…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 05. September 2019

(zum Bild: Duterte feuert Faeldon)

 

Breaking News… – …gab es gestern um 6:30 p.m. Ich hatte in “CNNPhil” die “NewsNight” mit Pia Hontiveros geschaut, als man live nach Malacañang umschaltete zur Presse-Konferenz von Praesident Rodrigo Roa Duterte, der erklaerte: “Ich fordere den sofortigen Ruecktritt von Faeldon. Zweitens fordere ich eine Untersuchung durch den Ombudsmann.” Auf Nachfrage, ob er mit der Forderung Nicanor Faeldon als Chef von BuCor (Buereau of Corrections) feuert, sagte Duterte: “Ja. … Faeldon muss gehen, weil er meine Anweisungen missachtet hat.” Er bezog sich auf seine Weisung an Senator Christopher “Bong” Go, Faeldon zu sagen, die vorzeitige Entlassung wegen GCTA (Good Conduct Time Allowance) zu verhindern, wenn jemand wegen “heinous crimes” einsasz.

Es war eben dies der Punkt, bei dem Faeldon in der Anhoerung ins Schwimmen geriet, als Senator Panfilo Lacson wissen wollte, ob sein Stop der Entlassung auf Weisung Dutertes geschah. Faeldon behauptete, es sei eigene Einsicht, doch wie er sich verhielt, sah es nicht danach aus. Es ist moeglich, dass Duterte hierbei die Folge der Ereignisse falsch interpretiert. Faeldon unterschrieb die Entlassung des Sanchez am 20. August und wurde am naechsten Morgen von Go informiert und musste dann zurueckrudern. Das war ihm aber von auszen nicht anzusehen, und so meinte Duterte, Faeldon habe nach seinem Befehl die Entlassung eingeleitet. Wie auch immer – er ist aus dem Rennen. Von ihm hoert man nun: “Mein Oberbefehlshaber hat gesprochen. Ich bin ein Marine, und ein Marine tut, was ihm gesagt wird. Ich beuge mich demuetig dem Befehl meines Oberbefehlshabers ohne inneren Vorbehalt.

Den Entlassenen riet Duterte: “Alle Personen, die nach diesem Gesetz inhaftiert und freigelassen wurden, diese 1.900 von Ihnen, stellen Sie sich und lassen Sie sich von BuCor registrieren. … Ich gebe Ihnen 15 Tage Zeit, vorausgesetzt, Sie stellen sich jederzeit zur Verfuegung, wenn Sie zu einer Untersuchung aufgefordert werden, um eine Neuberechnung vorzunehmen, oder wenn eine Untersuchung zur Korruption vorliegt, bei der Sie voll kooperieren. … Tun Sie dies nicht, sind Sie ab dieser Stunde ein Fluechtiger vor dem Gesetz. Und Sie werden wie ein Verbrecher behandelt, der sich dem Gesetz entzieht, und Sie wissen zu gut, dass da etwas schief laufen kann. An Ihrer Stelle wuerde ich mich bei der naechsten Polizei- oder Militaer-Dienststelle ergeben, wo immer Sie gerade sind.

Um der Sache Nachdruck zu verleihen, ueberlegt Duterte, auf die Fluechtigen ein Kopfgeld von 1 Mio Peso auszusetzen, “dead or alive”. An der Stelle kam prompt die Nachfrage eines Journalisten, ob das eine Order “shoot to kill” sei. Duterte atmete erst durch, bevor er antwortete, dass der Gebrauch der Waffe nur erlaubt sei, wenn das Leben des Polizisten gefaehrdet ist. Bei einer anderen Frage reichte Durchatmen nicht, sondern er stellte fest, dass die Frage einer Journalistin von “CNN”, ob er Faeldon nun einen anderen Job geben werde, “idiotic” sei. Dann fragte er die Journalistin, was sie denn tun wuerde, waere sie seine Angestellte und so vor die Tuer gesetzt, ob sie nochmal nachfragen wuerde. Die Journalistin wollte ihre Frage beantwortet haben, kam damit aber nicht durch. Es ist diese Unart von Journalisten, die sie selbst als “kritisch hinterfragen” verstehen, womit sie Leuten wie Duterte blosz auf den Keks gehen und sich dann wundern, wenn sie Hausverbot bekommen. Ich besaesze nicht Dutertes Umgaenglichkeit, da nicht unhoeflich zu werden, sondern die Anwuerfe nur verbal abzublocken. Wie die Nachricht dann wiedergegeben wird, ist eine andere Frage. Oft entgeht Journalisten der “Sinn der Antwort” und sie geben davon nur “Buchstaben” wieder, ganz so, wie die BuCor-Beamten den “Sinn des Gesetzes” liegen lieszen und sich an ein paar ausgewaehlte “Buchstaben” in Section 3 hielten.

Da hinter den Entlassungen Korruption vermutet wird, werden alle BuCor-Beamten, die damit zu tun hatten, vom Ombudsmann daraufhin untersucht, ob sie nur fahrlaessig gehandelt oder sich mehr haben zu Schulden kommen lassen.

