…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 06. August 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte und die CPP-NPA)

 

Leser-Reaktion – Auf meinen Beitrag zum Treiben der NPA (New People’s Army) in Negros hin meint ein Leser: “Der NPA muss man den finanziellen Nachschub abstellen, wo es nur geht.

Das ist nicht so einfach.

Am 6. Februar 2017 folgte ich der Kolumne von Rigoberto Tiglao, dass der Sinneswandel von Praesident Duterte, was Friedensgespraeche mit Kommunisten angeht, vielleicht zurueckgeht auf den Ueberfall von 30 NPA-Terroristen am 29. Januar 2017 auf das Sicherheits-Hauptquartier des Pico de Loro Resort, das Henry Sy gehoert, Besitzer der SM-Malls. Die Terroristen entwaffneten die Sicherheits-Mitarbeiter und entwendeten Schrotgewehre, M16-Gewehre, Pistolen sowie Laptops, Funkgeraete und Handies. Der Ueberfall wurde kaum berichtet, weil Sy die Polizei bat, die Sache nicht publik zu machen, und seine PR-Abteilung sorgte dafuer, dass nichts an die groszen Blaetter durchsickerte. Der Ueberfall sollte eine Warnung an Sy sein, monatlich 500 Tsd Peso “Revolutionssteuer” zu zahlen, und er will nicht, dass das bekannt wird, weil das potentielle Kaeufer der Anwesen in dem Resort verschrecken koennte. Fragt sich, was zahlen andere Resort-Besitzer fuer Ruhe und Frieden in ihrer Anlage? Oder die Bau-Unternehmer und Bus-Betriebe, deren Fahrzeuge nicht abgefackelt wurden?

Am 20. Februar 2017 schrieb ich in meinem Blog, dass die NPA dort am staerksten ist, wo Bergbau-Unternehmen ihren Raubbau treiben, die Umwelt vergiften, ihr Geld ins Ausland schaffen und – wie Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne schreibt – an die NPA: “…die Bergbau-Unternehmen sind der groeszte Geldgeber der NPA geworden. Es ist kein Zufall dass Abbau-Gebiete wie Surigao, Northern Samar und Compostela Valley in Davao die Haupt-Guerilla Fronten der NPA sind, wo sie sogar zur Kompanie-Staerke anwachsen konnten.

Am 12. Januar 2018 schrieb ich in meinem Blog Rigoberto Tiglao folgend, dass gemaesz einer Quelle in der Regierung PLDT-Smart und Globe-Telecom, die groeszten Geldgeber fuer CPP (Communist Party of the Philippines) und ihre Terror-Truppe NPA sind. Die Firmen haben gegenueber NPA kapituliert und zahlen lieber “Revolutionssteuer” statt die von ihren landesweit 20 Tsd Sende-Masten zu reparieren, die die NPA sonst wegbombt. Bewaffnete Sicherheits-Posten an die 20 Tsd Masten zu stellen, wuerde sie teurer kommen. Nach der Quelle sollen jaehrlich um 3 Mrd Peso an CPP-NPA gehen. Ein General der Armee soll gesagt haben: “Es ist schwer optimistisch zu sein, dass die Duterte-Regierung die terroristische NPA zerstoeren kann, wenn die weiter ueber derart riesige Geldmittel verfuegt.

 



 

Eine Studie des Philippine Institute of Development Studies von 2006 zu dem Konflikt mit der NPA in der Bicol-Region kam zu Werten zwischen 50 und 200 Tsd Peso jaehrliche Steuer pro Sende-Mast und zu 500 Tsd fuer Installation eines neuen Masten. Hochgerechnet auf das Land waren das 2 Mrd Peso. Es scheint da eine symbiotische Beziehung von Telekom-Firmen und NPA zu geben. Eine Quelle des Militaers zur NPA: “Ob sie ihre Lager nahe den Sende-Masten bauen, oder die Telcos ihre Sende-Masten auf deren Nachfrage nahe den Lagern einrichten, koennen wir nicht sagen, aber groeszere NPA-Lager haben ueblicherweise starke Mobil-Signale, weil ihre Kommandeure auf Mobil-Telefone angewiesen sind und oft das Internet nutzen.

