…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 15. Januar 2020

(zum Bild: Was führt Anwalt Jude Sabio im Schilde?)

 

Boese Anzeichen – In Straszen in der Umgebung des Taal Lake tun sich Risse auf. Ein Experte von Phivolcs: “Wenn sich im Vulkan Magma erhebt, wenn sich ein groszes Volumen von Magma nach oben erhebt, deformiert es ein viel groeszeres Gebiet, nicht nur die Vulkan-Insel.” Das sind Aehnlichkeiten zu dem Ausbruch des Taal 1911: “Wenn dies wie der Ausbruch von 1911 sein sollte, koennten wir dasselbe erwarten, obwohl wir nicht sagen koennen, dass es genau dasselbe sein wird, aber vielleicht.

Der Ausbruch 1911 forderte 1.335 Menschenleben. Ein Zeichen der unterirdischen Bewegungen sind die kleineren Beben in der Gegend. Wer sich die Muehe macht, die Web-Seite von Phivolcs zu “earthquake-information” zu durchblaettern, findet die Orts-Angabe “Batangas” ab dem 12. Januar um 5:26 a.m. mit Staerke 2,5 als ein fruehes Erwachen, und dann ab dem Tag um 1:00 p.m. laufend, am Abend des Tages mit Staerke 4,1, am 13. Januar um 9:07 a.m. mit Staerke 4, um 12:03 p.m. mit Staerke 4,1, um 4:24 p.m. mit Staerke 4, wie auch um 11:39 p.m., am 14. Januar um 4:36 mit Staerke 4,1. Zwischen diesen fast stuendlich kleinere Beben mit Staerke 2 bis 3, zuletzt – wo ich grad schreibe – heute um 5:22 a.m. und 5:44 a.m. jeweils mit Staerke 2,3 bei Laurel, Batangas.

Da bewegt sich was, und das sieht nicht gut aus. Damit beschaeftigen sich heute die Blaetter.

Nature’s wrath – Da ich mich gestern mit dem befasste, was “geschehen” ist und was “gemacht” wird, fielen mir zwei Kolumnen in’s Auge, die ich ignoriert haette, haetten sie nicht beide dieselbe Ueberschrift, “Nature’s wrath ~ Zorn der Natur”.

Im “Tribune” hat Ex-Regierungs-Sprecher Harry Roque eine Kolumne, die er mit dem Ausbruch des Taal beginnt, und findet “…es ist immer noch Mutter Natur, die das Schicksal der Menschheit bestimmen wird. Was wir jedoch tun koennen, ist, wenn die Natur ihren Zorn enthuellt.” Er laesst sich dann darueber aus, dass der NDRRMC (National Disaster and Risk Reduction Management Council) nicht einen ernannten Chef hat, sondern aus Mitgliedern verschiedener Bueros zusammengesetzt ist. Ich gehe darauf nicht ein, sondern halte nur fest, dass nach Roque offenbar nichts funktioniert, wenn nicht ein Mensch das Sagen hat.

Das haette mich nicht weiter interessiert, waere ich nicht beim Blaettern ueber die Kolumne eines Tony F. Katigbak im “PhilStar” gestolpert, die auch “Nature’s wrath” ueberschrieben war. Da musste ich reinschauen, und natuerlich begann auch er mit dem Ausbruch des Taal. Dafuer brach er eine vorgesehen Kolumne ueber den Klimawandel ab, die durch das Ereignis unwichtig wurde, und schrieb insbesondere darueber, dass Atemmasken Typ “N95” knapp wurden, weil einige Riesenmengen davon kauften, obwohl hinter ihnen eine Schlange war, die auch alle Atemmasken kaufen wollten, und wo er doch eine Tochter hat, bei der gerade Asthma diagnostiziert wurde und die sich die Hacken ablief, um in einem abgelegenen Geschaeft noch welche aufzutreiben. Schweinerei, meint auch Praesident Duterte, Masken zu horten, wenn sie jeder braucht.

Mich stoerte viel mehr, dass Katigbak zum Schluss doch wieder beim geschobenen Thema Klimawandel landet: “Scientific American sagt, ‘dass Geologen diese Aktivitaet als einen routinemaeszigen Teil des Verhaltens der Erde betrachten. Wissenschaftler haben jedoch herausgefunden, dass eine andere Kraft – der Klimawandel – die Haeufigkeit von Eruptionen beeinflusst. Jetzt zeigt eine neue Studie, dass auch relativ geringe Klima-Schwankungen einen solchen Einfluss haben koennen.’

