…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 14. April 2019

(zum Bild: Eine philippinische Planung für die Insel Pagasa)

 

Diener zweier Herren – Der Titel ist vergeben, ich weisz. Es ist ein Buehnenstueck von Carlo Goldoni, das 1746 in Mailand uraufgefuehrt wurde. Der Inhalt ist hier nicht von Interesse, man sollte nur im Hinterkopf haben, dass es eine Komoedie ist.

In der “South China Morning Post” erschien gestern ein Artikel zur Blockade von Pag-asa (chin. Name: Thitu) Island durch ueber 200 chinesische Boote. Das war hier lang genug in Presse und TV, dass ich darauf nicht eingehen muss. Interessant an dem Artikel von Zhenhua Lu ist, dass er schlicht und einfach feststellt, dass diese Boote nicht nur Fischer, sondern auch Coast Guard sind, deren Zweck sei, die Philippinen zu hindern, Pag-asa auszubauen, weil es dann einen Stuetzpunkt fuer US-Militaer abgeben koenne.

Die Diskussion, wem was gehoert, ist uninteressant. Es geht um die Vorherrschaft in der South China Sea, die China als seine Domaene betrachtet. Dort gestattet China den USA oder dessen Alliierten keinen Schachzug, der denen einen Vorteil verschaffen koennte. Philippinische Fischer, okay, militaerischer Ausbau von Pag-asa – die Landebahn ist defekt und muss repariert werden – no way.

Praesident Rodrigo Roa Duterte findet sich da in der Rolle des Dieners in der Komoedie: der eine ist sein militaerischer Verbuendeter, der andere sein finanzieller Sponsor. Mit keinem der beiden will er es sich verderben, doch kann er auch keinen zufrieden stellen, weil beide geo-politische Hintergedanken haben. Da kann er nur eine komische Figur machen.

 



 

Hilfreich ist da nicht, dass man nun den Spruch des staendigen Schiedshofes in Den Haag vom Juli 2016 aus der Schublade holt, in der Duterte ihn verstaut hatte, um mit China ins Gespraech zukommen. China hat den Schiedshof nicht anerkannt, sie sind nicht dort aufgetreten, weil der Quatsch sie nicht interessiert. Ein Schiedsspruch macht Sinn, wenn sich Parteien ueber den Schiedsmann einigen und ihren Streit seinem Spruch unterwerfen. China war nicht da, also ist der Spruch Altpapier.

Der staendige Schiedshof in Den Haag ist kein Gericht, hinter welchem ein “law enforcement ~ Strafverfolgung” steht, und da gilt nun einmal: Recht ohne Macht wird verlacht. Es gibt keine Welt-Polizei. Als solche koennte man den UN-Sicherheitsrat ansehen, in dem die Groszmaechte das Sagen haben. Nur ist es so, dass China eines der fuenf staendigen Mitglieder ist und damit ein Veto-Recht fuer Beschluesse hat.

Die Philippinen werden damit leben muessen, was China ihnen von der South China Sea wie zu nutzen gestatten, und dabei kommen die USA nicht vor. Der Artikel schlieszt mit einem Zitat von Shen Dingli, Professor fuer Internationale Beziehungen in Shanghai, der meint: “Kein Konflikt zwischen China und den Philippinen gibt den USA einen Platz [da involviert zu sein].

 



 

Recht und Moral – Es ist derselbe Konflikt, nur auf einer persoenlichen Ebene angesiedelt, in dem sich die wegen des Verdachts auf Verwicklung in den Drogenhandel inhaftierte Senatorin Leila de Lima zu Wort meldet. US-Senatoren hatten ihre Freilassung gefordert, und philippinische Senatoren hatten diese Einmischung in innere Angelegenheiten zurueck gewiesen. Ich schrieb darueber bereits, muss nicht noch breiter getreten werden.

De Lima beklagt nun die Blindheit ihrer Kollegen gegenueber einer weltweiten Uebereinstimmung: “Mit vielen anderen angesehenen Organisationen… die mir dauernd beistehen, ist es nicht vermessen zu behaupten, dass es einen globalen Konsens zur Ungerechtigkeit meiner Situation gibt, etwas, was dem Blick einiger meiner eigenen Kollegen im Philippinischen Senat entgangen ist.

Das mag schon sein, dass die nicht de Limas auf ihre eigenen Probleme geschaerften Blick haben, doch wer oder was soll dieser “globale Konsens” sein? In der Verfassung von 1987 kommt er nicht vor, und ich nehme einfach mal an auch in keinem philippinischen Gesetzbuch. Das sollte die studierte Juristin – wie Duterte auch Absolventin der San Beda Law School – eigentlich wissen. Die vom Gelben Kult angefuetterte internationale Presse mag da durchaus ihrer Meinung sein – grad gestern schrieb ich dazu, wie auch schon oefter zuvor – doch der “globale Konsens” ist kein Gericht, das etwas zu sagen haette.

 



 

Der Staat hat das Gewalt-Monopol, und das gruendet auf geltendem Recht, nicht auf “globalem Konsens”. Moral ist ein Lebens-Ergaenzungsmittel zur Steigerung des persoenlichen Wohlgefuehls. Ein klassisches Beispiel ist der “Trost der Philosophie” von Boethius, verfasst im Gefaengnis, wohin er unter Theoderich durch eine Anklage eines gewissen Cyprian kam, der Zeugen gegen ihn gekauft hatte. Das Werk schlieszt mit der Aufforderung, das Gute zu waehlen, denn jedem ist “…die dringende Notwendigkeit zur Rechtschaffenheit auferlegt worden; denn ihr lebt vor den Augen eines alles wahrnehmenden Richters.

Geholfen hat der Klassiker nicht, Boethius wurde 524 hingerichtet, und ob es de Lima gefaellt oder nicht, sie muss sich mit den Gesetzen dieses Landes zufrieden geben. Und das gilt auch fuer alle anderen – Klimapaniker, Menschenrechtler, Kommunisten oder Prediger welcher Religion auch immer – man kann sich das zur Moral setzen, sofern es nicht gegen geltendes Recht verstoeszt, aber Moral kann Recht nicht ersetzen.

Saysay sa adlaw – Ang katarong modaog gyod sa dautan. 

ang best. Art., tarong richtig, recht + ka… bildet Subst. katarong Recht, daog gewinnen + mo… Z/M modaog wird gewinnen, gyod ~ gayodwirklich, sicher, sa ueber, daut kaputt, nicht in Ordnung + …an bildet Subst, dautan Boeses, Schaedliches

Satz des Tages – Das Recht wird über das Boese siegen.

 



 

Gemaesz “South China Morning Post”, “Manila Times”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.