…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 06. April 2019

(zum Bild: Ein hinsichtlich frustrierte Präsident Duterte)

 

Revolutionary War – Die Drohung von Praesident Rodrigo Roa Duterte, er werde einen “revolutionaeren Krieg” erklaeren, ist seinem ehemaligen Sprecher Harry Roque folgend nicht woertlich, aber Ernst zu nehmen. Der Ausdruck aehnelt der “revolutionaeren Regierung”, die “Cory” Aquino 1986 als Proclamation No. 3 ausrief, um eine neue Verfassung zu schaffen. Was ein “revolutionaerer Krieg” sein soll, ist erstmal unklar. Duterte drohte damit am Donnerstag Abend in Puerto Princessa, Palawan, als er vor dem Verband der Staatsanwaelte sprach.

Namentlich nannte er Senator Franklin Drilon, der ihn mahnte, bei der von Duterte angekuendigten Ueberpruefung aller Regierungs-Vertrage “vorsichtig ~ careful” zu sein. Duterte meinte, er werde den “habeas corpus” aufheben und sie alle verhaften. Der “habeas corpus” garantiert, dass man nicht ohne Haftbefehl eines Richters verhaftet werden kann (auszer auf frischer Tat ertappt). Die Aufhebung ist eine uebliche Masznahme des Kriegsrechts, und so drohte er, die Opposition einfach bis zum Ende seiner Amtszeit einzusperren.

Dieser Ausbruch Dutertes ist reiner Frust.

 



 

Frustriert ist Duterte, dass immer mehr Drogen ins Land kommen, deren sich die Behoerden kaum erwehren koennen.  Sein Ziel, das Land von Drogen zu befreien ist illusorisch, wie ihm wohl langsam selbst daemmert. Das kritisiert Senats-Praesident Vicente Sotto, der meint, man muesse Vorbeugung und Rehabilitation einschlieszen. Sotto uebersieht dabei, dass es diese Masznahmen gibt. Man kann sich freiwillig stellen und wird in Rehabilitation gebracht. Ueberall entstehen Rehabilitations-Zentren. Es ist frustrierend, wenn das uebersehen wird und immer nur Tote gezaehlt werden.

Frustriert ist Duterte, dass der Haushalt 2019 noch nicht verabschiedet ist. Vicente Sotto hat einen Entwurf mit “Unterschrift mit beschraenkter Haftung” vorgelegt, von dem Haus und Senat schon sagen, dass sie vor das Oberste Gericht gehen, wenn er dies unterschreibt ohne dies oder das zu streichen. Die hinterfotzige Idee der “beschraenkten Unterschrift” stammt von Senator Franklin Drilon – und der will ihm nun sagen, er soll “vorsichtig” sein. Doch auch das Haus gibt keine Ruhe und will nachtraegliche Aenderungen des Senats im Haushalt entdeckt haben. Und Senatorin Loren Legarda gibt sich als stumme Sphinx zu dem Dank der Gouverneurin von Antique, Rhodora Cadiao, dass Legarda der Provinz Antique 5 Mrd Peso im Haushalt 2019 zugeschustert haette. Man fragt sich, ob in dem Haushalt neben all dem Pork ueberhaupt noch Gelder fuer legitime Zwecke enthalten sind – wie frustrierend.

Frustriert ist Duterte ueber die Chinesen, die wie die Geier um Pag-asa Island kreisen und die Arbeiten zur Wiederherstellung der Landebahn behindern, was heute die Aufmacher der Blaetter zum Thema haben. Duterte in seiner Rede in Puerto Princessa: “Pag-asa Island gehoert uns. Ich werde ihnen nicht gestatten, Pag-asa Island zu besetzen. Nein, selbstverstaendlich nicht. … Ich will nicht ersuchen oder bitten, sondern ich sag ganz einfach: Haende weg von Pag-asa, weil ich Soldaten dort habe. … Wenn ihr das anfasst, ist das eine andere Geschichte. Dann werde ich meinen Soldaten sagen, sich fuer eine Selbstmord-Mission bereit zu machen.

 



 

Frustriert ist Duterte, dass er von den Amerikanern im Streit um die South China Sea keine Hilfe erwartet, und wenn, dann zu spaet. Die South China Sea ist eine eigene Sache. So glaubt er nicht, dass die Chinesen den Filipinos was tun werden. Es ist Geo-Politik. Die Chinesen wehren sich gegen den amerikanischen Einfluss dort, wie ja auch Rigoberto Tiglao vermutet, dass die Amerikaner durch gezielte Fehlinformation den damaligen Auszen-Minister Albert del Rosario zu dem Standoff bei Scarborough Shoal gebracht haben, aus dem sie politisch Kapital schlagen wollten. Lief nicht ganz so wie gewuenscht, und den Haager Schiedsspruch nimmt auszer der Gelben Opposition hier niemand Ernst: die Chinesen nicht, die Amerikaner nicht und Duterte laesst frustriert die Finger davon.

Den Frust Dutertes kann ich gut nachvollziehen, und dabei gehe ich nicht mal darauf ein, dass er nun mit Attentaten zu rechnen hat und hinter schussfestem Glas sprechen muss, dass man seinem Sohn Paolo wieder mit Drogen kommt – Senator Antonio Trillanes wird wohl zurecht dahinter vermutet, den ich auch hinter neuerlichen Vorwuerfen der Bereicherung gegen die Dutertes vermute: das war sein Thema seit dem Wahlkampf 2016, und warum sollte er sich am Ende seiner Karriere noch um ein neues Thema bemuehen?

Eher amuesant ist in dem Zusammenhang die erklaerte Bereitschaft der Vize-Praesidentin Leni Robredo das Amt des Praesidenten zu uebernehmen, das ihr, wie der Kandidat fuer den Senat Anwalt Romulo Macalintal erlaeutert, automatisch zufaellt, wenn Duterte eine revolutionaere Regierung ausruft. Robredo wird die Erste sein, die verhaftet wird, sollte Duterte Ernst machen, falls sie sich nicht zuvor in die Vereinigten Staaten abgesetzt hat. Da sitzen alle Gelben, die es sich hierzulande verscherzt haben.

All dies verstehe ich, und ich verstehe, dass einem da der Kragen platzen kann, doch was Duterte tun wird, hat nicht unbedingt etwas mit dem zu tun, was er in seinen Reden so raushaut.

Warten wir’s ab.

 



 

Saysay sa adlaw – Kadtong iyang gisulti mao ang nakapalagot nako. 

kadtong ~ kadto nga das, jenes + Verbinder, iyang ~ iya nga Genitiv von siya er + Verbinder, sulti sagen + gi… V/G gisulti hat gesagt, mao das ist, ang best. Art., lagot Wut, Aerger + naka… + pa… koennen, nakapalagot kann aergern, nako ~ kanako Dat/Akk von ako ich

Satz des Tages – Was er gesagt hat, das ist was mich aergern kann.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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