…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Gründonnerstag, den 18. April 2019

(zum Bild: Ottobock Prothesen für philippinische Soldaten)

 

Der Aufmacher… – …der “Times“ befasst sich mit der Drohung des Praesidenten, die Verantwortlichen fuer die Wasserknappheit in Manila zu feuern. Fuer den “Standard” ist wichtig, dass die Philippinen China fuer ihr Eindringen in philippinische Gewaesser heruntermachen. Das “Bulletin” zitiert das Oberste Gericht, dass Berichte ueber Polizei-Einsaetze nicht die nationale Sicherheit beruehren – darueber weiter unten mehr. Der “Tribune” befasst sich mit ollen Kamellen, dass Benigno Aquino und Mar Roxas bei Mamasapano nur geschwaetzt haben ohne etwas zu tun. “PhilStar” reitet weiter auf dem Haushalt herum und will wissen, wo die Gelder sind, die die Senatoren dort als “lump sums” versteckt haben. Die Regierung hat gestern Mittag die Rollaeden runtergelassen, und im Fernsehen wird ueber die Voelkerwanderung berichtet, die Manila verlaesst und versucht, die Osterfeiertage mit ihren Familien in der Provinz zu verbringen.

Business as usual” koennte man sagen, doch manchmal stolpert man ueber…

 



 

…Unerwartetes – Das fand ich unter den Nachrichten, die ich mit halbem Auge betrachte, wie gestern die “News Night” mit Pia Hontiveros bei “CNNPhil”. Dort kam ein Bericht zu zwei Soldaten, die bei Marawi beide Beine verloren hatten. Ich weisz, das ist ungerecht gegenueber denen, die ihr Leben fuer die Nation eingesetzt haben, aber die Uebungen und das Lauftraining an Haltebarren fand ich nicht spannend, und so war ich ziemlich unaufmerksam. Das aenderte sich, als ich hoerte, dass die high-tech-Prothesen, in deren Gebrauch die Soldaten geuebt wurden, von Ottobock stammen. Das klang deutsch, und ich ging dem Namen nach.

Die Nachricht ist schon zwei Wochen alt. Am 1. April meldete das “Bulletin” unter der Ueberschrift “Two Marawi heroes receive state-of-the-art prostheses”, dass die Sergeanten Michael M. Dela Vega, 41, und Renato Q. Eucognco, 32, unter den 17 amputierten Soldaten waren, die am 29. Maerz in Fort Bonifacio, Taguig City, ihre Prothesen erhalten haetten. Die lieferte Ottobock Philippine, Ableger des deutschen Medizintechnik-Konzerns, bezahlt von Fonds, die das Office of the President bereitgestellt hatte.

Weiterbohrend fand ich eine Meldung von “CNNPhil” vom August 2018, dass Praesident Duterte an die Decke ging, als er vom Betrug in der Versorgung von V. Luna Medical Center mit medizinischem Geraet fuer Verletzte aus dem Kampf um Marawi hoerte. Stabschef Carlito Galvez meldete damals: “Wir sahen die Preise der Prothesen. Da gibt es eine Anschuldigung, dass die bei Ottobock nur 330 Tsd Peso kosten. Der Preis des Lieferanten von V. Luna war 1,4 Mio Peso.

Ich kannte Ottobock nicht, und finde eine Meldung der “FAZ” vom 14. April, dass der “Weltmarktfuehrer fuer Orthopaedietechnik” nicht nur Behinderten hilft, sondern mit Exo-Skeletten nun auch in die Industrie geht. “Exoskelette werden von auszen an den Koerper angelegt und dienen Querschnittsgelaehmten als Hilfe im Alltag, in der Industrieproduktion koennen sie koerperlich anstrengende Taetigkeiten unterstuetzen.” Ottobock ist ein Medizintechnik-Konzern mit 7 Tsd Beschaeftigten und 1 Mrd Euro Umsatz und stammt aus Duderstadt bei Goettingen.

Ist eigentlich nicht mein Thema, nur ueber Duterte, seine Fonds fuer die Helden von Marawi und die Korruption wurde es das dann doch. Und es tut mir Leid, dass ich der Nachricht erst nachgegangen bin, als eine deutsche Firma genannt wurde. Wer den Kampf um Marawi gebannt verfolgt hat, sollte nicht wegschauen, wenn es um die Folgen geht. Zum Wiederaufbau von Marawi ist die letzte Meldung von “PNA” 3 Wochen alt. Da heiszt es, bis August werden nicht-explodierte Sprengmittel geraeumt sein. Man hofft, “dass bis Dezember 2021 der Wiederaufbau von Marawi fast komplett sein soll.” Was heiszt “fast”? Letzten Sonntag wurde im Main bei Frankfurt eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg gesprengt. Der Krieg war ein Jahr vor meiner Geburt beendet, und ich bin heuer in meinem 73sten Lebensjahr.

