…aus der philippinischen Presse

 


 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 18. Juli 2019

(zum Bild: Ein balancierender und witzelnder Präsident Duterte)

 

Schau bevor du in’s Dunkel springst”… – …ist ein in sich widerspruechlicher Rat, denn im Dunkeln sieht man nichts. “Denk nach…” waere die passende Formulierung gewesen, denn dazu raet heute Yen Makabenta in seiner Kolumne in der “Times” dem neuen Kongress unter der genannten Ueberschrift.

Er moechte, dass der Kongress, der sich am 22. Juli konstituiert, zu einem “groszen Gesetzgeber [wird], der unser Land zu voller Modernisierung und Entwicklung bringt und damit zur nachfolgenden Bedeutung in der Welt.” Offenbar haben persoenliche Interessen jedoch einen groeszeren Stellenwert.

Im Haus draengelt sich Alan Peter Cayetano vor. An ihm gefaellt Makabenta nicht, dass der es war, als das “pork barrel ~ Schweinefleischfass” vom Obersten Gericht als verfassungswidrig verboten wurde, der den Kollegen im Haus erlaeuterte, das sei nicht so schlimm, weil man mit “inserts ~ Einfuegungen” in den Haushalt dasselbe erreichen koenne. Wir wissen, dass der Streit um solche “Einfuegungen” den Haushalt 2019 um Monate verzoegerte, und das Land eben nicht voranbrachte.

Es war auch Cayetano, der als Auszen-Minister dafuer sorgte, dass das Budget fuer die Southeast Asian Games 2019 dem Sportsausschuss entzogen und seinem Ministerium zugeordnet wurde, wozu er sich auch zum Vorsitzenden des Organisations-Komittes einsetzen liesz. Als Teodoro Locsin Auszen-Minister wurde, gab der das Spiele-Budget umgehend an den Sportausschuss zurueck.

In den Zwischenwahlen diesen Jahres sorgten die Cayetanos dafuer, dass nicht nur Alan Abgeordneter fuer Taguig City wurde, sondern auch seine Frau Lani wurde Abgeordnete fuer den zweiten Distrikt von Taguig City. Bis dahin war sie Buergermeisterin von Taguig, ihr Nachfolger dort ist Lino Cayetano, der juengere Bruder von Alan Peter und dessen Schwester, der Senatorin Pia Cayetano, welche bereits von 2004 bis 2016 im Senat sasz und die Zwischenzeit von 2016 bis 2019 als Abgeordnete des zweiten Bezirks von Taguig ueberbrueckte, wo ihr nun ihre Schwaegerin folgt. Die Cayetanos sind der Meinung, dass eine “Dynastie” gut fuer Taguig ist.

Mir ist dazu erinnerlich, dass Alan Peter Cayetano Cayetano im Mai bei “Inday” Sara Duterte-Carpio vorsprach, der heimlichen “Koenigsmacherin” des Landes, und ihr nach deren Eindruck drohte: “Er kam jedoch mit einer verdeckten Drohung, wenn ich den Abgeordneten Velasco als Sprecher unterstuetze, wuerde ich die ‘Gruppe’ aufbrechen. Und das, sagte er, wuerde die Praesidial-Wahlen von 2022 beeinflussen.

Der Mann will hoch hinaus. Er will 2022 Praesident werden, und so muss er bis dahin “sichtbar” sein, am besten in einer fuehrenden Position. Cayetano zum Sprecher zu waehlen, wuerde dessen Interessen ganz wunderbar bedienen. Doch waere das auch zum Besten des Landes?

