…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 17. Oktober 2019

(zum Bild: Verlieren will gelernt sein.)

 

Eine leere Blumenvase… – …die dekorativ auf dem Kuehlschrank stand, fiel gestern um 7:37 p.m. dem Erdbeben zum Opfer, das mit Staerke 6,3 suedlich Tulunan, North Cotabato, zuschlug. Das ist 60 km noerdlich und kam hier als kraeftiger Ruettler an. Von den Nachbeben spuerten wir nur noch eins mit Staerke 5,5 um 8:09 p.m. Wie ich heute morgen in “Phivolcs” sehe, ging das mit leichteren Nachbeben die Nacht durch und hat sich noch nicht beruhigt. Wir haben die in GenSan nicht gespuert, bis jetzt – 4:53 a.m. – wo ich dies grad schreibe: ganz kurz, als haette ein Riese mal gegen das Haus getreten. Allerdings sehe ich in “Phivolcs”, dass das ein Beben in Manay, Davao Oriental, mit Staerke 5,3 war. Das ist ziemlich weit weg, naja, “naa ta sa Pilipinas ~ wir sind in den Philippinen”.

Verlieren will gelernt sein – Im Streit Ferdinand “Bongbong” Marcos vs Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Robredo um Betrug bei der Wahl 2016 hat der SC (Supreme Court) die Ergebnis an die Parteien gegeben und um Stellungnahme gebeten. Nun erfahre ich endlich, dass bei Nachzaehlung der Provinzen Camarines Sur, Negros Occidental und Iloilo, die Marcos vorgeschlagen hatte, weil er dort die groeszten Mauschelein vermutete, jedoch 15 Tsd Stimmen mehr fuer Robredo gezaehlt wurden, als bei der elektronischen Wahl 2016 festgestellt.

Das Robredo-Camp folgert daraus, man muss den Protest des Marcos verwerfen, wie das die Richter Antonio Carpio und Benjamin Caguioa gefordet hatten, jedoch von Kollegen ueberstimmt wurden. Die Rule 65 der Wahl-Kommission besagt, dass der Protest verworfen werden soll, wenn die “Stichprobe” keinen substantiellen Zuwachs der Stimmen des Protestierenden zeigt – klare Sache, finde ich.

Das Marcos-Lager laesst von seinem Anwalt dagegen verkuenden: “Versuchen Sie sich vorzustellen, auch wenn es eine Erhoehung seitens des Leni-Lagers gab, und wie hoch auch immer die Stimmen des Bongbong Marcos waren, beachten Sie, dass es eine Erhoehung gab und daher die Computer, die Maschinen nicht wie versprochen richtig funktionierten.

Das ist die Logik eines Menschen, der Verlieren nicht gelernt hat.

 



 

Dieselbe Ueberschrift… – …dass Verlieren gelernt sein will, koennte ich auch ueber diesen Abschnitt setzen. Ein Leitartikel des “Tribune” regt sich darueber auf, dass die “New York Times” ein Feature zu Maria Ressa bringt, in dem alle Luegen zu Dutertes Drogenkrieg aufgewaermt werden, und wie hier die Presse manipuliert wird mit Social Media und so weiter und so weiter. Der “Tribune” zieht da einen Vergleich zu Senatorin Leila de Lima, die sich auch im Ausland um Presse-Stimmen bemuehte – und bekam! – als hier niemand fuer sie Partei ergriff.

Ich sehe da eine Verbindung zur gestrigen Kolumne von Rigoberto Tiglao mit der Ueberschrift: “Rappler zeigt wie US Online-Technologie die oeffentliche Meinung in PH manipulieren kann”. Er zeigt, dass “Rappler” in Google-Suchalgorithmen einen hohen Rang hat, weil z.B. die “New York Times” alle Berichte ueber die “verfolgte Ressa” mit Artikeln in “Rappler” verlinkt hat. Fuer die Suchalgorithmen sind nicht nur Worte und deren Haeufigkeit in einem Text entscheidend, sondern auch, wie haeufig auf den Artikel verlinkt wird, und von der “Kompetenz” dessen, der den Link anlegt. Die “New York Times” ist hoechst kompetent – fuer Google – und wenn die auf “Rappler” zeigt, wenn es um die Philippinen geht, dann ist “Rappler” kompetent, was die Philippinen angeht. Googelt in den USA also jemand “Duterte + drug war”, dann bekommt er “Rappler” serviert.