Am 6. Maerz 2019 schrieb ich in meinem Blog, dass philippinische Offizielle in Gespraechen EU-Laender aufmerksam machten, dass die CPP mit Geldern aus Belgien und der EU ueber Tarn-Organsisationen gesponsort wird, die Spenden fuer Vernachlaessigte und Arme sammeln. Belgien habe da 621 Tsd Euro locker gemacht, und dieses Jahr sollen 1,3 Mio Euro folgen. Zu den Organisationen, die eine Front fuer CPP bilden, zaehlt man die Rural Missionaries in the Philippines, Karapatan, Gabriela, ACT (Alliance of Concerned Teachers), Kilusang Mayo Uno, Anakbayan, League of Filipino Students und Bayan. Die EU versprach ein Audit zu den “Hilfs-Geldern” durchfuehren.

Am 28. Juli 2019 konnte ich in meinem Blog einen Erfolg philippinischer Aufklaerungs-Arbeit melden: Belgien finanziert ab sofort keine kommunistischen Front-Organisationen in den Philippinen mehr.

Ein Erfolg ist immer erfreulich, doch betrachtet man die Finanzierung von CPP-NPA ueber die Zeit, so hat man von wer weisz wievielen Geld-Haehnen grad mal einen zugedreht.

Bis CPP-NPA finanziell ausgehungert ist, wird es eine Weile dauern. So geht es vorerst weiter wie in den letzten 50 Jahren, wozu Duterte in seiner Rede letzten Freitag ankuendigte: “Ich werde Gleiches mit Gleichem (tit for tat) vergelten, das hab ich dem Militaer gesagt. Gebt ihnen, was sie verdient haben.” Darauf antwortet erwartungsgemaesz die NPA am Sonntag: “Die New People’s Army bleibt unberuehrt von Dutertes Drohungen. Die NPA kann sich selbst mit Waffen verteidigen. Das koennen unbewaffnete Landarbeiter, Anwaelte, Menschenrechts-Verteidiger, Mitglieder der Kirche und Zivilisten jedoch nicht. Die NPA muss fuer sie zurueckschlagen.

Inzwischen ist eine Kompanie der SAF (Special Action Force) zur Verstaerkung der Polizei in Negros eingetroffen. Weitere werden folgen, gab am Montag Brigadegeneral Bernard Banac von der PNP (Philippine National Police) bekannt.

Doch ist dies nur eine Seite des Problems. Unter der NPA leiden die Lumad, die indigenen Voelker. Ihre Stammesgebiete sind Rueckzugs-Gebiete der NPA, und in ihren Schulen rekrutierte die ACT, eine der von Belgien einst unterstuetzten Front-Organisationen der CPP, Nachwuchs fuer die NPA, worauf DepEd (Department of Education) die Schulen schloss – wogegen ACT auf der Buehne internationaler Menschenrechts-Gruppen protestiert, man verwehre den Lumad die Ausbildung. Bei einer Tour durch die USA haben die Lumad auch dort darauf aufmerksam gemacht. Hier laesst die Regierung nun fuer 60 Mio Peso Haeuser fuer die Lumad in Davao del Norte bauen. Datu Awing Apuga und Datu Nestor Apas waren mit bei dieser Tour und begrueszen nun das Projekt der Regierung, das besonders jenen hilft, die einst von der NPA angeworben wurden oder wie Apuga frueher selbst ein Kinder-Soldat der NPA waren. Apas warnt: “Wir sollten auf der Hut sein, wir wollen keine Korruption bei diesem Budget. Wir wollen nicht, dass Geld an jene geht, die es nicht verdient haben.

 



 

Die Warnung ist nicht unberechtigt, denn grad lese ich die Schlagzeile des “Tribune” – “IP money missing?” In den Cordilleras muessen einige Fuehrer der IP (Indigenous People) dort Rechenschaft ablegen muessen ueber “verschwundene” 300 Mio Peso, Ausgleichszahlungen von Bergbau-Firmen fuer deren Buddelei in Stammesgebieten. Wo es um Geld geht, geht es immer auch um Korruption – “keine Feier ohne Geier!

