…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 14. Februar 2019

(zum Bild: Maria Ressa nach ihrer Verhaftung)

 

Das Unwichtigste… – …heute mal zuerst: Maria Ressa wurde gestern verhaftet. Laut “Wikipedia” ist Ressa “…eine philippinische Journalistin und Autorin. Sie ist Mitgruenderin, Geschaeftsfuehrerin und Chefredakteurin des Nachrichtenportals Rappler Online und war fast zwei Jahrzehnte lang als leitende Investigativreporterin fuer CNN International in Suedostasien taetig.” Dementsprechend grosz war die kollegiale Aufregung bei “CNNPhil” als ich gestern zur “News Night” den Fernseher einschaltete. Man war mit Kamera und Reporter live dabei, irgendwo in einem Gebaeude, wo Journalisten und Kameraleute herumliefen, und man sah nichts. Im CNN-Studio jedoch machte sich Anchor-Woman Pia-Hontiveros vor lauter Aufregung fast in’s Hoeschen, bis sie erfahren hatte, wer den Haftbefehl unterschrieben hatte. Als sie das dann wusste, sagte sie aber nichts dazu, und mir ist auch unerfindlich, warum sie das so dringlich wissen wollte. Was hatte sie erwartet? Dass Praesident Rodrigo Roa Duterte den Haftbefehl unterschrieben hat? Kann er gar nicht. Haftbefehle werden von einem Richter unterschrieben, nicht vom Chef der Regierung, so ist das nun mal in einem Rechtsstaat – Trennung der Gewalten und so.

 



 

Also, mal ganz unaufgeregt: Das DOJ (Department of Justice) erhob Klage gegen Ressa und Reynaldo Santos wegen eines verleumderischen Artikels, den Santos im Mai 2012 ueber den Geschaeftsmann Wilfredo Keng geschrieben und Ressa im frisch gegruendeten “Rappler” veroeffentlichte. Die Klage basiert auf dem Cybercrime Prevention Act vom September 2012, und eben deshalb erhob Ressa Einspruch, da Gesetze nicht rueckwirkend gelten. Die Klage wurde fallen gelassen, nur um vor einer Woche wieder ausgebuddelt zu werden, denn im Februar 2014 kam ein Update des Artikels nochmal im “Rappler”, und da war es dann ein “Cybercrime”. So sah das Wilfredo Keng, der “Rappler” aufforderte den  verleumderischen Artikel zu entfernen, was die nicht taten, und deshalb hatte Keng 2017 Anzeige erstattet.  So sah das dann auch Richterin Rainalda H. Estacio-Montesa vom Distrikts-Gericht Manila, Branch 46 – damit weisz ich nun, was Hontiveros so dringlich wissen wollte, und mir sagt der Name auch nichts – und unterschrieb einen Haftbefehl. Dass der gestern Abend um 5 zugestellt wurde, kann man als kleine Gemeinheit sehen, denn um 5 machen die Gerichte Feierabend. Sonst haette Ressa vermutlich gestern abend Kaution hinterlegen und nach Hause gehen koennen, was ich fuer den heutigen Vormittag erwarte. Verleumdung ist kein Rauschgifthandel, und ohne besondere Rechts-Kenntnisse nehme ich an, dass man da Kaution hinterlegen kann.

Ganz anders sehen das die Berufs-Aufreger, die darin einen Angriff auf die Presse-Freiheit vermuten, denn schlieszlich ist Ressa eine Duterte-Kritikerin, und das “Time”-Magazin hat sie im Dezember 2018 als eine “Person of the Year” benannt, die sich als “Waechter der Wahrheit” stark gemacht hat. Und Facebook hat sie als Waechterin fuer Fake News engagiert, was eigentlich ganz witzig war. Ressas “Rappler” hat die Luege von den Mordszahlen im Drogenkrieg eigenhaendig verdoppelt, was nach dem Stille Post-Prinzip in der Aufregungs-Presse dann nochmal gedoppelt wurde, sodass die Welt heute die 5 Tsd Toten bei Polizei-Einsaetzen im Drogenkrieg als 20 Tsd Tote verkauft bekommt. Um Fake News zu entdecken haette Maria Ressa eigentlich nur in den Spiegel schauen muessen.

Doch ganz kollegial hat die “Straits Times” heute einen Artikel mit der Ueberschrift “Philippinen verhaften Top-Journalistin und Duterte-Kritikerin Maria Ressa wegen Verleumdung” und eine “Agence France-Press”-Meldung dazu erscheint in der “South China Morning Post” mit aehnlicher Ueberschrift. Ich erwarte, dass sich die Welle der Berufs-Aufregung weltweit fortpflanzt.

 



 

Weniger Beachtung… – …fand dagegen, dass die chinesische Taho-Werferin, die gegen Kaution aus Polizei-Haft kam, umgehend vom BI (Bureau of Immigration) in Gewahrsam genommen wurde. Nicht wegen des Joghurts, da ist ja Kaution hinterlegt, sondern sie sei eine “unerwuenschte Auslaenderin”, die auf ihre Ausweisung wartet. Tja, die Justiz scheint nicht nur eine Muehle zu haben, doch wo ich grad dabei bin…

…da tut mir Leid… – …dass ich gestern davon ausging, der Prozess gegen die Moerder von Jee Ick Joo liesze auf sich warten. Da hab ich einen Aussetzer gehabt, denn der Prozess laeuft seit Mai 2017. Roy Villegas hat seine Aussage vor Gericht, “face to face” mit den Angeklagten gemacht und beeidet. Also: die Justiz laeuft wie geschmiert, und ich nehme alles zurueck, was ich mal gedacht habe.

 



 

Saysay sa adlaw – Gipa-banned na sa Pilipinas ang pangsulod sa mga karneng baboy nga gikan sa Japan gumikan kini sa Classical Swine Fever sa maon nasud. (“Banat”)

Gipa-banned na sa Pilipinas… – engl. ban verbieten mit Vorsilbe gipa Vergangenheit/Gegenwart passiv, banned, ist verboten – na nun, schon – sa Pilipinas in den Philipinen ~ In den Philippinen ist nun verboten…

…ang pangsulod sa… – ang best. Artikel der, die, das (wie engl. the) – sulod innen, herein mit Vorsilbe pang bildet ein Substantiv, Hereinbringen, Einfuhr – sa von ~ …die Einfuhr von…

…mga karneng baboy… – mga bildet den Plural – karneng karne nga, Fleisch + Verbinder – baboy Schwein ~ …Schweinefleisch…

…nga gikan sa Japan… – nga Verbinder – gikan sa her von – Japan ~ …aus Japan…

… gumikan kini sa Classical Swine Fever… – gumikan wegen (gebildet aus gikan von da her) – kini dieses – sa von – engl. Classical Swine Fever, Schweinefieber ~ …wegen des Schweinefiebers…

… sa maong nasud. – sa von – maong mao ngamao es ist + Verbinder – nasud Land, Nation ~ …ist in dem Land.

Satz des Tages – In den Philippinen ist nun die Einfuhr von Schweinefleisch aus Japan verboten wegen des Schweinefiebers in dem Land.

Anmerkung – Visayan hat nur zwei Zeit-Formen fuer Verben. Die eine bezeichnet unterschiedslos Vergangenheit oder Gegenwart, die andere auch ohne Unterschied Zukunft oder Moeglichkeit (Konjunktiv), Genaueres ergibt der Kontext. Man kann das als Unterschied von “wirklich ~ war, ist” und “moeglich ~ kann sein, wird” betrachten, was bezeichnend ist fuer die Denkweise der Visayas. Man unterscheidet nicht feinsinnig – die Vergangenheit ist vorbei, und die Zukunft ist offen, das reicht um mit dem Leben fertig zu werden. Man sollte das bedenken, wenn ein Filipino zusagt, er werde etwas tun – das ist grammatisch immer auch eine blosze Moeglichkeit.

 



 

Gemaesz “Wikipedia”, “PhilStar”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin”, “StraitsTimes”, “SCMP” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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