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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 08. Juli 2018

 

 

Die Kritik an Duterte… – …wird ausufern, da am Samstag Nachmittag Alexander Lubigan, Vize-Buergermeister von Trece Martires, Cavite, und sein Fahrer erschossen wurden. Bereits gestern glaubte der Leitartikel des “Manila Standard” ein Muster (pattern) zu erkennen, als am Montag und Dienstag die Buergermeister Antonio Halili in Tanauan und Ferdinand Bote in General Tinio erschossen wurde. Was sagt man nun, wo der Mord an Alexander Lubigan so ins Bild passt? An diesem Bild arbeitet auch der “Inquirer”. Obwohl ich den eigentlich gar nicht lese, weil er mir zu gelb-kultig ist, stolpere ich in der “Straits Times” ueber einen Kommentar mit dem Titel “Kriegsrecht ist alles andere als blosz ein Name”. Der Kommentar stammt von Gideon Lasco, Kolumnist des “Inquirer”, der befuerchtet, “dass wir in eine unerklaerte Diktatur gleiten”. Unter dem Kommentar liest man: “The Philippine Daily Inquirer is a member of The Straits Times media partner Asia News Network, an alliance of 23 news media entities.” Die Gegner von Praesident Rodrigo Roa Duterte sind international gut vernetzt, man kann ihnen kaum entgehen, und so findet sich heute eine “Reuters”-Meldung mit der Ueberschrift “Drei Morde in einer Woche” auch in der “South China Morning Post”, die gleich mit dem Hinweis beginnt, dass seit Dutertes Amtsantritt bisher 15 Buergermeister und Vize-Buergermeister erschossen wurden.

…Und leider auch Theologie – durchaus studiert, mit heiszem Bemuehen…” heiszt es in Goethes “Faust”, und genau das kann man von Praesident Duterte nicht behaupten – von den meisten seiner Gegner und Unterstuetzer uebrigens auch nicht. Sie haben alle nicht Theologie studiert. Ist auch nicht sein Job, koennte man sagen, und in der Verfassung von 1987 heiszt es, dass keine religioese Pruefung fuer die Ausuebung der buergerlichen oder politischen Rechte erforderlich ist (Article III, Bill of Rights, Section 5).

Haetten er und die Mitstreiter hueben wie drueben dies aber getan und den Kirchenvater Augustinus gelesen, dann waere ihnen vielleicht aufgefallen, was mein Philosophie-Lehrer Hans Blumenberg in “Zu den Sachen und zurueck” so formuliert hat: “Die Frage, warum der biblische Gott, nachdem er eine Ewigkeit lang ohne eine Welt ausgekommen war, sich diese zu erschaffen entschloss, muss zulaessig sein, weil auch fuer ihn gelten muss, dass etwas, was einen Anfang sollte nehmen koennen, zuvor nicht gewesen sein konnte. Theologisch ganz legitim gab Augustin darauf eine Antwort, die keine andere Funktion hatte als die, die Frage abzuwehren und aus jeder denkbaren Antwort ausstreuende weitere Fragen auszuschlieszen. Quia voluit ~ Weil er es wollte.” Meist wird dies mit Blick auf die Allmacht des goettlichen Willens verstanden, was aber nur der bildliche Teil der Schoepfung ist. Wichtiger ist, dass der Wille Gottes an dieser Stelle dazu dient, nicht weiter zu fragen.

Man kann fragen, soviel man will. Diese “endlose” Fragerei findet ihr Ende aber genau da, wo der Glaube beginnt, und der Wille Gottes ist eine Sache des Glaubens – und eben kein Gegenstand eines Rechtsstreits, der von der Staatsanwaltschaft ins Kreuzverhoer genommen werden kann. Glauben heiszt, dass man bestimmte Fragen nicht stellt – das ist der Katechismus. Entweder glaube ich das, dann ist das auszer Frage, oder ich glaub das nicht, und dann kann ich nicht davon sprechen. Da gilt nach Ludwig Wittgenstein: “Wovon man nicht sprechen kann, darueber muss man schweigen.” Wittgenstein hat an anderer Stelle auch gesagt: “Spiele nicht mit den Tiefen des Andern!” Diese “Tiefen” sind genau die Stellen, wo der Andere nicht weiter gefragt, sondern geglaubt hat. Und das darf er, steht auch in der Verfassung.



Wenn also, sag ich mal ganz blauaeugig, es jedem verstaendigen Menschen so klar ist wie Kloszbruehe, dass man darueber nicht streiten kann – warum zum Teufel tut Duterte es dann? Dass er da nun noch eins draufsetzt und seinen Ruecktritt anbietet fuer den Fall, dass ihm jemand ein Selfie zeigt – “hier, schau her, ich und Gott!” – kann nicht mehr ernst genommen werden, auch wenn eine Meldung dazu von “Associated Press” es bis in die “SCMP” gebracht hat. Das ist auf dem Niveau, wie er nach seiner Rueckkehr aus Japan im Oktober 2016 erzaehlte: “Ich schaute zum Himmel als ich hierher kam. Und ich … alle schliefen und schnarchten. Da sprach eine Stimme, wisst ihr, ‘Wenn du nicht aufhoerst (unhoerbar), lass ich dieses Flugzeug jetzt abstuerzen.’ Und ich sagte, wer ist das? Klar, es ist Gott. Oh, in Ordnung. Tja, ich versprach Gott keinen Slang mehr zu reden oder zu fluchen.

Okay, er hatte seinen Spasz mit den Journalisten damals wie heute, die das fuer bare Muenze nahmen oder nehmen, aber man kann genausogut fragen, ob Duterte nun der Praesident oder sein Hofnarr ist.

Das Problem scheint mir, dass Duterte in seinem Umfeld keine “Peers” hat, Ebenbuertige, die auf Augenhoehe mit ihm sprechen. Es ist ein “runnig gag” bei seinen Reden, wenn er Minister neben sich auf dem Podium als “Valedictorians ~ Klassenbeste” ihres Jahrgangs vorstellt, wo er nur “ausreichend” war, aber – “die arbeiten jetzt fuer mich”. Ja, das gibt einen Lacher, und eigentlich ist es auch positiv, wenn jemand mit Leuten arbeiten kann, die “mehr drauf haben” als man selbst, aber – sagen die ihm auch ihre Meinung?

Duterte hat kein Gegenueber in Malacañang. Nur seine Tochter Sara Duterte-Carpio traut sich gegen ihn zu reden. Aber die ist weit weg in Davao, und wenn sie sagt “Bitte hoert nicht auf ihn, wenn er die Bibel oder den Koran interpretiert … kritisiert seine Arbeit, nicht wenn er ‘talkalese’ spricht”, dann ist das nicht das Gelbe vom Ei. Gerade sein “talkalese” muss ihm von kompetenter Seite deutlich vor Augen gefuehrt werden. Da macht er kaputt, was er durch Geradlinigkeit an Kredit und Unterstuetzung zuvor gewonnen hat.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “StraitsTimes”, “ManilaStandard”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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