…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 21. Dezember 2019

(zum Bild: Die Einkommensgruppen)

 

Wieder runterkommen… – …ist schwierig, hat man sich tags zuvor in der luftigen Hoehe historischer Ereignisse bewegt. Man meint, man muesse nun auch im Alltag noch Weltbewegendes finden, sucht herum und – findet nichts. Doch das ist normal, genau das zeichnet den Alltag aus, der eben nie historisch ist.

So ist fuer das “Bulletin” heute wichtig, das nach einer neuen Umfrage von “Pulse Asia” Praesident Rodrigo Roa Duterte eine Zustimmung von 87 Prozent genieszt. Nun sind solche landesweiten Zahlen wenig aussagekraeftig, und so stellt der Artikel fest, dass in Metro Manila die Zustimmung von 80 auf 78 Prozent gesunken ist. Pastilan! wie kann das angehn?

Die Antwort liefert der Aufmacher der “Times”, der sich damit befasst, dass MWSS (Metropolitan Waterworks und Sewerage System) einen neuen Vertrag mit den Versorgern Maynilad und Manila Waters ausarbeitet, der keine Goldgrube fuer die Besitzer bei gleichzeitiger Wasserknappheit fuer die Einwohner der Metropole bedeutet. Der Praesident hat geschimpft, aber er hat den gordischen Knoten weder geloest noch durchgehauen wie einst Alexander, also – Daumen nach unten.

Man koennte auch fragen, ob man sich ueber 87 Prozent ueberhaupt freuen sollte. Solche Werte kennt man sonst nur aus diktatorischen Systemen, na – kommt da nicht ein Verdacht auf? Bei mir nicht, doch man muss aufpassen. Das ist auf einer Linie mit dem “Tribune”, dessen Leitartikel sich damit befasst, ob Greta Thunberg sich freuen kann, vom “Time”-Magazin als “Person of the Year” gefeiert zu werden, da letztes Jahr ja auch Maria Ressa vom “Rappler” so abgefeiert wurde. Der Artikel schlieszt mit den Worten: “Letztendlich sollte die Auswahl von Ressa und Thunberg nicht ueberraschen. Immerhin hat ‘Time’ einst Adolf Hitler zum ‘Mann des Jahres’ gekuert.

Na, klickert’s jetzt? Hab ich die “87 Prozent” dem Leser gruendlich vermiest?

Unter der Ueberschrift “A decent life ~ Ein anstaendiges Leben” stellt der Leitartikel des “Standard” die Frage, ob eine Familie von Fuenf, das ist philippinischer Durchschnitt, mit 10 Tsd Peso monatlich ueber die Runden kommt, wie irgendwer behauptet haben soll. Ich will nicht vergleichen, was ich im Monat habe. Ich bin hier kein Durchschnitt, meine Leser sicher auch nicht. Mir stellt sich aber stets die Frage der Uebersetzung. Der “Pons” und der Google-Translator uebersetzen “decent ~ anstaendig”. Nach Merriam-Websters “Collegiate Dictionary” koennte man auch “decent ~ bescheiden” uebersetzen. Allerdings kommen mir 333 Peso pro Tag fuer eine Familie von Fuenf als “arg bescheiden” vor.

Nein, ich komme nicht vom Thema ab. In der Bevoelkerungsgruppe “D” von “Pulse Asia” – das sind wohl die mit 10 Tsd Peso monatlich (*) – stieg die Zustimmung zu Dutertes Politik von 78 auf 88 Prozent. Worauf ich hinaus will ist, dass diese Zahl nach Region, Einkommen, Beruf, Religion und momentaner Stimmung stark variiert und daher, wenn sie landesweit zusammen geworfen und als Durchschnitt verkauft wird, nichts mehr aussagt.

Ich habe das neulich schon mal zur Klima-Debatte thematisiert: man kommt irgendwie zu einer Zahl, doch der sieht man nicht mehr an, wie man darauf gekommen ist. Und genau deshalb kann man sie auch so oder so interpretieren, je nachdem, welche Haltung man selbst zu Duterte hat. Die einen finden das toll, die anderen wenden sich angewidert ab – ist halt wieder Alltag in den Philippinen.

* (Ich konnte bei “Pulse Asia” keinen Hinweis finden, wie deren Bevoelkerungs-Gruppen von A bis E aufgeschluesselt werden. Ich nehme an nach Einkommen, und E sind wohl die, die gar nichts haben. Wenn jemand da Genaues weisz, waere ich fuer einen Hinweis dankbar, aber nur wenn er eine Quelle dazu benennen kann.)

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.