…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 31. Oktober 2017 

 

Bangsamoro – Das Wort “Bangsamoro” ist eine Verbindung des malaiischen “bangsa ~ Land” und des spanischen “moro ~ Mauren”, wobei “Moro” in Spanien und auf den Philippinen von Christen als abschaetzige Bezeichnung  fuer Muslime gebraucht wird – soviel aus “Wikipedia”. “Bangsamoro ~ Land der Moro” steht heute kurz fuer “Bangsamoro Autonomous Region”, welche die ARMM (Autonomous Region in Muslim Mindanao) abloesen soll, und ist gar nicht abschaetzig gemeint, sondern eine hoechst wichtige Angelegenheit.

Schon in seiner SONA (State of the Nation Address) am 25. Juli 2016  sagte Praesident Rodrigo Roa Duterte: “Es wurde ein historisches Unrecht an den Moro begangen. Das muessen wir korrigieren. Doch das ist jetzt gut moeglich.” Und er schlug vor, das BBL (Bangsamoro Basic Law), das nicht durch den vorhergehenden Senat gekommen war, ohne die strittigen Punkte durchzubringen, und sich danach um ein verfasstes Modell zu kuemmern. “Das ist die Loesung fuer Mindanao. Nichts sonst. Glaubt mir. Nichts anderes wird klappen. Bitte schlaft darueber, denkt drueber nach, weil das der einzige Weg ist um weiterzukommen.

2014 hatten sich Regierung und MILF (Moro Islamic Liberation Front) auf das CAB (Comprehensive Agreement on Bangsamoro) geeinigt, das in den Senat ging und dort als BBL totverhandelt wurde, auch wegen der vermasselten Mamasapano-Aktion. 44 Polizisten einer Eliteeinheit wurden getoetet, als zwei Top-Terroristen gefasst werden sollten. Das beherrschte die Schlagzeilen und heizte die Gemueter gegen BBL an – in Manila. In Mindanao sah man eher, dass es auch 18 Tote bei der MILF gab, mit der man sich nicht abgestimmt hatte, und es gab 5 tote Zivilisten. “Es steckte nicht Dummheit hinter Mamasapano: Es war die vorsaetzliche Tat hoechster Regierungsvertreter,” sagte damals Robert M. Alonto von der BTC (Bangsamoro Transition Comission) und folgerte: “Und genauso war das Scheitern des BBL im Kongress eine vorsaetzliche Tat.” Lassen wir den ueblen Vorsatz mal auszer Acht, so muessen wir zur Kenntnis nehmen, dass eine tiefe Verbitterung hinter solchen Vorwuerfen steht.




Woher kommt diese Verbitterung?

Jojo Robles schrieb am 1. Juni anlaesslich des Marawi-Konfliktes, der wie schon bei Mamasapano auch durch die vermasselte Festnahme eines Top-Terroristen ausgeloest wurde, im “Manila Standard” unter dem Titel “Mindanao retten”, woraus ich hier zum besseren Verstaendnis etwas laenger zitiere:

…Ich habe oft gefragt, wie so ein groszer Teil des Landes, der mit so vielen Ressourcen gesegnet ist, so arm und vernachlaessigt in einigen Hinsichten geblieben ist. Zur gleichen Zeit war ich immer beeindruckt von den verhaerteten Seelen, die sich in Mindanao entwickelt haben, auch wenn sie sich meist selbst ueberlassen wurden.

Doch jetzt bin ich ueberzeugt, dass wenigstens ein Teil der Gruende, warum Mindanao nie sein volles Potenzial entwickelt hat, daran liegt, dass die Menschen im Norden beim ersten Anzeichen von Unruhe [Mindanao] aufgegeben haben. Und so haben die Mindanawer, glaube ich, die Haltung entwickelt, dass, wenn jemand ihnen helfen soll, sie das schon selbst sein muessen.

Die Skepsis der Mindanawer gegenueber Manilas Bemuehungen, sie zu retten und ihr Leben zu befoerdern, kontrastiert scharf zu ihrem nachgerade absoluten Glauben, dass nur Duterte wahrhaft die Verheiszung ihrer geliebten Insel erfuellen kann. Ich hoffe, sie liegen richtig, denn wenn Duterte Mindanao nicht retten kann, dann, wie viele auszerhalb der Insel lange glauben, ist es ueberhaupt nicht mehr zu retten.