Makabentas mahnender Rat an den Kongress zu schauen, bevor man in’s Dunkel springt bezieht sich aber nicht nur auf das Haus. Er hat seit einiger Zeit – und seit einigen Kolumnen, in denen er auf dem Thema herumreitet – mit dem Senat ein Huehnchen zu rupfen. 9 Senatoren haben schon mehr als zwei Amtszeiten hinter sich, darunter die oben genannte Pia Cayetano, aber auch der alte und vermutlich auch wieder neue Senats-Praesident Vicente Sotto. Vor dem Obersten Gericht laeuft eine Petition, die auf eine strikte Durchsetzung der Verfassung abzielt, die in Article VI, Sec. 4 fordert: “Kein Senator kann mehr als zwei aufeinander folgende Amtszeiten dienen.” Erkennt das Oberste, dass “Pausen” in der Amtszeit das “aufeinander folgende” nicht auszer Kraft setzen, waere das katastrophal fuer diese 9 Senatoren und wuerde auch angedachte Mehrheiten fraglich machen.

Doch nicht nur dieser “worst case” beunruhigt Makabenta. Die meisten der altgedienten Senatoren haben Schmiergelder erhalten, als sie damals fuer den Rauswurf des Obersten Richters Renato Corona stimmten. Wird Sotto erneut als Senats-Praesident gewaehlt, sei das ein Desaster, und Makabenta schlieszt seine Bedenken mit dem Satz: “Diese Leute sollen Gesetzes-Macher sein, nicht Gesetzes-Brecher.

 



 

Zur Vernunft… – …mahnt auch Antonio Contreras in seiner Kolumne in der „Times“ , was die Reaktion auf die Island-Resolution angeht, die einen Bericht zu den Menschenrechten in den Philippinen fordert. Es ginge um einen Bericht, weil dem Menschenrechtsrat sonst nichts auszer den Einfluesterungen von Menschenrechts-Gruppen vorliegt. Keineswegs sei dies so etwas wie eine formelle Untersuchung, die zu einer Klage vor welcher Instanz auch immer fuehren soll.

Im Gegenteil, meint Contreras, man wolle eben wissen, ob all diese unqualifizierten Anwuerfe ueberhaupt Hand und Fusz haben. Dafuer bittet man um Information, kein Mensch habe etwas gefordert oder jemanden verpflichtet.

Von daher seien Reaktionen voellig ueberzogen, wie die der Senatoren Vicente Sotto und Imee Marcos, die diplomatischen Beziehungen zu Island abzubrechen, oder auch die von Auszen-Minister Teodoro Locsin, aus dem Menschenrechtsrat auszutreten. Einem unvoreingenommenen Menschen koennten solche Reaktionen nur den Eindruck verschaffen, dass man tatsaechlich etwas zu verbergen habe.

Nicht ernst zu nehmen… – …ist die Aussage von Praesident Rodrigo Roa Duterte im Fernseh-Interview mit einem ihm befreundeten Pastor Apollo Quiboloy, er nehme nun den MDT (Mutual Defense Treaty) mit den USA in Anspruch und fordere die auf, die Siebte Flotto vor Chinas Kueste zu positionieren. Schon die Fortsetzung der Forderung zeigte, dass das ein Witz ist: “Ich werde im Boot des US-Admirals dabei sein. Aber ich nehm auch diesen Carpio und den Rest mit, Albert…

Der MDT kann nur bei Angriff auf die Philippinen oder philippinisches Militaer in Anspruch genommen werden, und das geschieht nicht in einem launigen Fernseh-Interview, in dem man unter Freunden ueber Gott und die Welt plauscht. Und im Falle einer militaerischen Auseinandersetzung stellt sich der Praesident des Landes nicht in die erste Angriffs-Reihe, sondern der Oberbefehlshaber der Truppen sitzt irgendwo in einem Bunker, und Soldaten passen auf ihn auf, damit ihm nichts passiert.

Da niemand angegriffen wurde, kann das nur ein Witz sein. Wieso die “Times” daraus eine Schlagzeile macht, ist mir unerfindlich. Sie kam mir ansonsten stets serioes vor, na ja, in den Kolumnen ist sie das ja auch heute.

Saysay sa adlaw – Nagkomedya lang siya. 

komedya Komoedie, Witz + nag… V/G nagkomedya macht einen Witz, Spasz, lang nur, siya er, sie

Satz des Tages – Er macht nur einen Witz.

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.