…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 19. Januar 2020

(zum Bild: Großes Theater auf der politischen Bühne)

 

Ich bin nicht allein – Manchmal beschleicht mich das Gefuehl, ob ich mich mit diesem und jenem nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt habe, oder, um ein anderes Bild ins Spiel zu bringen, ob ich nicht die Floehe husten hoere. So ging mir das gestern mit der einleitenden Frage, ob Duterte tot sei, um anschlieszend ueber das verfruehte “Duterte Legacy” herzuziehen.

Heute lese ich im “Bulletin”, dass ich mit meiner Meinung nicht allein bin. Senator Panfilo Lacson haelt es fuer verfrueht, zur halben Amtszeit von Praesident Rodrigo Roa Duterte sein Vermaechtnis zu propagieren: “Es sind erst drei Jahre vergangen, und so ist es vielleicht noch zu frueh fuer ein ‘Legat’. Praesentationen des Vermaechtnisses sollten fruehestens im fuenften Jahr der Amtszeit stattfinden. Es ist zu frueh, es kann noch ein ganze Menge passieren in den verbleibenden drei Jahren.

Das beruhigt mich: “Maraming salamat, Sir!

Theater-Kritik – Der “Tribune” ist ein Anti-Yellow-Blatt, und das haelt sich nach dem kuerzlichen Tod der Gruenderin, Ninez Cacho-Olivares, die bis zum letzten Lebenstag ihre Kolumne gegen die Liberalen, gegen die Duterte-Opposition geschrieben hat.

Man muss das bei einer Zeitung im Auge haben, wenn sie politisch “fixiert” ist, und so war ich auch vorsichtig mit den Berichten des “Tribune” ueber den Rueckzug des Anwalts Jude Sabio, der seine “Kommunikation” beim ICC (International Criminal Court) vom April 2017 wegen fortgesetzter Massenmorde des Praesidenten Duterte zurueckzog. Die groszen Manila-Blaetter – “Times”, “Bulletin”, “Standard” – griffen das Thema nicht auf.

Heute finde ich zwar keinen Artikel, doch immerhin eine Karikatur in der “Times”, die an der Pier im Hafen das Motorschiff “MV ICC” zeigt, das Anwalt Jude Sabio mit dem Aktenkoffer in der Hand ueber die Gangway grad verlaesst – “Count me out! ~ Ohne mich!” – und auf dem Schiff schauen ihm nach eine Fatouh Bensouda, Anklaegerin beim ICC, und mit zornesroter Stirn Antonio Trillanes, Strippenzieher in dem Theater-Coup gegen Duterte.

Ich sage “Theater-Coup”, denn auch heute sind wieder zwei Leitartikel im “Tribune”, die sich unter der Ueberschrift “Demonization relay race” und “Trillanes’ triple treachery” mit den Machenschaften der Opposition hierzulande und weltweit damit befassen, wie zwanghaft versucht wird, Duterte aus dem Amt des Praesidenten zu entfernen.

Gegeben wird “Sic semper tyrannis!”, was man frei mit “Tod den Tyrannen!” uebersetzen kann, und es wurde geschrieben in Anlehnung an die Tat des John Wilkes Booth, der eben dies rief, nachdem er 1865 den US-Praesidenten Abraham Lincoln bei einer Theater-Auffuehrung im Peterson House in Washington, D. C., erschossen hatte.

Dramatis Personae:

Leila de Lima – die vergewaltigte Unschuld im Kerker des boesen Tyrannen Rodrigo

Leni Robredo – die rechtmaeszige Herrscherin, die um das Erbe des Amtes betrogen wurde

Maria Ressa – die blinde Seherin, die dem Tyrannen die Wahrheit ins Gesicht schleudert

Antonio Trillanes – der weisze Ritter, der “against all odds” den Widerstand gegen den Tyrannen fuehrt

Jude Sabio – der verraeterische Anwalt, vom Tyrannen bestochen vernichtet er alle Beweise

Finanziert wurde das Stueck von Geldgebern, die die Wahl in den USA im November diesen Jahres im Auge haben, wo sie US-Praesident Donald Trump stuerzen wollen. Das bringen sie in der Provinz, Philippinen, vorab auf die Buehne, um dem Stueck den letzten Schliff zu geben, bevor man an den Broadway geht und richtig Geld macht.

Spasz beiseite!

Ich kann diese Daemonisierung Dutertes und die verkrampften Bemuehungen der Opposition – die geplatzte EJK-Untersuchung von Leila de Lima im Senat, die gescheiterte Amtsenthebungs von Gary Alejano im Haus, das “palit ulo”-Video von Leni Robredo fuer die UN, die in den Sand gesetzte Klage des Jude Sabio beim ICC, die ausgewiesene Polit-Nonne Patricia Fox, das “Narco-List”-Video eines alias “Bikoy”, die Abfuhr der “Otso diretso” bei der Wahl 2019  – einfach nicht mehr ernst nehmen.

Tut mir Leid. Als Demokrat sollte einem die Stimme der Opposition wert sein, gehoert zu werden. Aber wenn man von dort nur die “Moritat von Mackie Messer” aus Bertolt Brechts “Dreigroschenoper” umgeschrieben auf “extra judicial killings” hoert, dann stumpft das ab.

Das alles ist ein einziges groszes Theater, und fuer das gilt die letzte Strophe der erwaehnten “Moritat”: “Denn die einen sind im Dunkeln | Und die andern sind im Licht | Und man siehet die im Lichte | Die im Dunkeln sieht man nicht.

Ich wuensche einen schoenen Sonntag und hoffentlich bleibt der Taal ruhig.

 



 

Gemaesz “Manila Bulletin”, “Manila Times”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht