…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 15. Januar 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte)

 

Das Unbehagen”… – …koennte der Titel eines Polit-Thrillers sein, in welchem es darum geht, dass sich weltweit dieses unbestimmte Gefuehl breit macht, das nicht so genau weisz, warum ihm nicht behaglich ist. Es versucht Symptome aufzuzeigen, die als Ursache herhalten koennten, um dieses Gefuehl in den Griff zu kriegen, sieht aber zugleich, dass das nicht reicht. So war “Populismus” das erste Schlagwort, mit dem man dieses Unbehagen in den Katalog des Bekannten einordnen wollte, mit dem man wie gehabt umgehen kann. Dahinter steckt der Aberglauben, dass, wenn man ein Uebel benannt hat, man damit dann auch fertig wird. Nun kann “Populismus” aber nicht als Argument gegen demokratisch gewaehlte Fuehrer verwendet werden. Das waere ein Widerspruch in sich selbst. Konkrete Beispiele dieses Unbehagens kann man sich selbst aussuchen – Trump, der sich und die USA einmauern will, ein Brexit, den das Volk aber kein Politiker will, die Anti-EU-Stimmung, die sich nicht nur in Deutschland immer breiter macht und – die Philippinen.

Ich habe das gestern in dem Beitrag “Der gelbe Unverstand” angesprochen ohne schon zu wissen, dass Antonio Contreras das Thema heute in seiner Kolumne in “The Manila Times” fortsetzt, in der er nach den “Wurzeln von Praesident Dutertes ‘killer jokes’” forscht – was selbst wieder als Fortsetzung von Yen Makabentas Samstags-Kolumne gesehen werden kann, in welcher der sich fragte, warum Trump so auf dem Wort “wall” beharrt, wie Duterte auf dem Wort “kill”.

Contreras zielt darauf ab, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte immer der Buergermeister geblieben ist, der er in Davao war. Das habe ich schon vor einer Woche geschrieben, dass Duterte kein Intellektueller ist, sondern dass er sich weiter als “Mayor” versteht, so anreden laesst und das Amt des Praesidenten diesem Selbstverstaendnis anpasst. Entsprechend geht er auch mit der Opposition um, und Emil Jurado bedauert im “Manila Standard” heute, dass da kein Oppositions-Fuehrer ist, der entsprechend dagegen haelt.

Ich nehme das mal so, dass wir keinen Praesidenten haben – eine Raupe, die kein Schmetterling werden will – aber eben auch keine Alternative, wer denn den Praesidenten geben koennte. Mir stellt sich da die Frage: ist das eigentlich schlimm?

Dass die Welt ein Dorf sei, geht auf Marshall McLuhan zurueck, der in den fruehen 60ern diese Entwicklung durch die elektronische Vernetzung der Welt kommen sah – man ist elektronisch immer weltweit praesent und dabei. Der Dorfbrunnen, diese Idylle aus vor-industrieller Zeit als Nachrichten-Boerse, ist heute das Internet, und das IPhone ist der Eimer, mit dem man da hingeht um Wasser zu holen. Wie McLuhan schon sagte: “The Medium is the Message.

Nicht die “Message”, das “Medium” aendert Welt. Als ich klein war, gab es in Werries ein Geschaeft, ueber dessen Eingang stand “Kolonialwaren-Laden”. Das war damals schon alt und ueberholt – Deutschland hatte seit dem Ersten Weltkrieg keine Kolonien mehr, und ich wurde nach dem Zweiten Weltkrieg geboren – aber es stand nun mal dort. Heute kann man kein Geraet mehr kaufen, in dem nicht irgendein Teil nicht aus dem jeweiligen Land stammt, in dem man sich gerade aufhaelt. Und das gilt nicht nur fuer IPhones, sondern z.B. auch fuer Klamotten aus Bangladesh. Von daher verbietet sich der Gedanke der Abschottung eines Landes gegen den Rest der Welt. Jeder hat mit jedem zu tun – so ist das nun mal im Dorf. Und was braucht ein Dorf? Richtig, einen Buergermeister!

Nein, es gibt nicht einen fuer alle, das ist zu grosz. Jedes Dorf im Dorf hat seinen Buergermeister. Und immer wenn versucht wird, etwas darueber zu schaffen, bringt das niemanden voran. Es kostet nur immer mehr, weil jede Struktur Nischen entwickelt, die sich – und ihr Gehalt – nur selbst erhalten, und damit das Ganze ineffektiver machen, wie z.B. die UN, oder die EU, oder Human Rights Watch… die Liste kann jeder fuer sich selbst fortsetzen.

Ich hoffe, dass ASEAN es sich verkneift, eine Struktur ueber ihren Staaten werden zu wollen, statt sich zu begnuegen, die Struktur dieser Staaten zu bilden.

Weniger ist oft mehr.

Also: ich hab nichts gegen den “Mayor”, ich find ihn gut, auch wenn man – um im oben genannten Bild zu bleiben von der Raupe, die nicht Schmetterling werden will – hier und da Abstriche machen muss. In der Zoologie ist die Raupe nur Vorstufe der Imago, des geschlechtsreifen Schmetterlings.

Tja, man kann nicht alles haben.

Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.