” eine Fantasie von Maennern ist, die noch nie eine Filipina in ihrem Heimatland erlebt haben.

Und daher weisz ich nicht, ob die Vize-Praesidentin wirklich mit Sympathien rechnen kann, wenn sie sich so “wenig Filipina-like” gibt.

Ganz anders… – …betrachtet Antonio Contreras den Streit von Praesident Rodrigo Roa Duterte und Vize-Praesidentin Leni Robredo heute in seiner Kolumne in der “Times”. Er sieht Duterte und Robredo als Strategen im Gefecht von Regierung und Opposition um Amt und Rang der “Anti-Drogen Zarin” mit den Augen von Sun Tzu’s “Kunst des Krieges” und Carl von Clausewitz’ “Vom Kriege”.

Die beinharten Duterte-Anhaenger halten dessen Vorgehen fuer eine brillante Strategie den Gegner im Sinne von Sun Tzu zu taeuschen und zu verwirren, doch das wirft Fragen auf, meint Contreras:

Es ist eines der Schluesselthemen, mit denen sich Duterte-Anhaenger befassen, dass Robredo und die politische Opposition eine Bande von Idioten (bunch of morons) sind, eine bereits verbrauchte und unbedeutende politische Kraft, die keine rationale, logische und strategische Antwort finden kann. Dies wirft zwei wichtige Fragen auf. Wenn dies der Fall ist, warum sollte der Praesident dann seine Zeit damit verschwenden, eine brillante Taeuschungs-Strategie zu entwickeln, um eine ausgezehrte Kraft in die Falle zu locken? Das zweite ist jedoch weit schaedlicher fuer diese Ansicht, dass dies Teil einer brillanten Strategie sein kann. Man muss fragen, ob es wirklich klug ist, wenn der Praesident die Faehigkeit von Robredo und der politischen Opposition unterschaetzt, auch einen Gegenschlag zu unternehmen.

“Einige Verteidiger Dutertes zitieren Carl von Clausewitz’ ‘Vom Kriege’ als weitere Quelle, um das Genie seiner Zuege zu erahnen, einschlieszlich seiner Ernennung von Robredo als ‘Anti-Drogen Halb-Zarin’. Eine genaue Durchsicht der Abhandlung von Clausewitz wuerde jedoch einige schwache Glieder dieser Verteidigungslinie aufdecken. Von Clausewitz argumentierte, dass ein Stratege die Faehigkeit haben muss, den entscheidenden Punkt zu identifizieren, und ist das erst getan, muss er alle sekundaeren Fragen ignorieren und andere Ziele als unwichtig abtun. Von Clausewitz ermahnte Strategen, Ablenkungen und Nebenschauplaetze zu meiden und sich auf das Hauptanliegen zu konzentrieren.

“Will man also von Clausewitz zur Ernennung von Robredo korrekt anwenden um zu behaupten, dass dies der Kern einer brillanten Strategie ist, die die politische Opposition untergraben will, so muss man auch zugeben, dass dies keineswegs eine ausgezehrte Kraft, sondern weiterhin eine beachtliche Bedrohung ist. Die Verteidiger Dutertes und dessen Anhaenger muessen die Praemisse akzeptieren, dass Robredo nicht nur ein irrelevantes, unangenehmes Aergernis ist und auch keine blosze Ablenkung oder ein Nebenschauplatz.

“Von Clausewitz ermahnte Strategen auch, Einfachheit und Klarheit zu zelebrieren. Dies soll allen Mitgliedern der Organisation ermoeglichen, vollstaendig zu begreifen und eine klare Vorstellung davon zu haben, worum es geht. Fuehrungskraefte sollten in der Lage sein, seine Botschaft klar an sein Volk zu kommunizieren. Peter Drucker, ein bekannter Guru moderner Wirtschafts-Unternehmen umschrieb Clausewitz, indem er betonte ‘die erste Aufgabe eines Fuehrers besteht darin, die Trompete zu sein, die im klaren Ton erklingt’.

“Die Klarheit der Botschaft scheint eine Herausforderung zu sein, der sich die Duterte-Regierung staendig gegenueber sieht. Dies zeigt sich deutlich in der Art und Weise, wie sich Beamte in Bezug auf die Ernennung von Robredo zur Co-Vorsitzenden des ICAD [Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs] verhalten haben. Tatsaechlich koennen die Menschen Unwissenheit oder Verwirrung vortaeuschen als Teil der Strategie, schwach zu erscheinen, um Robredo einschlieszlich der Opposition zu verleiten, einen falschen Schritt zu machen. Man kann jedoch die echte Verwirrung von Aaron Aquino, Leiter der Philippine Drug Enforcement Agency und Co-Vorsitzender des ICAD, wahrnemen, welcher Art nun Robredos Autoritaet und Macht ist. Es ist eine Sache, einfache Anhaenger im Dunkeln zu halten, obwohl es keine gute Strategie ist, das Fuszvolk zu verwirren. Es ist aber eine andere Sache, die eigenen Leutnants im Drogenkrieg ahnungslos zu lassen.

“Es gibt aber noch eine andere Moeglichkeit, Sun Tzu und von Clausewitz Leben einzuhauchen, und den Schritt des Praesidenten zu begruenden. Doch das ist etwas, worauf sich viele Duterte-Anhaenger niemals einlassen wuerden. Dies ist das Szenario, in dem die Verwirrung tatsaechlich gestiftet wird, nicht um Robredo zu schaden, sondern um ihr politisches Kapital zu staerken. So waere sie schlieszlich die eigentliche Nutznieszerin. Sollte dies der Fall sein, wuerden sich Sun Tzu und Carl von Clausewitz beide freuen, und wir waeren alle blind gewesen.

 



 

Gemaesz „Wikipedia„, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.