Das ist zwar am anderen Ende der Philippinen, doch auch bei indigenen Voelkern gibt es nicht nur gute Menschen, und auch da wird die NPA zusehen, dass sie weiter ihre Finger im Kuchen hat. Gehen indigene Stammesgebiete fuer sie verloren, haben sie in den Philippinen keinen Platz mehr, wo sie ihre Mord-Kompanien aufbauen koennen. Wie Duterte am Freitag in Richtung NPA und deren Front-Gruppen sagte, “das Land drauszen ist verseucht mit Parasiten wie euch.

Es geht da nicht blosz um eine Moerder-Bande. Das ist eine im Feudalismus gewachsene Struktur, wie Mafia oder Ndrangheta. Die wird man nicht von heute auf morgen los, und vor Duterte hat auch jeder davon die Finger gelassen, bzw. sich “arrangiert”. Duterte hoffte auf Gutwilligkeit, als er in seiner erste SONA (State of the Nation Address) 2016 CPP-NPA anbot, “lasst uns die Jahrzehnte von Hinterhalten und Scharmuetzeln beenden. Das fuehrt zu nichts. Und es wird blutiger von Tag zu Tag.

Allerdings verliesz Duterte sich auf den nominellen Fuehrer der Kommunisten, Jose Maria Sison. Der war mal Dutertes Lehrer fuer Politik, bevor er in den Untergrund ging, um seine Ideen mit der Waffe umzusetzen, sasz unter Marcos im Knast, wo er auch hingehoert. Nur Feudalherrin Cory Aquino, die Land versprach und ihr eigenes behielt, “arrangierte” sich mit Sison, liesz ihn frei, und so lebt er seit 30 Jahren in Utrecht im Exil. Der gab im Mai 2017 in einem Interview denn auch zu: “Niemand in Utrecht hat je behauptet, die revolutionaeren Kraefte und Leute in den Philippinen zu kontrollieren.” Die Unterhaendler Dutertes sprachen in guten Hotels in Europa mit ihm und anderen ueberlebten Groeszen vergangener Zeiten, die nichts zu sagen hatten, waehrend die Warlords vor Ort sich erholten und neue Kraefte sammelten. Prompt meldete ein halbes Jahr spaeter die NPA, dass ein neues Mount Cansermon Command in Negros eingerichtet wurde, das gleich mit Morden von sich Reden machte. In die Zeit faellt auch der Sinneswandel von Praesident Duterte, nach dem Ueberfall der NPA im Januar 2017 auf das Hauptquartier des Pico de Loro Resort von Henry Sy und nach Sisons Interview.

Aus diesem Kardinalfehler seiner Amtszeit hat Praesident Duterte gelernt. Heute redet er anders, und aus seinen Aeuszerungen spricht Verzweiflung und Wut gleichermaszen.

Verzweiflung, weil er weisz, dass er die Gesellschaft aendern muss, denn es sind die Erfolgreichen, die die NPA unterstuetzen, sonst haetten sie ihre Erfolge nicht erzielen koennen. Kommt er gegen die an?

Und Wut, weil er sich in seinem Kampf allein weisz, denn die einen kritisieren ihn, weil er “boese sein” muss und hauen ihm wahlweise Verfassung oder Menschenrechte um die Ohren, und die anderen unterstuetzen ihn nicht, weil sie sich mit dem Uebel “arrangiert” haben. Kommt er ohne die aus?

Nur die Verlierer sind auf seiner Seite, auch wenn das nominell die Mehrheit der Bevoelkerung ist. Verkehrte Welt, aber – “naa ta sa Pilipinas!

Saysay sa adlaw – Naa ta sa Pilipinas!

naa ~ anaa es gibt, da sein, ta ~ kita wir inkl., sa in

Satz des Tages – Wir sind in den Philippinen!

 



 

Gemaesz “Inquirer”, “PNA”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht

Ein Gedanke zu „…aus der philippinischen Presse

  • August 7, 2019 um 16:04
    Permalink

    Hallo,
    ich schaute früher regelmässig Beiträge in den Philippinen-Nachrichten. Seit einigen Monaten ist es aber so unübersichtlich geworden, dass mir der Spass am lesen auf dieser Homepage verleidet ist.
    –> zu viel Werbung, unübersichtlich, keine klare Struktur
    schade!

    Mit freundlichen Grüssen
    Walter Strahm

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