…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 30. November 2019

(zum Bild: Um die aktuellen SEA-Spiele kümmern sich die Medien kaum)

 

Patrioten und Partisanen – In seiner Kolumne in der “Times” schreibt Antonio Contreras ueber die Lager von pro-Duterte- und anti-Duterte-Stimmen, die sich angesichts einiger Misslichkeiten bei den heute beginnenden Suedostasien-Spielen (SEAG ~ Southeast Asia Games) gebildet haben. Auf der einen Seite sind da “…Menschen, die von ihrem Hass gegen den Praesidenten so geblendet sind und die ihre Perspektive schnell mit parteipolitischer Tendenz ausmalen. Sie sehen nur das Durcheinander und die Fehler und erkennen die glaenzende Seite nicht an.” Und auf der anderen Seite sind da “…die ueber-Duterte-Loyalisten, die ihren Goetzendienst am Praesidenten ueber die Interessen des Landes stellen. Das sind die gleichen Leute, die die Linsen ihres Objektivs beiseite legen, nur um die anzugreifen, die sie als den Praesidenten unterminierend empfinden. Die SEA Games sind blosz symbolisches Mittel, um den Praesidenten zu verteidigen.

Es geht gar nicht um die Spiele, und dazu passt ganz gut die Karikatur in der “Times”, in der sich die Presse vertreten mit Reporter und Kameramann um Essen und einen auf dem Stuhl Schlafenden kuemmern, waehrend im Hintergrund die Sportler unbeachtet auf ihren Startbloecken hocken.

Es sind nicht die sportlichen, es sind die politischen Spielchen, die ersatzweise gespielt werden.

Dasselbe gilt fuer die Verschwoerungs-Theorie, die derzeit in Gelben Kreisen, federfuehrend von Ex-Richter Antonio Carpio – Verteidiger des Haager Schiedsspruches zur West Philippines Sea – in die Presse lanciert wird. Da Chinas State Grid Corp. 40 Prozent Anteile  an der NGCP (National Grid Corp. of the Philippines) besitzt, naehrt man nun Bedenken, China koenne das Stromnetz der Philippinen mit einem Schlag lahmlegen, indem es “Malware oder Software” in die Steuerungen einbringt, mit denen die Verteilung der Energie in das Netz geregelt wird.

Darauf angesprochen sagte Praesident Rodrigo Roa Duterte in einem Interview mit “CNNPhil”: “Schau, China, wir sind Freunde. Wir machen Geschaefte. Ihr wollt Geld, wir wollen Geld. Es bringt uns beiden Geld ein. Nun habt ihr vor, [das Netz] abzuschneiden – aus welchem Grund? Antwortet mir. Warum wuerdet ihr die Kontrolle ueber etwas uebernehmen, das ihr uns angeboten habt? Das werde ich nicht zulassen. … Ich werde China sagen: ‘Weiszt du, China, wenn du das tust, wird es Aerger geben. Ich kann dich nicht unterkriegen, doch ich sagte, ihr werdet von mir ein paar Saetze zu hoeren kriegen (receive from me a mouthful), und dann gehe ich woanders hin und seh mich nach Hilfe um.’

China braucht den Weltmarkt als Abnehmer, und es ist eine einfache Einsicht, dass man keinem etwas verkaufen kann, den man grad erwuergt hat. Auch wenn der Kunde nicht immer Koenig ist, am Leben sollte man ihn schon lassen, sonst wird aus dem Geschaeft nichts. Und von daher laesst sich auch dieser neue Vorstosz der Opposition verstehen, dass man meint, mit der latenten China-Feindlichkeit der Filipinos im Kampf um kuenftige Wahlstimmen punkten zu koennen.

Das ist billig, und nicht der Aufmerksamkeit wert, waere es nicht umgekehrt genauso. In dem Anti-Yellow-Blatt “Tribune” ist heute ein Leitartikel mit der Ueberschrift “Robredo wanted to sabotage ICAD”. Der Artikel bringt dafuer keine Beweise, wie sie den Inter-Agency Committee on Anti-Illegal Drugs haette sabotieren koennen, sondern stuetzt sich auf den “Augenschein”: “Das sueffisante Laecheln, das Robredo jedes Mal aufsetzt, wenn sie ueber ihre Teilnahme am ICAD spricht, vermittelt den Eindruck, dass sie nie wirklich wollte, dass der Krieg des Praesidenten gegen illegale Drogen Erfolg hat. … Aus der Art und Weise, wie sie sich in der Oeffentlichkeit verhaelt, wird offensichtlich, dass Robredo die Praesidentschaft 2022 im Auge hat und meint, es sei ihre einzige Moeglichkeit in Malacañang zu residieren, wenn sie den Praesidenten bei jeder moeglichen Gelegenheit in Misskredit bringt.

Auch hier hat man, wie Contreras das ausdrueckt, die “Linsen seines Objektivs beiseite gelegt”, um auf die Vize-Praesidentin eindreschen zu koennen. Mal ehrlich – wie haette sie ICAD sabotieren koennen?

Was aber, von diesem politischen Weit-vor-der-Wahl-Hickhack abgesehen, bedenklich ist, ist die Tatsache, dass diese Spaltung in Pro und Anti nicht auf politische Groeszen beschraenkt ist. In meinem gestrigen Blog hatte ich kritisch nachgefragt, wofuer Innen-Minister Eduardo Año eigentlich da ist, wenn Duterte selbst den Chef der Polizei geben will. Der Innen-Minister hat die Polizei unter sich. Sofort kam ein Kommentar, das sei Ehrabschneidung eines verdienten Soldaten. Eine kritische Diskussion ist unmoeglich, wenn man einleitend dem Opponenten erstmal die Zaehne einschlaegt – verbal versteht sich. So kommt man nicht ins Gespraech

Und ich erlaube mir, Duterte kritisch zu sehen, und finde es nicht gut, wenn er in einer Rede neulich wieder zum Besten gegeben hat, “wieviele Leichen er in der Manila Bay entsorgt hat.” Das kommt bei seinen Anhaengern an, die das als Witz verstehen, es stoeszt aber auf Ablehnung und Abscheu bei denen, die gegen ihn – aber auch Filipinos sind.

Es sind diese Dinge, die das Land spalten. Dasselbe ist in den USA zu beobachten. Wer die Nachrichten von “CNN” und “FoxNews” vergleicht, bekommt den Eindruck von zwei verschiedenen Welten, und inzwischen sind 50 Prozent der US-Buerger dafuer, Donald Trump seines Amtes zu entheben. Die Gefahr besteht fuer Duterte nicht, er hat 80 Prozent der Buerger hinter sich, aber muss er deshalb die 20 Prozent verprellen?

Und so kommt das am Ende auch in den Medien und im Alltag an: man redet nicht miteinander, man redet gegeneinander.

Das ist nicht gut.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Daily Tribune”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.