…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 16. Juni 2019

(zum Bild: Die philippinischen Fischer sind zurück in Mindoro nach dem Zwischenfall mit den Chinesen)

 

Rody the Great”… – …so titulierte Sara Duterte Carpio, Buergermeisterin von Davao, ihren Vater, Praesident Rodrigo Roa Duterte, in ihren Grueszen – “Happy Father’s Day” – zum heutigen Vatertag. Sie bezog sich auf den ersten Enkel ihres Bruders Paolo Duterte, was Duterte zum Ur-Groszvater macht, englisch eben “great-grandfather”. Der aeuszerte sich selbst dazu in seiner Rede kuerzlich in GenSan allerdings weniger “happy” gestimmt:

Ehrlich gesagt, wenn Sie der Praesident einer Nation wie dieser waeren, waeren Sie versucht, sich zu erhaengen, weil es so viele Probleme gibt. Ehrlich gesagt hat unser Krieg mit der NPA [New People’s Army] fast drei Generationen gekostet. Dreiundfuenfzig Jahre. Diejenigen, die damals geboren wurden, haben jetzt Kinder, und ihre Kinder haben eigene Kinder.

Mein Enkel hat jetzt ein Kind. Und die Partnerin eines anderen Enkels ist schwanger. Ich weisz allerdings nicht, ob er das Maedchen geheiratet hat. [Gelaechter] Aber ich habe jetzt einen Urenkel. Meine ersten Enkelkinder sind Maranao und Tausug. Und dann ist der Partner meines Enkels eine Maguindanao, Matalam ist der Maedchenname seiner Frau.

Also bin ich komplett. Ich habe eine Bisaya, mein Vater ist Chinese. Meine Groszmutter ist Maranao. Pulongs Schwiegermutter ist eine Maranao und sein Schwiegervater ist ein Tausug. Und jetzt haben wir ein Maranao. Meine Frau ist Deutsche, aber ich habe sie verlassen. Ich konnte es nicht mehr ertragen. [Gelaechter] Oder vielleicht war sie diejenige, die mich verlassen hat. Was von beiden ist richtig? Vielleicht derjenige,  der zuerst die Treppe hinuntergegangen ist.

Wie auch immer – Happy Father’s Day an alle Vaeter unter den Lesern.

 



 

Faule Ausrede – Interessant ist, dass seitens der chinesischen Botschaft zugegeben wurde, dass ein Fischerboot unter chinesischer Flagge an der Versenkung der “Gimver 1” beteiligt war. Dass die Chinesen von philippinischen Fischern bedroht werden koennten, haetten sie geholfen und sich so davon machten, kann jedoch kaum das Ergebnis der von Botschafter Zhao Jianhua zugesagten “ernsthaften und umsichtigen” Untersuchung sein. Ich halte das eher fuer einen Test, ob Praesident Duterte jeden Scheisz glaubt, der ihm von chinesischer Seite erzaehlt wird.

So finde ich es gut, wie auch der Leitartikel der “Times” heute, dass Duterte sich dazu erstmal nicht aeuszert, bevor auf diplomatischem Weg die Protestnote von Auszen-Minister Teodoro Locsin beantwortet wird. Manche halten es ja fuer die wirklich wahre Welt, was sich da im Twitter-Gewitter jeweils entlaedt, wenn dies oder das passiert. Es ist und bleibt aber nur eine atmosphaerische Stoerung, die die offizielle Anwort nicht ersetzen kann.

Und hier glaube ich, dass man sich ueber “Unfall” oder “Absicht” kaum einigen wird, doch hoffe ich, China sieht ein, dass “unterlassene Hilfeleistung” zu ahnden ist. Da waren keine anderen philippinischen Fischer auch nur in der Naehe, denn sonst haetten die der “Gimver 1” geholfen, und die haette nicht eine Stunde auf die Vietnamesen warten muessen. Die “vorgebliche Angst” der chinesischen Fischer ist nichts als eine faule Ausrede.

Beunruhigend ist in der Angelegenheit, wie die USA sich da ins Gespraech bringen. Zwar meint Locsin, dass die sich heraushalten (fence-sitting), doch scheint das unter US-Praesident Donald Trump anders zu werden. So nimmt sich die Erklaerung des US-Botschafters Sung Kim seltsam aus, wenn er US-Auszen-Minister Mike Pompeo zitiert und sagt, “jeder bewaffnete Angriff auf philippinische Schiffe, philippinische Flugzeuge setzt unsere Verpflichtungen aus dem Mutual Defense Treaty [MDT] in Kraft.” Bisher galt das in Verlautbarungen immer nur fuer das Land, also im Falle der Invasion. Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana wollte deshalb den MDT mit den Amerikanern nachverhandeln. Man kam davon aber ab, da die “Unschaerfe” des Vertrages andererseits ja Raum fuer Interpretation laesst. Wird der MDT unter Donald Trump anders interpretiert als unter Barack Obama, der Benigno Aquino bei Scarborough Shoal ja hat sitzen lassen? Dass die USA China mit allen Mitteln klein halten wollen, ist klar wie Kloszbruehe, aber – mit “allen Mitteln”? Das waere nicht gut fuer die Philippinen. Dass auf chinesischen Fischerbooten bewaffnete Militia eingesetzt wird, haelt sich seltsamerweise schon laenger in den Nachrichten. Arbeitet man da bereits am Hintergrund eines moeglichen Eingreifens?

Saysay sa adlaw – Abi nimo buang ko? 

abi annehmen, glauben, nimo ~ kanimo Dat./Akk. von ikaw du, buang bloed, bescheuert, ko ~ ako ich

Satz des Tages – Glaubst du, ich bin bloed?

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “PhilStar”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.