…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 28. Juni 2019

(zum Bild: Der Weg ist das Ziel)

 

Die sogenannte Herausforderung – Praesident Rodrigo Roa Duterte ist in seinen Reden ein offenes Buch, das jeder mitlesen kann, der sich darauf einlaesst. Er denkt laut vor sich hin, und meist sind es ziellose Spaziergaenge im Kopf, die nicht auf etwas aus sind, so wie ein Spaziergang ja auch kein Gang irgendwohin ist. Am Schlusz ist man doch wieder zu Hause, und haette man dahin gewollt, haette man halt zu Haus bleiben sollen. Bei diesen Spaziergaengen gilt ganz asiatisch – “der Weg ist das Ziel” – oder in den “westlichen Weg” uebersetzt: wer einen Spaziergang macht, der erholt sich, wer aber mitgehen muss, den langweilt es. Duterte macht sich Dinge klar, und wer mitgeht, sieht mitunter auch dies oder das, was aber nicht zwangslaeufig so sein muss. Kritiker picken sich Saetze heraus, die sie ihm woertlich reinreiben koennen, harte Fans begeistern sich, wenn er sich am unteren Ende der Sprachskala bedient, und viele fuehlen sich einfach nur angesprochen, weil er so redet wie ein Kumpel beim Bier am Sari-Sari-Store, wie das ein Kolumnist mal formuliert hat.

Da kommt dann dies und jenes rueber, wenn er, wie bei der Rede, auf die ich mich heute beziehe, mit einem Skript von zwei Seiten daherkommt – “I have here a two-page prepared speech” – und dem etwas hinzufuegt – “I will add my own of today’s hottest issue” – sodass die Rede am Mittwoch zum 122. Jahrestag der Sicherheitsgruppe des Praesidenten im Transcript bei “PCOO” doch 12 Seiten lang ist.

Duterte griff den Faden auf, der von seiner Rede am Dienstag liegen geblieben war, als er sich ueber den Zwischenfall auf der Recto (Reed) Bank Gedanken gemacht und gesagt hatte: “China wird gestattet weiterhin in Gewaessern der Exclusive Economic Zone [EEZ] der Philippinen zu fischen.” Ich schrieb gestern dazu, dass er Gegenwind bekam von Richter Antonio Carpio, der mit der Verfassung wedelte. Das muss er Ernst nehmen. Die South China Sea ist Carpios Hobby. Er hielt dazu eine viel beachtete Rede 2014 an der San Agustin Universitaet, Iloilo City, unter dem Titel “Grand Theft of the Global Commons”, in welcher er die “Nine-dash Line” als Diebstahl am Gemeingut der Anrainer-Staaten der South China Sea bezeichnete. Gegen diesen frechen Diebstahl wehrt er sich nicht allein nur fuer die Philippinen, “sondern fuer die ganze Menschheit”. Der Spruch des Staendigen Schiedshofes im Haag im Juli 2016 entsprach dem, und es ist eine von Dutertes zentralen Einsichten, “…dass ich aus den vier Ecken dieses Dokumentes nicht rauskomme.

Duterte reagiert auf den Einwand. Seine Reden sind nicht zum Spasz, es ist ein offener Monolog und so greift er den Gedanken auf, dass er die Verfassung verteidigen muss. Er kann aber gegen China nicht vorgehen, was ihm nicht nur von der Opposition, sondern auch von westlicher Seite vorgeworfen wird, und so dreht er den Spiesz um: “Dies ist meine Herausforderung. Meine Herausforderung an Amerika, Grosz-Britannien, Frankreich ist, dass wir uns alle in Palawan versammeln, und dann fahren wir direkt zu den Spratly Inseln. Wir fordern sie fuer uns, wenn wir das koennen. Gehen wir alle unter, werden sie sagen: ‘Duterte verteidigt nicht die Interessen von 110 Millionen Filipinos’. Das ist ein gottverdammter Scheisz. Ihr wollt, dass ich das Leben von 110 Millionen Filipinos gefaehrde? Wollen wir das auf’s Spiel setzen… Mein Gott, ich werde nicht einen Soldaten oder Polizisten opfern, ohne dass ich eine Chance habe.