 



 

Die Muehlen der Justiz… – …arbeiten bekanntlich langsam, aber gruendlich. Am 5. Dezember 2017 hatte Praesident Rodrigo Roa Duterte CPP/NPA (Communist Party of the Philippines/New People’s Army) zu terroristischen Vereinigungen erklaert. Das ist gut und schoen, aber leider unverbindlich, und deshalb gab er Anweisung an Justiz-Minister Vitaliano Aguirre, eine entsprechende Petition bei Gericht einzureichen. Der erklaerte gegen Ende des Jahres 2017, das zu tun, tat es aber erst am 21. Februar 2018. Das Gericht in Manila strich aus der langen Liste angeblicher Terroristen mehr als 600 Namen und wollte Naeheres zu den verbliebenen Damen und Herren wissen.

Nun meldet “PNA”, dass Justiz-Minister Menardo Guevarra – er folgte Aguirre im April 2018 im Amt – Fortschritte im Bemuehen der Staatsanwaelte sieht, CPP/NPA zur terroristischen Vereinigung zu erklaeren. Am 1. Februar wies das Distrikts-Gericht Manila das DOJ (Department of Justice) an, den bekannten Fuehrern der Organisation, Jose Maria Sison und Antonio Cabanatan, die Petition zur Stellungnahme zuzustellen. Neben den beiden muessen ebenfalls Stellung nehmen Jorge Madlos, Jaime Padilla, Francisco Fernandez, Coefe Lagapon, Leonido Nabong und Myrna Solarte.

Die Meldung sagte nicht, wann die Stellungnahmen eingehen muessen, aber man kann beruhigt sein: es geht weiter. CPP/NPA wurde in den USA, der EU, UK, Australien, Kanada und Neu Seeland laengst zur terroristischen Vereinigung erklaert.

 



 

Dreck am Stecken – Anfang April forderte das Oberste Gericht den General Staatsanwalt Jose Calida auf, Dokumente zum Drogenkrieg herauszugeben, insbesondere die Polizei-Berichte zu den 3.800 Toten bei Einsaetzen zwischen 1. Juli 2016 und 30. November 2017 – mit Kopie fuer die klagenden Menschenrechts-Gruppen Center Law und Free Legal Assistance Group, welche Angehoerige der Opfer vertreten. Das hatte Calida nun auch getan – jedoch nur teilweise, wie “PhilStar” berichtet. Er hatte die entsprechenden Dokumente in zwei Kategorien geteilt. Die 1. Kategorie betraf alle Namen und Operationen des Zeitraumes, die 2. nur die der Faelle, die von den Klaegern zitiert wurden, und nur die gab er auch heraus. Er zierte sich schon lange damit, vorgeblich wegen der nationalen Sicherheit.

Das lehnte das Oberste Gericht ab und begruendet: “Es ist schlicht laecherlich zu behaupten, dass diese Informationen und Dokumente zu Polizei-Operationen gegen Drogen-Pusher und -User Angelegenheiten nationaler Sicherheit involvieren.” Und es setzt eins drauf, als es erklaert: “Die fortgesetzte Weigerung des General Staatsanwalts, den Forderungen des Gerichtshofes zu genuegen, bringen den Hof zu der Annahme, dass diese Informationen und Dokumente, da sie willentlich vorenthalten werden, der Petition des General Staatsanwalts widersprechen.

Ein wenig erinnert mich das an den US-General Staatsanwalt William Barr, der den Mueller-Report nicht unredigiert herausgeben will. Klar vermutet nun jeder, dass darin Unguenstiges fuer US-Praesident Donald Trump steht. Die Weigerung Calidas hier laesst vermuten, dass die PNP (Philippine National Police) im Drogenkrieg mehr Dreck am Stecken hat, als in exemplarischen Faellen – Mord an Kian delos Santos – bekannt geworden ist. Man sollte da nicht zu blauaeugig sein. Ich erinnere Dutertes Schaetzung, dass 40% der PNP Gauner seien, und nicht umsonst hat er ihnen die Federfuehrung im Drogenkrieg abgenommen und der PDEA (Philippine Drug Enforcement Agency) uebertragen.

Dazu passt eine Meldung von “PNA”, dass nun gegen den gefeuerten Senior Super-Intendent Eduardo Acierto, den frueheren Direktor der PDEA Ismael Fajardo und den Zoll-Sicherheits-Offizier Jimmy Guban Klage erhoben wird wegen des Schmuggels von 300 kg Shabu in magnetischen Hebern – faule Eier gibt es ueberall. Die Senats-Untersuchung zu dem Fall unter Vorsitz von Richard Gordon war 2017 live im TV zu verfolgen.

Saysay sa adlaw – Pagpamusil padayon, pulis walay mahimo? 

pusil Feuerwaffe + pagpa… bildet Substantiv verschliffen zu pagpamusil Schieszerei, Erschieszen, dayon bald, gleich + pa… G/V padayon geht weiter, pulis Polizei, walay ~ wala ang kein, nicht + best. Art., himo tun, machen + ma… Z/M mahimo wird, kann machen

Satz des Tages – Das Erschieszen geht weiter, tut die Polizei nichts?

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Standard”, “Daily Tribune”,  “CNNPhil”, “Frankfurter Allgemeine”, “Manila Bulletin”, “Philippine News Agency”, “The Philippine Star” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.