Verstoerend ist, dass Geologen und Wissenschaftler  gegenueber gestellt werden, was wohl nahelegen soll, dass Geologen keine Wissenschaftler sind – oder wie seh ich das? Als milde formuliert “ungluecklich” finde ich auch, dass er vom Klimawandel als “another force ~ einer anderen Kraft” spricht – wie misst man die, in Kilopond oder Newtonmeter? Und bei all diesen hoechst “wissenschaftlichen Betrachtungen” beruft er sich auf ein populaer-wissenschaftliches Magazin, den “Scientific American”. Spaszeshalber habe ich kurz in den Internet-Auftritt des Magazins geschaut: ein aktueller Artikel kann das nicht sein, auf den er sich da bezieht, und mich stoert bei solchen “Zitaten” immer, wenn nicht wenigstens der Autor genannt wird.

Beiden Kolumnen ist gemein, dass sie die Natur als Taeter betrachten, die – menschlich wie die Goetter der Antike – mal gut gelaunt und mal zornig sind. Und sie finden heraus, dass diese Goetter von Menschen herausgefordert werden. Roque kritisiert, dass man dafuer nicht einen bereitstellt, der den Goettern die Stirn bietet. Katigbak geht weiter, und schiebt den Menschen die Schuld in die Schuhe, die mit Hilfe der Kraft “Klimawandel” das Desaster selbst verursacht haben.

Man nennt eine solche Sehweise “anthropomorph”, wenn menschliche Eigenschaften auf Goetter oder Naturgewalten uebertragen werden. In der Antike war das mal modisch, aber vielleicht wird es das ja wieder – Retro ist in.

So kommen auch erwartbar politische Reaktionen. Senatorin Grace Poe fordert – aehnlich Kolumnist Roque – ein eigenes Desaster-Ministerium. Das mag richtig sein, und vielleicht ist es wichtiger als die von ihr verschobene Anhoerung zu den Motorrad-Taxis in Manila, doch diese reflex-haften Vorstoesze sind von der Klasse des Verbesserungs-Vorschlages von Leni Robredo, die meint, man bekommt die Drogen in den Griff, wenn man die Leitung des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) von der PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency) an das DDB (Dangerous Drugs Board) uebertraegt. Was waere damit gewonnen?

Auch der Leitartikler der “Times” traegt seinen Senf bei und findet: “PH needs clearer hazard alerts”. Ich lese bis zu der Stelle, an der es heiszt: “Zweitens muss eine Warnung klar beschreiben, was passieren wird und wann es passieren wird.” Das haut mich dann doch um. Zur Ehrenrettung des Leitartiklers verschweige ich nicht, wie er gleich fortfaehrt: “Es ist offensichtlich unmoeglich, genau vorherzusagen, wann ein Vulkan ausbricht.” Sehr richtig, und deshalb schenke ich mir sein spaeteres “Aber…” und was ihm sonst noch so einfaellt.

Mit Vorsicht zu genieszen… – …ist eine Meldung, die ich gestern zuerst von Pia Hontiveros in ihrer “NewsNight” bei “CNNPhil” hoerte. Anwalt Jude Sabio kuendigte an, dass er die “Kommunikation”, die er gegen Praesident Rodrigo Roa Duterte beim ICC (International Criminal Court) im April 2017 wegen fortgesetzter Massenmorde eingereicht hatte, zurueckziehen wird, weil sie von Dutertes Kritikern fuer politische Propaganda missbraucht wird.

Ich gehe die Meldung, mit der heute der “Tribune” aufmacht, ganz vorsichtig an, mit Schutzbille, Atemmaske “N95” und Handschuhen.

Erstens ist das eine Ankuendigung, was er tun wird. Warten wir ab, ob er es auch tut.

Zweitens ist Sabio undurchsichtig mit Antonio Trillanes verbandelt, dem Groszmaul der Duterte-Kritiker, dem er Nicht-Leistung zugesagter Unterstuetzung vorwirft. Wenn es nur darum geht, dem eins auszuwischen, koennte sich das alles in Luft aufloesen.

Drittens ist es total verfrueht zu glauben, das damit die Untersuchung des ICC gegen Duterte gestorben ist. Da liegen weitere “Kommunikationen” vor, und die Anklaegerin Fatou Bensouda hat gezeigt, dass sie ihre eigene Meinung in der Sache hat, als sie auch die Kuendigung der Roemischen Vertraege durch die Philippinen nicht veranlasste, die Sache nun aufzugeben. Sie wird sich nicht um ihren eigenen Job bringen und untersuchen, solange sie dafuer bezahlt wird.

Viertens draengt sich mir der Verdacht auf, dass einige Menschen, die lange nicht in den Schlagzeilen waren, sich dort gern wieder sehen.

Ich warte einfach ab, ob da was nachkommt.

 



 

Gemaesz “Phivolcs”, “Wikipedia”, “Daily Tribune”, “PhilStar”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Manila Times”, “CNNPhil” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht