…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 04. Mai 2020

Zum Bild: Die Arroganz des Westens

 

In einer Krise wie dieser… – …kann man nicht jeden Tag etwas Neues schreiben, und so lohnt es sich, ab und an einen Blick ueber den Tellerrand zu werfen, was andere so tun und schreiben. Dies tut Rigoberto Tiglao in seiner Kolumne in der “Times”. Er beginnt mit einer einleitenden Betrachtung zu einem Kollegen beim “Philippine Daily Inquirer”, der bisher nur aetzende Kritik fuer Praesident Rodrigo Roa Duterte uebrig hatte und nun ploetzlich Gutes an dem entdeckt: “Five things Duterte got right”.

Das kann man als “Freude ueber den verlorenen Sohn” oder gehaessig als “ein blindes Huhn findet auch ein Korn” abhaken. Doch das bewegt sich alles noch auf dem Teller und laesst mich kalt, ich will ja darueber hinaus.

Und da stolpere ich in Tiglaos Kolumne etwas weiter unten ueber den Artikel eines Indi Samarajiva aus Sri Lanka, auf den ich nie gekommen waere, den Tiglao jedoch gelesen hat und ausfuehrlich zitiert. Ich uebernehme das gemaesz Tiglao in behutsam korrigiertem Google-Deutsch, weil mir dieses Thema seit einiger Zeit an die Nieren geht.

Samarajiva schreibt ueber…

…die Arroganz des Westens – 

Tut mir Leid, weisze Menschen, aber es ist nicht Chinas Schuld. Ihr seid es selbst. Eure Arroganz, Dummheit und Unwissen bringen euch und alle anderen um. …

“Was auch immer die chinesische Regierung sagte, am 23. Januar haben sie eine ganze Stadt gesperrt. Das war vom Weltraum aus sichtbar. Dies war eine ziemlich klare Warnung, und die ostasiatischen Laender wurden sofort aktiv.

“Jedes Nachbarland – von Thailand ueber Vietnam ueber Taiwan bis nach Suedkorea – hat jetzt insgesamt weniger als 1.000 Todesfaelle. [Die Philippinen haben seit gestern 607 – gem. ‘Times’.] Sie hatten die gleiche Warnung und in vielen Faellen schwierigere Beziehungen zu China, aber sie haben es trotzdem geschafft, Covid-19 zu bekaempfen, ohne jemandem die Schuld zu geben. Weil Schuld-Zuweisen nichts bringt.

“Wo immer es herkommt, was immer ein anderes Land tut, ihr muesst handeln und selbst kaempfen. Arme Laender wie Vietnam und sogar Senegal haben das herausgefunden, aber die Trillionen-Dollar-Imperien des Westens haben Drohnen statt des Verstandes. Sie verstehen nur, wehrlose braune Menschen zu bombardieren oder auf hilflose Fluechtlinge einzuhacken. Angesichts einer tatsaechlichen Bedrohung sind sie wie Papiertiger, die sich unter geringstem Druck zusammenfalten.

“Nachdem er China unermuedlich als Feind hingestellt hat, fragt der Westen nun, warum ihr Feind sie nicht gerettet hat. Es ist bedeutungslos und naehrt nur diesen sinnlosen Groll, der sie ueberhaupt in Schwierigkeiten gebracht hat.

“Wenn der Westen von China schon nicht lernen konnte, haetten sie immer noch von einem Dutzend anderer Laender lernen koennen. Trotzdem blieben sie arrogant. Sie bleiben arrogant bis auf den heutigen Tag.

“Anstatt nach Ostasien oder auch nur nach Europa zu schauen, diskutierten die USA und Groszbritannien alte, undokumentierte Computer-Modelle. Sie zogen computer-modellierte weisze Menschen den echten asiatischen Todesfaellen vor. Und sogar realen italienischen Todesfaellen. Und auch echten New Yorker Todesfaellen. Das ist die Macht der Ueberheblichkeit, und das ist die Selbstzerstoerung, die sie ueber sich gebracht haben.

“Statt einfach von Asien zu lernen und rasch zu handeln, zauderte der Westen und debattierte sich in Zehntausende von Opfern und, letztendlich, in viel hoehere Kosten und wirtschaftliche Schaeden. Waehrend die asiatischen Laender sich jetzt oeffnen, protestieren die westlichen Laender immer noch gegen sich selbst und geraten immer hoffnungsloser hinterher. …

“Anstatt nach Korea mit 240 Toten zu schauen, verweisen westliche Medien auf Deutschland mit ueber 4.600 Todesfaellen. Das waere irgendwo auszerhalb des christlichen Abendlandes als totale Katastrophe betrachtet worden, aber Angela Merkel ist nun die grosze weisze Hoffnung, die auf einer blutigen Kurve thront.

