…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 20. Januar 2019

(zum Bild: Markenzeichen China)

 

Das kleine Philosophicum – Vor einer Woche schrieb ich, dass sich die Welt veraendert, was den Umgang mit Nachrichten angeht.

Die Welt aendert sich aber auch, was Kriege angeht, die nun mit Sanktionen und Zoellen ausgetragen werden. Der Handelskrieg, den US-Praesident Donald Trump gegen China fuehrt, kann als Gefecht der Vorhut betrachtet werden – und ist so auch “eine blosze Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln”, wie Carl von Clausewitz einst in “Vom Kriege” den Krieg definierte, “ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfuellung unseres Willens zu zwingen”.

Nun werden in konventionellen Kriegen Truppen bewegt, um strategische Punkte einzunehmen, von denen aus man den Gegner beherrschen kann. Aber worum geht es in Wirtschaftskriegen? Zoelle sind Geplaenkel, die gegenueber autarken Staaten keine Wirkung haben. Die beste Verteidigung waere demnach Autarkie. So wie die Welt vernetzt ist, nicht nur elektronisch, sondern auch was Herstellung und Verteilung harter Gueter angeht, scheint Autarkie unmoeglich. Doch wenn man “strategische Punkte” einnimmt, hat man wie frueher die Oberhand, oder, da passt der englische Ausdruck besser, die “whip hand”, die Hand, die die Peitsche haelt. Diese “strategischen Punkte” sind Schluessel-Technologien.

So geht es in dem US-China-Handelskrieg gar nicht so sehr um Zoelle auf Stahl und was weisz ich. Das spiegelt nur das Bild von China als Werkbank der Welt, das Trump im Wahlkampf benutzte, um die Arbeiter der Schwer-Industrie hinter sich zu bringen, die ihre Jobs in’s Ausland abwandern sehen. Das ist anschaulich, ueberzeugt schlichte Gemueter, ist aber Bloedsinn, denn die Arbeit holt man nicht wieder zurueck, oder wenigstens nicht in dem Umfang, in dem sie verlustig gegangen ist.

Viel wichtiger sind Schluessel-Technologien, worauf mich ein Artikel in der “South China Morning Post” am Freitag aufmerksam machte mit der Ueberschrift “Wie ‘Made in China 2025’ ein Blitzableiter wurde im Krieg um Chinas Schicksal als Nation”. “Made in China 2025”, kurz MIC2025, ist ein Wirtschafts-Programm, das Praesident Xi Jinping im Jahre 2015 einfuehrte, um Chinas Abhaengigkeit von auslaendischen Technologien zu brechen und mit dem Westen aufzuschlieszen. Also: weg von der Werkbank, rein in Forschung und Technologie.

Dieses Programm sieht der Handels-Berater des Weiszen Hauses Peter Navarro so: “China, wie ich das sehe, hat den Plan China 2025 ganz dreist herausgegeben, der im Grunde dem Rest der Welt sagt ‘Wir werden jeden sich entwickelnden Zweig der Industrie der Zukunft dominieren, und daher werden eure Wirtschaften keine Zukunft mehr haben.’

Zu diesem Zweck hat Xi sein Land aufgefordert, die Anstrengungen zu verdoppeln in Forschung, industrieller Entwicklung und Politikgestaltung, um in High Tech-Industrien einen Durchbruch zu erzielen. Schon kam die Rekation der USA, die einen Bann aussprachen, Chinas ZTE keine Komponenten mehr zu liefern, dem groszen Telekommunikations-Ausruester, was die Verletzlichkeit Chinas durch solchen Sanktionen aufwies. Und so wird in China der Handelskrieg auch nicht so verstanden. Hou Yunchun, frueher im Staatsrat fuer Forschung: “Der Handelskrieg zielt tatsaechlich auf Made in China 2025. … Das wird ein lang anhaltender Wettbewerb zwischen den USA und China in Handel, Technologie, Finanzen und auch Politik, Diplomatie und Sicherheit. Es ist ein Krieg um Chinas Schicksal als Nation. … Den Herstellungs-Sektor mit dem Internet zu verbinden, die Wandlung vom ‘Made in China’ zum ‘Intelligent Manufacturing in China’ sind entscheidend fuer unser Land um das Rennen zu gewinnen und die Falle der mittleren Einkommen erfolgreich zu ueberwinden.

Beobachter sagen, waehrend MIC2025 eines von Trumps sichtbaren Zielen im Handelskrieg wurde, seien Chinas industrielle und technologische Politik, lokale Firmen zu unterstuetzen, um zum Westen aufzuschlieszen oder ihn zu ueberholen, die wahren Ursachen der wachsenden Spannungen im Handel von USA und China.

Es geht nicht um Handwerk und etwas Stahl. Es geht um Bildung, Forschung und was man daraus machen kann. Fuehrt man hier, hat man die “whip hand”, was die Weltwirtchaft angeht, die bisher allein die USA hatten.

