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…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Sonntag, den 28. Oktober 2018

 

The Blame-Game – Ich nehme mal die englische Variante des Schuld-Zuweisens als Ueberschrift, weil die sich reimt.

Vize-Praesidentin Maria Leonor “Leni” Gerona Robredo macht es sich leicht, wenn sie findet, dass es nicht genuegt, wenn Isidro Lapeña versetzt wird, sondern er muesse fuer den Shabu-Schmuggel unter seiner Leitung des BOC (Bureau of Cuztoms) verantwortlich gemacht werden. Man kann das abtun mit dem Hinweis, dass sie als Fuehrerin der Oppoisition das sagen muss. Nun sagt aber Senator Richard Gordon dasselbe – ginge es nach ihm, wuerde er nicht die Befoerderung oder Versetzung auf einen anderen Posten gestatten, denn dass die Drogen durchgingen, zeuge von Inkompetenz – und Gordon ist nicht Opposition, und er leitet die Untersuchungen in der Angelegenheit. Was nun?

Der Chef der PNP (Philippine National Police), Oscar Albayalde, macht es sich leicht, wenn er hinter dem Sagay-Massaker, bei dem 9 Bauern auf offenem Feld erschossen wurden, ein Manoever von CPP-NPA (Communist Party of the Philippines-New People’s Army) sieht, ein “groszartiges Design, privaten oder staatseigenen Grund mit ihrer Massen-Basis zu besetzen, um einen ungluecklichen Vorfall zu provozieren, den man dann der Regierung in die Schuhe schiebt.” Nun wurde zwar Klage gegen zwei Arbeiter erhoben, die wohl Mitglieder der NSFW (National Federation of Sugar Workers) waren, doch dass die NSFW eine “legal front” der NPA ist, ist erstmal nur eine Behauptung Albayaldes, gegen die sich die NSFW selbst verwahrt. Der Polizei-Chef der Region sagt, man ermittle in alle Richtungen, was nichts anderes bedeutet als “nichts Genaues weisz man nicht”.

Der Kolumnist Marlen Ronquillo macht es sich in “The Manila Times” leicht, wenn er den Untertitel von Hannah Arendts Buch zum Eichmann-Prozess, “Von der Banalitaet des Boesen”, auf das Sagay-Massaker anwendet und feststellt: “Dass dies nur ein sehr kleiner Schock und Aufruhr wegen des Massakers war, und dass die Nation einfach weiter machte, ohne Gesundheit oder Verstand zu verlieren, passte sehr gut zu Hannah Arendts These. An der Wurzel dieser ‘Banalitaet’ ist es zu klar: das Leben von Bauern und wofuer sie stehen, sind von sehr geringem Wert. Die Gesellschaft betrachtet heute das Leben und die Interessen von Bauern wie einen Fuszabtreter.” Zum Schluss verliert er sich in romatischer Nostalgie: “Es ist kein Wunder, dass viele alte Bauern wie ich sich nostalgisch der Tage erinnern, als Bauern noch Feuer in den Baeuchen hatte. Und den Willen zu kaempfen und fuer unsere Rechte zu sterben.” Das mag literarisch wertvoll sein, aber wem hilft es, wenn man jammert, wie schlimm alles ist?

Bruder Shay Cullen macht es sich in seiner Kolumne in “The Manila Times” leicht, wenn er bemerkt, dass die Bezeichung von Mitarbeitern der Kirche, religioesen Schwestern und Priestern als “Kommunisten und Marxisten” eine Propaganda-Taktik der Marcos-Aera war. Dann laesst er sich ueber christliche und muslimische Naechstenliebe aus, die nichts mit atheistischen Kommunisten gemein haetten. Und schlieszlich kann er die Opfer des Sagay-Massakers sozusagen als Blutzeugen anrufen und feststellen: “Christliche und muslimische Menschenrechts-Arbeiter wurden auch so bezeichnet, und sie wurden auch getoetet.” Ich finde es sehr lobenswert, dass Bruder Shay sich um missbrauchte Kinder kuemmert. Er sollte dabei bleiben und nicht Aepfel mit Birnen vergleichen. Schwester Patricia Fox – die Bruder Shay vorsichtshalber nicht namentlich erwaehnt – wurde nicht getoetet, sondern ihr Visum wurde widerrufen, weil sie sich in innere Angelegenheiten des Landes mischt.

Was ich damit sagen will, ist dies: Das Leben macht es sich leicht. Es tut einfach so, als ob es weitergeht. Bis zum Schluss.



Gemaesz “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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