…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 17. November 2019

(zum Bild: Der selbstherrliche Senator Drilon schießt sich selber ins Aus.)

 

Merkwuerdig still… – …gab sich Praesident Rodrigo Roa Duerte, was die mediale Aufregung um seine Ernennung von Vize-Praesidentin Leni Robredo zur “Anti-Drogen Zarin” anging. Vielleicht wuerdigte er so den Rat seiner Aerzte, sich und seinen Malessen mit dem Ruecken “Ruhe zu goennen”. So hatte Robredo die Buehne fuer sich, was sie ausgiebig nutzte, und das war mir zuviel, so dass ich dem Rat meiner Frau zu folgen versuchte, die schlicht und einfach sagte: “Lass sie doch erstmal machen!

Das ist schwer, wenn die Blaetter voll von ihr sind, und zuviel war es nun wohl auch dem Praesidenten. Als die Frage hochkochte, ob sie die hoechst geheime “Narco List” zu sehen bekommt, was dem Chef der PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency), Aaron Aquino, maechtig gegen den Strich ging, meldete der Praesident sich zu Wort.

Im Aufmacher des “Tribune” unter der Ueberschrift “Overstep, Leni’s out” heiszt es: “In einem Fernseh-Interview sagte der Praesident, Robredo, die zur Co-Vorsitzenden des ICAD (Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs) ernannt wurde, sollte sich selbst als entlassen betrachten in dem Moment, in dem sie Informationen preisgibt, die die Sicherheit des Staates gefaehrden.” Darauf zielt auch der Aufmacher des “Standard” unter dem Titel “Rody to Leni: Leak data, you’re fired”.

In der Diskussion aeuszerte PDEA-Chef Aquino, “PDEA sei bereit, Robredo die Liste der ‘high-value targets’ in einer Besprechung unter Ausschluss der Oeffentlichkeit nur in Anwesenheit von Mitarbeitern mit Sicherheits-Ueberpruefung zur Verfuegung zu stellen.” Das bedeutet, sie darf die Liste anschauen, sie wird ihr jedoch nicht ausgehaendigt, und die anwesenden sicherheits-geprueften Mitarbeiter schauen zu, dass sie keine Notizen oder mit dem Cell-Phone ein Foto davon macht.

Die Weitergabe der Informationen waere Hochverrat, und damit kaeme wieder eine Amtsenthebung der Vize-Praesidentin – nicht nur ihre Entlassung als “Anti-Drogen Zarin” – in’s Spiel. Die war gegen sie schon mal im Anzug, als sie in einem Video an die UN der PNP (Philippine National Police) “palit ulo ~ Kopftausch” vorwarf, als “Ersatz” einen Verwandten einzukassieren, wenn der im Haftbefehl Genannte nicht zu Hause ist. Das verlief damals irgendwie im Sande, das wuerde es diesmal sicher nicht. Zudem ist zu bedenken – und das wird die gelernte Juristin Robredo wohl tun – dass sie als Vize-Praesidentin im Gegensatz zum Praesidenten keine Immunitaet besitzt: sie kann verklagt werden. Das waere neben Entlassung als “Zarin“ und Amtsenthebung als “Vize” das I-Tuepfelchen auf dem Ende ihrer politischen Karriere, denn zu einer Verurteilung gehoert meist neben einer Haft auch der Entscheid, dass der/die Verurteilte nie wieder ein oeffentliches Amt bekleiden darf.

Entsprechend kleinlaut gibt sich denn auch Robredo gemaesz dem Aufmacher der “Times” unter der Ueberschrift “President calls shots in drug war”. Der Artikel zitiert Robredo aus einem Interview in ihrer Heimatstadt Naga City, Camarines Sur, in dem sie sagte: “Doch letztendlich hat unser Praesident immer noch das Sagen (calls the shots), weil er fuer die Strafverfolgung verantwortlich ist. Mein Plan ist es, dem Praesidenten jede Woche einen Bericht mit Empfehlungen zu schicken.

Na also! Die Fluegel sind gestutzt, jetzt kann sie herumflattern.

Von Friedrich Nietzsche… – …stammt der folgende Aphorismus: “’Das habe ich getan’ sagt mein Gedaechtnis. ‘Das kann ich nicht getan haben’ – sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich – gibt das Gedaechtnis nach.” Ich kann mir vorstellen, dass dieser Aphorismus gerahmt gut an die Wand im Buero des Senators und Sprechers der Minderheit Franklin Drilon passen wuerde. In einem Interview sagte er Journalisten: “Es ist traurig zu sagen, dass das ‘Build, Build, Build’-Programm der Regierung ein klaeglicher Fehlschlag (dismal failure) ist.

Diese Aussage nimmt sich der “Tribune” in einem Leitartikel zur Brust unter der Ueberschrift “’BBB’ bellyaches, barfs ~ ‘BBB’ hat Bauchschmerzen und kotzt”. Der Artikel nimmt die Aussage auseinander und findet: “Das ist toelpelhaft und nahezu voellig grundlos. Was als Basis haette dienen koennen, erwies sich als veraltet, und das macht die Erklaerung irrelevant, an der Grenze von Faelschung und Falschheit.” Das riecht “…nach Unwissenheit und einem heimtueckischen Partisanen-Versuch, die Regierung als Misserfolg in den letzten Jahren ihres Bestehens zu beflecken.

Mir riecht es danach, Vergessen zu machen, was die Liberale Partei unter Benigno „Noynoy” Aquino nicht getan hat und die Duterte-Regierung nun nachholen muss. Nicht umsonst schaffte es der Chef der Vorgaenger-Regierung laut “Wikipedia”, dass “Noynoying” in die Umgangs-Sprache gelangte. “Noynoying” bedeutet, dass man faul herumsitzt, den Kopf in die Hand stuetzt und nichts tut. Und Drilon war als der Senats-Praesident bekannt, der die Schmiergelder an jene Senatoren verteilte, die fuer den Rauswurf des Obersten Richters Renato Corona gestimmt hatten, den “Noynoy” loswerden wollte. Dafuer diente das spaeter als verfassungs-widrig erkannte “pork barrel”: der Selbstbedienungs-Laden der Liberalen – “wofuer sind wir an der Macht” – die den Staat immer nur als Beute gesehen haben, nie als Verpflichtung, dafuer auch etwas zu tun.

Da ich diesen Absatz mit einem Zitat begonnen habe, will ich auch mit einem Zitat schlieszen. In der Antrittsrede des John F. Kennedy, Praesident der von den Liberalen sehr geschaetzten USA, sagte dieser: “Fragt nicht, was euer Land fuer euch tun kann – fragt, was ihr fuer euer Land tun koennt.

 



 

Gemaesz “Daily Tribune”, “Manila Standard”, “Manila Times”, “Manila Bulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.