…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 28. August 2019

(zum Bild: Präsident Rodrigo Duterte begrüßt Nur Misuari in Davao)

 

Ein biszchen Aerger – Praesident Rodrigo Roa Duterte sagte in seiner ersten SONA (State of the Nation Address) am 25. Juli 2016: “Wir alle wollen Frieden, aber nicht den Frieden der Toten, sondern den Frieden der Lebenden. … Deshalb reiche ich euch allen meine Hand heute. An unsere muslimischen Brueder, lasst uns die Jahrhunderte von Misstrauen und Krieg beenden. An die CPP-NPA-NDF [Communist Party of the Philippines-New People’s Army-National Democratic Front], lasst uns die Jahrzehnte von Hinterhalten und Scharmuetzeln beenden. Das fuehrt zu nichts.

Es fuehrte zu nichts, was die Kommunisten angeht. Er hoffte, mit dem Gruender der CPP, Jose Maria “Joma” Sison, der Duterte ihm College mal in Politik unterrichtet hat, eine Gespraechs-Basis zu finden, nahm sogar Kommunisten in sein Kabinett. Das war vertane Zeit, sie wurden zu Terroristen erklaert. Damit schien das Thema politisch erledigt und zu einer Polizei- und Armee-Aufgabe zu werden. Dazu passt heute eine Meldung des “Bulletin”, dass Duterte gestern in einer Rede zum 31sten Jahrestag der Agrar-Reform in Quezon City auf “ein biszchen Aerger” in den kommenden Monaten hinwies, weil er das Militaer angewiesen habe, den Krieg mit den kommunistischen Rebellen zu beenden: “Ich glaube nicht, dass wir es uns leisten koennen, noch 53 Jahre Krieg zu fuehren. Also sage ich dem Militaer: ‘Koennen wir das jetzt beenden?’ Wir koennen es uns nicht leisten, das an die naechste Generation weiter zu geben. Vielleicht werden sie damit nicht fertig. Es muss jetzt sein. … Ich sage allen, dass es in den kommenden Monaten nicht wirklich blutig werden wird, aber es wird zumindest ein biszchen Aerger fuer unser Land geben. … In den kommenden Tagen wird sich das Verhalten der Regierung sehr, sehr radikal aendern. Wisst ihr, das ist keine Herausforderung. Sie koennten gewinnen oder verlieren, doch das ist etwas, was sichtbar vor sich gehen wird, und ich will an die Aufmerksamkeit der Militaers hier appellieren.

Dutertes Friedens-Bemuehungen fuehrten zu etwas, was die Moros angeht. Mit Murad Ebrahim von der MILF (Moro Islamic Liberation Front) fand Duterte einen Weg, der im Maerz 2019 die Gruendug von Bangsamoro brachte. Damit war das politisch abgehakt und bedarf nur noch der Beobachtung, dass die Umsetzung glatt ueber die Buehne geht.

Nun ist es mit den Moros jedoch so wie im Vorspann der Asterix-Hefte, wo ganz Gallien von den Roemern erobert wurde – bis auf ein kleines gallisches Dorf. Aehnlich ist die MILF mit Bangsamoro zufrieden, doch da gibt es auf der Insel Jolo im Sulu-Archipel noch die MNLF (Moro National Liberation Front) unter Nur Misuari – und die mag Bangsamoro nicht. Schon bei den Gepraechen fuer Bangsamoro hat Misuari sich ausgeklinkt mit der Bemerkung, dass er sich mit Verraetern nicht an einen Tisch setze – die MILF hat sich 1977 von der MNLF angespalten, um mit der Regierung ins Gespraech zu kommen. Misuari bestand auf einer foederalen Loesung, die hatte Praesident Duterte ihm versprochen. Da hat Duterte sich zu weit aus dem Fenster gelehnt, denn der Foederalismus hat derzeit keine Chance. Also muss Duterte politische Hausaufgaben erledigen, will er im Sulu-Archipel Frieden haben.