Beim Leben ist es so, dass man nicht fragen darf, was dabei rauskommt. Der Witz ist, dass man am Leben bleibt. Mehr verlangt das Leben uns nicht ab. Dieses Grundmuster zieht sich durch. Man kann das geo-politisch verstehen, und dann ist man bei dem Thema der South China Sea und der Nine Dash-Line. Man kann das auch wirtschaftlich betrachten, und dann ist man bei der Belt & Road Initiative, auch Neue Seidenstrasze genannt. Die Chinesen sind gute Geschaeftsleute, nicht nur der gestern verstorbene Henry Sy. “The Manila Times” widmet ihm einen Leitartikel als nationale Groesze, und ich danke ihm, weil die SM-Mall der einzige Laden in GenSan ist, wo ich ein Roggenbrot kaufen kann. Xi Jinping gehoert auf internationaler Ebene in dieselbe Kategorie und kann mit Donald Trump durchaus mithalten.

Der Witz ist, sein Land als Marke zu begreifen. Das ist nicht neu. Das heutige “Made in Germany” entstand Ende des 19. Jh, als das englische Parlament eine Kennzeichnungs-Pflicht fuer alle Waren beschloss. Hintergrund war, sich gegen minderwertige Ware vom Kontinent zu wehren. Es entwickelte sich dann etwas anders und “Made in Germany” wurde ein Guetesiegel. Das “Made in China 2025” setzt diesen Gedanken fort, und es gilt, was ich als Siemensianer mal mitbekommen habe. Die ersten drei oder vier einer Branche machen weltweit richtig Geld, die naechsten drei oder vier kaempfen, und der Rest geht vor die Hunde. Deshalb hat Siemens nach und nach die Bereiche verkauft, in denen es weltweit nicht an der Spitze mithalten konnte. China und USA balgen sich im Moment an der Spitze, und die EU steht sich mit hausgemachten Problemen selbst im Weg. Zum Brexit kam es, weil man aus der EU mehr als nur eine Marke machen wollte. Es sollte ein Ueberstaat werden, den kein Mensch so richtig will, die Englaender gleich gar nicht.

Fuer die Philippinen sieht das anders aus. Wer nicht zur Spitze gehoert, muss sich arrangieren, will er nicht vor die Hunde gehen. Und da hat Praesident Rodrigo Roa Duterte entschieden, sich nicht laenger geo-politisch von den USA gaengeln zu lassen. Mit Blick auf den Wirtschafts-Riesen China als Nachbar war ihm klar, dass er mit beiden handeln muss, weil die Marke “Made in the Philippines” nicht einmal im Tourismus zieht.

Woran das liegt, kann ich nur vermuten. Es hat aber damit zu tun, dass es im Westen Kraefte gibt, denen es nicht genuegt an der Spitze zu sein, geo-politisch und wirtschaftlich. Man will geistiger Fuehrer sein und hat sich da die Menschenrechte als Peitsche ausgesucht. Das ist nicht meine Idee. Der fruehere Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, meinte dass “einige Menschenrechts-Gruppen unfreiwillig Werkzeuge von Druglords wurden, um die Masznahmen der Regierung zu behindern”. Der fruehere Auszen-Minister Alan Peter Cayetano sprach von den “Bemuehungen einiger ungenannter Menschenrechts-Organisationen Dutertes Drogenkrieg zu stoppen, die von Druglords [in deren Interesse] genutzt wurden.” Und ganz in dem Sinne sagte Duterte 2018 in seiner State of the Nation Address den Menschenrechtlern: “Eure Bedenken gelten den Menschenrechten, meine den Menschenleben.

Das Leben braucht keine Ideologie. Es ist mit sich im Reinen, solange es ueberlebt. Und das sieht inzwischen Maithripala Sirisena, Praesident von Sri Lanka, genauso und meint: “Die Welt muss die schwierige Aufgabe der Philippinen respektieren, mit dem illegalen Drogenhandel fertig zu werden.” Bei seinem gestrigen Besuch in Camp Crame, Hauptquartier der PNP (Philippine National Police), lobte Sirisena Praesident Duterte fuer dessen festen Stand gegen das Drogen-Unheil, denn viele Laender stuenden vor diesem Problem, weil viele Politiker aus dem Drogenhandel Nebeneinkuenfte beziehen.

Man braucht keine Ideologie. Das hat China schon vor Jahren bemerkt und den Kommunismus einfach vergessen. Es geht nicht um internationales Recht, deshalb spielen die USA, China, Russland und Indien beim ICC (International Criminal Court) gar nicht erst mit. Und der Schiedshof in Haag kann den Chinesen den Buckel runterrutschen, auch wenn sie UNCLOS (UN Convention on the Law of the Sea) unterschrieben haben, worauf der Hof sich in seinem Spruch gegen die Nine Dash-Line stuetzt.

Es geht um die Marke “China” und deren Zugang zu den Weltmaerkten. Alles andere interessiert Xi nicht.

Gemaesz “SCMP”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.