Ich finde da auch andere, aber ich sitze ja auch in den Philippinen, wo es die Pressefreiheit gibt, die es – Google sei Dank – in den USA nicht mehr gibt, falls man sich seine Meinung zusammen-googelt. Wir duerfen also den Amerikanern nicht boese sein, wenn sie eine schlechte Meinung von uns haben – sie koennen nicht anders, weil sie so manipuliert werden, wie Ressa das in ihrem Artikel in der “New York Times” ueber die Philippinen behauptet.

Doch komme ich mit diesen Technikalitaeten vom Thema ab. Es ist nicht nur “Bongbong” Marcos, der die Flucht in die Oeffentlichkeit sucht, wenn er im gesteckten Rahmen des Rechts nicht bekommt, was er haben will. Das gilt fuer de Lima und Ressa, wie es zum Beispiel auch fuer Senator Richard Gordon gilt. Dessen Blue Ribbon Committee vergleicht Yen Makabenta in seiner Kolumne in der “Times” mit den beruechtigten McCarthy-Anhoerungen des US-Senats, der mit seinen Kommunisten-Verfolgungen in den 50er-Jahren Angst und Schrecken verbreitete. Hier verteidigt Senats-Praesident Vicente Sotto Gordon oeffentlich, als er erklaerte, dass “der ‘Blaues Band-Ausschuss’ des Senats berechtigt sei jede Anhoerung betreffs irgendeines Beamten oder ueber ‘was auch immer unter der Sonne’ durchzufuehren.” Und so kann Gordon seine “Untersuchung” gegen Oscar Albayalde trotz Mangel an Beweisen fortsetzen, obwohl DILG (Department of the Interior and Local Government) als Herr der Polizei und DOJ (Department of Justice) laengst eigene Untersuchungen angesetzt haben.

All das kann man zusammenfassen als “Flucht des Verlierers in die Oeffentlichkeit”. Es beweist einen Mangel an Schamgefuehl, das nur der besitzt, der “Verlieren gelernt hat”. Der wuerde sich verstecken. Das ist nicht angeboren, Scham wird anerzogen.

Das ist nicht unwichtig. In den USA ist grad jemand Praesident, der auch nicht gelernt hat zu verlieren, und der nun eine Katastrophe nach der andere produziert. Und das erinnert mich nun wieder mal an meinen Philosophielehrer Hans Blumenberg. In seinem Buch “Lebenszeit und Weltzeit” fuehrt Blumenberg eines der Probleme des Menschen aus, damit zu Rande zu kommen, dass die Welt schon da war, als er geboren wurde, und dass sie noch sein wird, wenn er gestorben ist. Darin bringt er ein Zitat gemaesz Nicolaus von Below, Adjutant der Luftwaffe, der Adolf Hitler nach der gescheiterten Ardennen-Offensive sagen hoerte: “Wir kapitulieren nicht, niemals. Wir koennen untergehen. Aber wir werden eine Welt mitnehmen.” Der Diktator wollte, dass seine Lebenszeit gleich der Weltzeit ist.

Sie sind alle so, die nicht verlieren koennen. Sie muessen keine Fuehrer von Nationen sein. Etwas laeuft nicht nach ihren Wuenschen, dann stellen sie ein Manifest ins Internet, gehen raus und ermorden, wen sie nicht leiden koennen, oder wer sonst grad im Weg steht. Ist ihnen doch egal, denn ihr Leben, in denen das Wuenschen noch geholfen hat, haben sie hinter sich, aber das soll nicht umsonst gewesen sein, und so “werden sie eine Welt mitnehmen”.

Die Zeiten werden unberechenbarer, je schamloser wir werden.

 



 

Gemaesz “Phivolcs”, “Inquirer”, “PhilStar”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.