 



 

Nun ist Jolo, Hauptinsel der Provinz Sulu zwischen Basilan und Tawi-Tawi, auf der Karte nicht mehr als ein Klecks. Die Insel mit 300 Tsd Einwohnern, ist mit 869 qkm etwas kleiner als Ruegen (926 qkm). Sie ist aber auch die Hochburg von Abu Sayyaf am “Hintereingang der Philippinen”, ueber den Terroristen des IS (Islamic State) ins Land kommen. Zudem nimmt Duterte besondere Ruecksicht, denn sollte Misuari etwas geschehen “kannst du nie wieder mit den Tausugs reden.” Tausug bedeutet “Menschen der Stroemung” und bezeichnet die Einwohner wie auch deren Sprache im frueheren Sultanat Sulu. Und der fruehere Gouverneur Abdusakur “Sakur” Tan drueckte Anfang des Jahres seinen Vorbehalt so aus: “Das wird in Sulu nicht gedeihen. Wir wollen nicht Teil von Bangsamoro sein. Wir sind Tausug, wir sind Bangsa Sug (Land der Sug ~ Land der Stroemung).

Etwas muss geschehen, denn Misuari soll Duterte mit Krieg gedroht haben, kommt der Foederalismus nicht in die Gaenge. Das sind keine leeren Worte bei Misuari. 2001 rebellierte er gegen die Regierung, weil er Wahlen verhindern wollte, die ihn als Gouverneur der ARMM (Autonomous Region in Muslim Mondanao), Vorlaeufer von Bangsamoro, ersetzen konnten. 2013 hatte er die Finger in Gefechten mit der Armee in Zamboanga City. So erklaerte Duterte im Maerz, er sei “in Eile” mit Misuari ein Abkommen zu erzielen.

Am letzten Freitag hat Duterte Misuari in Davao erneut getroffen und ordnete die sofortige Bildung eines koordinierende Ausschusses zwischen GPH (Government of the Philippines) und MNLF an. Gespraeche sollen in der zweiten September-Woche beginnen. Hierzu erklaerte Sprecher Salvador Panelo: “Der GPH-MNLF Koordinierungs-Ausschuss wird als Ort fuer die Zusammenarbeit der MNLF dienen, um einen sofortigen Frieden in Sulu herbei zu fuehren, indem unter anderem der Kampf gegen die Abu Sayyaf-Gruppe unterstuetzt wird, und Angehoerige der MNLF ueberzeugt werden, in den Schosz des Gesetzes zurueck zu kehren.

Es ist schwer abzuschaetzen, wie diese Gespraeche verlaufen. Im Beharren auf der “foederalen Loesung” will Misuari auszenpolitisch selbstaendiger werden, was Duterte nicht gestatten kann. Misuari traeumt aber noch von dem historischen Sultanat Sulu, zu dem gehoerten neben dem Sulu-Archipel auch Palawan und Sabah, eine Provinz des heutigen Malaysia im Norden Borneos. Einen Rechtsanspruch auf Sabah haben die Philippinen nicht aufgegeben, verfolgen das im Moment jedoch nicht, um Frieden in ASEAN zu haben. Misuari besteht aber darauf, die OIC (Organization of Islamic Cooperation) ins Boot zu holen, um abzusichern, dass man vertraeglich bleibt zum Friedens-Abkommen von 1996, welches die ARMM schuf. Er war deren erster Gouverneur, versemmelte das aber, rebellierte und Prozesse wegen Schiebung und Veruntreuung laufen noch. Es existiert von daher auch ein Haftbefehl, den nicht zu vollstrecken Duterte groszzuegig angeordnet hat.

Mir ist unerfindlich, was der Rekurs via OIC auf die ARMM soll, auszer dass Misuari sich Bangsamoro und den Beratungen zum BOL (Bangsamoro Organic Law) verweigert hat. Irgendwie will er international als Souveraen gesehen werden. Ich weisz nicht, ob Duterte Misuari den Gedanken der Selbstaendigkeit ausreden konnte, und ihm nun einen politischen Sandkasten baut, in dem Misuari sich als Koenig fuehlen darf. Falls das klappt, wird Misuari auch seinen Sandkasten wohl wieder versemmeln. Falls das nicht klappt, duerften die Gespraeche erfolglos bleiben, und im Sueden der Philippinen geht es weiter so wie in dem kleinen gallischen Dorf, das die Roemer nicht in den Griff kriegen konnten.

Saysay sa adlaw – Wa kay kaugmaon dinhi sa baryo. 

wa ~ wala kein, nicht, kay ~ ikaw ang du + best. Art., ugma morgen + ka…on bildet Substantiv kaugmaon Zukunft, dinhi hier, sa im, baryo Dorf, Ort

Satz des Tages – Du hast keine Zukunft hier im Dorf.

 



 

Gemaesz “PNA”, “PhilStar”, “Manila Bulletin”, “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.