“Die Gedanken implizieren jetzt, weisze Frauen seien die Geheimwaffe, und sie ignorieren damit die Vorbereitung und harte Arbeit in weiten Teilen des Suedens. Es ist nicht nur Ostasien, der indische Bundesstaat Kerala und sogar viele Teile Afrikas haben bessere Antworten, doch niemand schaut dort hin. Weil sie nicht sehen wollen. Es ist wie ein Foto auf dem dunkle Menschen nur unterbelichtet werden. Wir sind einfach unsichtbar.

“Der Westen ist in seinem Herrschaftsbereich so weit aufgestiegen, dass er vergessen hat nach unten oder auch nur zur Seite zu schauen. Sie nennen sich die entwickelte Welt, aber das stimmt einfach nicht mehr. Sie sind eine Herrschaft im Niedergang, die nun voellig zusammenbricht, und das liegt daran, dass sie aufgehoert haben zu lernen. Ihre Todsuende war der Stolz.

“Tatsaechlich ist Europa mehr als China fuer die weltweite Verbreitung des Coronavirus verantwortlich, besonders in Richtung Amerika. Das Imperium hat sich selbst infiziert, doch das koennen sie nicht sehen, weil sie es nicht wollen.

“Ich will nicht mal darauf eingehen, ob China mehr haette tun sollen. Jeder haette mehr tun sollen. China brauchte 42 Tage vom ersten Fall bis zur Sperrung, Deutschland 55, Groszbritannien 53. [Auch 42 Tage hier, vom ersten Fall am 30. Januar bis zum 12. Maerz, der Absperrung von Manila, erweitert auf ganz Luzon am 15. Maerz – gemaesz Tiglao.] Die USA haben bis jetzt keine kohaerente nationale Antwort. China ist echt Scheisze, doch sie konnten wenigstens reagieren, und sie reagierten entschlossen. Sie haben immerhin nicht diskutiert, ihre Groszeltern zu toeten. Ueberheblichkeit scheint unerbittlicher zu sein als der schlimmste Autoritarismus.

“Die WHO [World Health Organization] zu beschuldigen, die zwischen all diesen Idioten steckt, ist noch weit verwerflicher, doch die USA lassen nicht einmal das aus.

“Nochmal, kein verantwortliches Land fuehrt solche Angriffe gegen Laender und Institutionen. Sie greifen nur das Virus an. Es ist allein der Westen, der so verzweifelt nach einem Schuldigen sucht, weil er den Blick in den Spiegel nicht ertraegt zu erkennen, was aus hm geworden ist.

“Und ja, ich sagte weisze Menschen. Tatsache ist, dass weisze nationalistische Fuehrer wie Trump in Amerika und Boris Johnson in Groszbritannien die katastrophalsten Reaktionen zeigten. Und Sie koennen Jair Bolsonaro in Brasilien mit einschlieszen. Sogar die gediegenere Fuehrerschaft in Europa und Orten wie Schweden wurde zunichte unter ihrer ruhigeren Ueberheblichkeit, die letztendlich an Rasse und Macht gebunden ist.

“An die weiszen Menschen im einst dominanten Westen, das Problem ist nicht China oder sonstwer. Das Problem seid ihr. Und ja, ich sage es von euch allen, weil es ein ‘medium.com’-Posting ist, und weil es nicht nur die ausgemachten Rassisten sind. Es ist Tatsache, dass diese Leute gewaehlt werden, von der Presse gewaschen werden, dass sie ein strukturelles Problem eurer Gesellschaften sind, und nicht nur ein paar faule Aepfel.

“Die Weigerung etwas vom Rest der Welt zu sehen, zuzuhoeren oder gar zu lernen, ist im Westen endemisch. Die Jahre des leichten Beschuldigens von Minderheiten, oder die leichten Kriege gegen arme braune Menschen in Gegenden, die ihr noch nie gesehen habt. Die leichte Angst vor Terrorismus und die falsche Identifikation als Muslim oder Braun. Selbst liberale Weisze werden von den wenigen Minderheiten in eurer Mitte beschwichtigt und ignorieren die globale Apartheid, die den groeszten Teil der Welt auszen vor haelt, oder sie werden in eurer Heimat als ‘Illegale’ unterdrueckt.

“Der Westen ist heute nichts als ein Haufen gescheiterter Staaten (failed states), die Gucci-Guertel tragen, die natuerlich China hergestellt sind. Die Hosen sind jetzt runtergelassen, das Imperium hat keine Kleider mehr und die Leute sterben. Und ihr seid Demokratien.

 



 

Gemaesz “Manila Times” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.

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