Und aktuell mahnte Praesident Duterte grad letzten Sonntag vor seinem Ablug zum Arbeits-Besuch in Japan noch einmal die Dringlichkeit des BBL an: “Wenn wir da nicht prompt handeln, glaube ich, dass uns Streit bevorsteht. Wir muessen weiter miteinander reden, und ich werde den Kongress draengen, das zu beschleunigen, weil sie ungeduldig werden. Ich weisz, die Zeit ist knapp, doch wir werden halten, was wir versprochen haben.” Und er betont: “Das ist eine Verpflichtung, nicht blosz ein Versprechen, sondern eine Verpflichtung gegenueber dem Volk der Moro.

Die Sache wurde dringlich, weil eine fuer Ende der Woche geplante Sitzung des Bangsamoro Parlaments auf die dritte November-Woche verschoben werden musste, weil Praesident Duterte wegen Japan-Besuch und folgendem ASEAN-Gipfel keine Termine vorher frei hat.

Das ist nicht gut, findet der Vorsitzende der BTC und MILF-Chef Ghazali Jaafar, denn das neue “BBL ist die beste Medizin gegen gewalttaetigen Extremismus.” Und er fuegt hinzu, das neue BBL beruecksichtige “die Verschiedenheit der Interessen des Bangsamoro-Volkes, der nicht-muslimischen indigenen Voelker, der saekularen Gemeinden, und ist die neue Formel fuer einen sehr fluechtigen Frieden in Mindanao. … Die letztliche Tragoedie in Marawi City kann nur zu Isolation und oeffentlichem Hass auf die Extremisten fuehren; wir glauben, was sie den Bewohnern von Marawi City angetan haben, haben sie aus Frust getan; was unser Volk braucht, ist ein gerechter und wuerdiger Frieden. Sie brauchen die Friedens-Versprechen, die das BBL anbietet.

Das sieht Praesident Duterte nicht anders. Bereits am 12. Oktober warnte er: “Wenn wir nicht mit einem vernuenftigen Gegen-Vorschlag kommen, dann versichere ich euch, dass ueberall in Mindanao gekaempft wird. Denn dann werden sich die fuehrenden Gruppen der Rebellen [MILF und MNLF] mit den Extremisten zusammen tun.



Wobei bezueglich MNLF (Moro National Liberation Front) eh nicht hundertprozentig klar ist, wie die sich zum neuen BBL stellen wird, denn deren eigensinniger Vorsitzender Nur Misuari hat sich nicht an den Verhandlungen der BTC beteiligt, weil er sich mit “Verraetern” – das ist fuer ihn die MILF, die sich einst von der MNLF abgespalten hat – nicht an einen Tisch setzen will.

Die entscheidende Frage aber ist zuenaechst, ob den Politikern da oben in Luzon das Verkehrsproblem in Manila oder das “Hazing” an ihren Universitaeten wichtiger ist als der Frieden hier unten in Mindanao. Wird Mindanao mal wieder “aufgegeben und sich selbst ueberlassen”, weil die Nasen da oben Besseres zu tun haben?

Zwar hat die BTC das BBL vorgelegt, doch noch hat sich kein einziger Abgeordneter gefunden, der es unterstuetzt. Und parlamentarisch ist das nun mal so: ein Antrag, der nicht unterstuetzt wird, kommt nicht mal auf die Tagesordnung. Kann man gleich in die Tonne hauen. Wo ist die Super-Majoritaet, die hinter dem Praesidenten steht? Ist da keiner aus Mindanao, der wirklich Frieden will?

Kritiker meinen, das BBL schaffe einen “Unterstaat der Philippinen”, der gegen die Verfassung verstoeszt. Und Abgeordnete, die hinter Duterte stehen, meinen daher, dass zunaechst die Verfassung geaendert und ein Bundestaat geschaffen werden soll – zaudernde Bedenkentraeger. Die MILF will aber das BBL bevor es an die Verfassung geht – wie Duterte das in seiner SONA gesagt hatte – weil eine neue Verfassung dauert, und in der Zwischenzeit laufen die jungen Leute hier unten zu den Terroristen ueber.

Was nun?

Gemaesz “Wikipedia”, “MindaNews”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “ManilaStandard”, “DavaoToday” u.a.

 

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.