…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 13. Januar 2019

(zum Bild: Unterhaltungsnachrichten über den philippinischen Alltag)

 

Das kleine Philosophicum – Vor einer Woche schrieb Rigoberto Tiglao neben seiner Kolumne an Montag, Mittwoch und Freitag am 6. Januar eine Sonntags-Kolumne in “The Manila Times” und kuendigte an, dass er da eine Tradition aufgreife, die er “Sunday Read” nannte, die mal aus welchen Gruenden auch immer eingeschlafen war, aber die er nun belebt, und die sich mit Themen neben Politik oder Wirtschaft befasst. Letzten Sonntag war es der Spruch “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein”, und heute befasst er sich damit, warum der Schwarze Nazarener schwarz ist.

Nun interessiert mich das Thema nicht so brennend, doch mir gefaellt die Idee, auch mal was anderes zu schreiben als – in meinem Falle – immer nur ueber Praesident Rodrigo Roa Duterte. Ich fuehre daher fuer mich “Das kleine Philosophicum” ein, wenn es sonst nichts zu berichten gibt, und das muss nicht nur am Sonntag sein.

Am 26. und 27. Dezember hatte ich mich ueber die Berichterstattung ueber die Philippinen aufgeregt und eine Kopie der Eintraege an zwei deutsche Blaetter geschickt. Ich schrieb damals schon, dass ich mit keiner Reaktion rechne, womit ich Recht hatte. Im Moment laeuft im Netz eine Diskussion ueber einen “dummen Duterte-Artikel” im “Spiegel” und die Leserbriefe dazu, worauf ich nicht eingehen will. Denn a) kenn ich den Artikel nicht, und b) will ich ja mal nicht ueber Duterte schreiben.

Vor 50 Jahren las ich regelmaeszig den “Spiegel” und als erstes die Leserbriefe. Es war interessant zu wissen, welche Reaktionen die Ausgabe eine Woche zuvor bewirkt hatte. Die Leserbriefe hatten es in sich, denn – ein Redakteur hatte sie gesichtet und ausgewaehlt, was das Papier wert war. Wie das heute im “Spiegel” aussieht, weisz ich nicht, da ich im 24/7-Netz nur den “Spiegel-Online” zu Gesicht bekomme, eine 24/7-Ausgabe, in der eben auch 24/7-Kommentare eingestellt werden. Es gilt: je schneller und ungebremster Reaktionen kommen, desto breiter streuen sie, was Relevanz und Ernst angeht. Ich erinnere in meiner Zeit beim Bund, dass quasi als Regel galt: Beschwerden immer erst am naechsten Tag schreiben. Das macht Sinn, denn manches erledigt sich von selbst, wenn man erstmal drueber geschlafen hat.

Eine andere Tatsache ist, dass nicht 24/7 – also rund um die Uhr und ohne Wochenende – immer nur Wichtiges passiert. Das waere unertraeglich, worauf schon ein alter chinesischer Fluch hinweist “Moegest du in interessanten Zeiten leben!” – interessante Zeiten sind Ueberschwemmung, Krieg und Cholera, ansonsten waere ja nur Alltag. Von daher versteht sich, dass das, was 24/7 geschrieben wird aus der Nachrichten-Ecke immer weiter abtreibt in Richtung Unterhaltung und Zerstreuung. Am Ende ist es nicht mal mehr wert, es ueberhaupt aufzuschreiben – warum also darueber nachdenken?

Die “Fake News”-Debatte ist ein Symptom dieser Entwicklung. Wo soviel geschrieben wird, wird notwendig auch viel Unfug geschrieben, was dazu fuehrt, dass am Ende alles geschrieben wird, jede Tatsache, sei sie nun moeglich, wirklich oder das genaue Gegenteil. Man kann sich dann aussuchen, was man als Wirklichkeit nimmt, so wie das im Moment US-Praesident Donald Trump tut. Alles, was er zu seiner Mauer sagt, stimmt nicht – wenn man “CNN” glaubt. Aber – muss man “CNN” glauben? Trump sagt, das seien “Fake News”.

Die Gesellschaft aendert sich, und dazu gehoert, dass “Nachrichten” nicht mehr das sind, was sie vor 50 Jahren einmal waren. Heute ist das ein Zweig der Unterhaltungs-Industrie, und man schaltet halt das Programm ein, das einem passt. Mir passt “The Manila Times” und Rigoberto Tiglao – unter der Woche, der “Sunday Read” muss nicht sein.

Gemaesz “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.