Dieser Frage will auch der Ausschuss nachgehen, der heute um 3:00 p.m. unter Leitung von Senator Richard Gordon seine Untersuchung zum Republic Act 10592 fortsetzt, welches die GCTA regelt. In einem Ueberfall-Interview sagte Senats-Praesident Vicente Sotto, dass man eine “organisiserte Gruppe” in BuCor vermutet, die hinter der Entlassung von Hunderten von Haeftlingen steckt: “Wir haben Geheimdienst-Berichte, die ich bereits mit Senator Lacson geteilt habe, also werden wir in den Anhoerungen sehen, ob wir sie aufdecken koennen oder nicht.” Er kommt dazu durch Berichte, dass der Mord an dem BuCor-Beamten Ruperto Traya am 27. August in Muntinlupa, wohl mit der Entlassung von Gefangenen zu tun haben koennte. Er war der zweit-hoechste Beamte, der mit der Entlassung des Sanchez zu tun hatte. Man glaubt auch der Elvira Sanchez ihre Geschichte nicht, dass sie Faeldon am 21. August das erste Mal traf. Da ist wohl der Hintergedanke, dass die Entlassung abgesprochen war und sie nur kam, um nachzufragen, warum das noch nicht ueber die Buehne gegangen ist. So versucht man auch herauszufinden, von wem sie diese ominoese Text-Nachricht zur bevorstehenden Entlassung ihres Gatten bekam.

Ein Problem in der Angelegenheit ist jedoch, dass sich derzeit alles an den zwei Namen Antonio Sanchez und Nicanor Faeldon festmacht: der erste ein Vergewaltiger und Moerder, der freikommen sollte/wollte, der zweite der Ungluecksrabe, der das unterschrieben hat. Wie aber Ninez Cacho-Olivares gestern in ihrer Kolumne im “Tribune” unter der Ueberschrift “Of thick faces, double standards” schrieb – wobei “thick faces” in Filipino synonym fuer “unverschaemt” ist – lief das seit Januar 2014 so, und es wurden 2.159 Haeftlinge unberechtigt entlassen. Dazu Faeldons Anwalt Jose Diño: “Unterschrieb Faeldon die Zustimmung der GCTA zu wegen abscheulicher Verbrechen Verurteilten? Ja, aber das taten auch alle seine Vorgaenger, die sich wie er auf die Ueberpreufung und Validierung durch Experten mit Hilfe eines MSEC (Management-Screening and Evaluation Committee) stuetzten, das die GCTA-Zulassungen empfahl.

So fuehrt Cacho-Olivares an, dass unter Benigno Aquino 445 solcher Haeftlinge entlassen wurden und zaehlt die BuCor-Chefs auf, denen dies unterlief. Die Opposition reitet aber darauf herum, als sei der von Duterte eingesetzte Faeldon alleiniger Uebeltaeter. So Recht, wie Cacho-Olivares in ihrer Kolumne hat, faellt mir aber auf, dass einer der Vorgaenger des Faeldon der jetzige Senator Ronald dela Rosa war, auch von Duterte eingesetzt, und den fuehrt sie in ihrer Kolumne nicht auf. Nun ja, der “Tribune” ist pro-Duterte, und an einigen Artikeln spuert man das dann auch.

 



 

Der Leitartikel… – …der “Times” befasst sich mit einem Urteil des SC (Supreme Court) zu einem Thema, das im Laerm um die Sanchez-Faeldon-Affaere eher untergeht. Der SC hat eine Petition verworfen, den “Family Code of the Philippines” fuer ungueltig zu erklaeren, weil der gleich-geschlechtlichen Paaren das Recht verweigert, eine Familie zu gruenden, was in der Verfassung Article XV, Section 3 jedem garantiert wird.

Der SC verwarf die Petition, erkannte jedoch an, dass LGBTQs (Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual, Queers) Recht nicht auf Grund ihrer sexuellen Orientierung oder Identitaet verweigert werden darf. Dennoch sei ihre Petition der falsche Weg, weil sie mit dem Urteil den demokratischen Weg der Gesetz-Gebung umgehen. Damit behindern sie ihrerseits jedermanns Recht, ein Thema sozialer Bedeutung zu diskutieren und zu einem gesetzlichen Beschluss in der Angelegenheit zu kommen. Mit ihrem Gang zum SC versuchen die Petitionaere nur eine Buehne und Aufmerksamkeit fuer ihr Anliegen zu bekommen.

Und fuer ihr Anliegen, naemlich das SOGIE (Sexual Orientation and Gender Identity and Expression)-Gesetz sieht es nicht gut aus. Senats-Praesident Vicente Sotto: “Ich hasse es, das zu sagen, aber ich muss. Wenn Sie ein Mann sind, werden Sie niemals eine Frau sein, egal was Sie tun, denn Sie koennen sich nicht fortpflanzen, Sie koennen nicht gebaeren. Sie haben keine Eierstoecke, Sie werden nie ein Frau sein.” Und er findet: “Fuer mich ist dieses Sogie-Gesetz ein Gesetz gegen die Rechte der Frauen. Es gibt den Transgendern Rechte, also ist eine Klassen-Gesetzgebung.

Das Problem ist, dass das Recht, nicht diskrimiert zu werden, weil man wie auch immer “anders” ist, kein Recht sein kann, dennoch gleich jenen zu sein, die “nicht anders” sind. Man muss sich schon entscheiden, ob man “anders” ist oder nicht – “you can’t have your cake and eat it”.

Genau das versucht man auf welchen Wegen auch immer zu erreichen, wenn man die Themen “Nicht-Diskriminierung” und “Gleich-geschlechtliche Ehe” unterschiedslos vermengt. Es sind zwei verschiedene Dinge, und Gesetze sind fuer alle da, nicht nur fuer “andere”.

Saysay sa adlaw – Bahina ning, usag usa. Walay pabor-pabor! 

bahin teilen + …bildet Imperativ bahina teile, ning ~ kini nga dies + Verbinder, usag usa ~ usa og usa eins fuer einen.

walay ~ wala ang kein, nicht + best. Art., pabor Gunst, Verdoppeltung pabor-pabor beguenstigen

Satz des Tages – Teil das auf, fuer alle gleich/jedem eins. Keiner wird bevorzugt!

 



Gemaesz “CNNPhil”, “PNA”, “Manila Times”, “PhilStar”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.