Er kann den Chinesen das Fischen nicht verbieten: “Wenn ich es verbiete, wie will ich das durchsetzen? Sogar Amerika hat Angst. Sie wollen keine Konfrontation, warum wollen sie dann, dass ich das riskiere?” Und er will das den Chinesen auch gar nicht verbieten, denn er hat sich in Verhandlungen mit Xi Jinping geeinigt, dass die dort fischen duerfen: “Darueber haben wir uns zuvor geeinigt, und deshalb sprechen wir miteinander. Und deshalb wurde uns gestattet wieder zu fischen. Es war ein beiderseitiges Uebereinkommen.

 



 

Die “Herausforderung” ist Dutertes melancholische Feststellung der Tatsache, dass die Philippinen keine Souveraenitaet ueber ihre EEZ haben: “Wir haben die Souveraenitaet nicht bekommen. Unsere Souveraenitaet reicht nur 12 Meilen weit. In der Economic Zone haben wir keine Souveraenitaet.

Mich wundert, dass Senator Panfilo Lacson Dutertes “Herausforderung” ernst nimmt, Ansprueche gegen China mit Hilfe des Westens durchzusetzen. Die Herausforderung war keine, sondern ein Abgesang auf die South China Sea. Kein Mensch wird sich auf einen Krieg mit China einlassen, die USA gleich gar nicht, am allerletzten US-Praesident Donald Trump. Der will einen Sieg am Verhandlungstisch, er haelt sich ja fuer einen Verhandlungs-Kuenstler. Wir werden in Osaka sehen, ob das stimmt.

Bei dem alten Fuchs Lacson haette ich aber nicht gedacht, dass er sich so in’s Bockshorn jagen laesst. Die “Herausforderung zur Fahrt nach Palawan” aehnelt zu sehr Dutertes einstigem Versprechen, dass er “mit philippinischer Flagge bei den Scarborough Shoals Wasserski fahren will”. Es ist ein Duterte-Witz, Herr Senator, tss, tss, tss…

Wer in der Sache ein Fleisz-Kaertchen erwerben will, moege die heutige Kolumne von Rigoberto Tiglao in der “Times” studieren. Er zeigt, dass die umstrittene Gegend mal internationales Gewaesser war, wo alle Anrainer friedlich fischten, bis Ferdinand Marcos die Kalayaan Island Group (inklusive Reed Bank, Spratly und Pag-Asa) 1978 annektierte und erklaerte sie sei “vital to the security and economic survival of the Philippines.” Da begann der Run der Anrainer, sich auch Gebiete unter den Nagel zu reiszen und zu befestigen. Wer Schuldige sucht, moege sich zuerst an die eigene Nase fassen.

Duterte dagegen trauert der Zeit des einst friedlichen Miteinander nach und will sie in Vereinbarungen erreichen, wozu er sich nicht an den Buchstaben des Gesetzes klammern darf. Was nuetzt es, wenn er in den Krieg zieht und danach gibt es keine Filipinos mehr? “Wie kann ich die Ressourcen verteidigen, wenn keiner da ist, sie zu genieszen? Wie kann ich den Fisch schuetzen und die Produkte des Landes, wenn das keiner mehr isst? Seid ihr bescheuert?

Im Deutschen gibt es den umstaendlichen Begriff der Rechtsgueterabwaegung. Wie das hier heiszt, weisz ich nicht, doch Duterte haelt sich daran.

Saysay sa adlaw – Wa siya kaagpas sa liso. 

wa ~ wala kein, nicht, siya er, sie, agpas einholen, schnappen + ka… aendert Bedeutung kaagpas rauskriegen, verstehen, sa von, liso Samen, Kern ~ auch Kern der Sache, Witz

Satz des Tages – Er hat den Witz nicht verstanden.

 



 

Gemaesz “PNA”, “PCOO”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.