…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Samstag, den 27. Oktober 2018

 

Sind Soldaten bessere Menschen? – Lassen wir mal Boracay auszer Acht, dessen Wieder-Eroeffnung gestern das Fernsehen fuellte, so gibt es heute nur eine Meldung, mit der zu befassen sich lohnt, und das ist der Fuehrungswechsel im BOC (Bureau of Customs). Die Schlagzeile in “The Manila Times” vermeldet die Bedenken der CAC (Coalition Against Corruption), ein privater Anti-Korruptions-Verein, Isidro Lapeña in eine bessere Position zu befoerdern, wo noch gar nicht geklaert ist, ob er etwas mit dem Schmuggel zu tun hat, bei dem Shabu im Wert von ueber 11 Mrd Peso in’s Land kam. Dem steht zum Beispiel das Urteil von Senator Panfilo Lacson gegenueber, der sagt: “Waehrend ich die Abloesung von Commissioner Lapeña als BOC-Chef bedauere, weil er gute Arbeit geleistet hat mit durchgaengiger Ueberschreitung seiner geplanten [Zoll-]Einnahmen, bis auf die Shabu-Lieferung, die ihm durchging wegen offenbarer Absprache einiger seiner Leute in unteren Raengen seiner Behoerde, kann ich nur feststellen, dass PRRD [Praesident Rodrigo Roa Duterte] wieder mal gezeigt hat, dass er Null Toleranz in seinem Kampf gegen illegale Drogen kennt.

“Ich hoffe, dass der General im Ruhestand Guerrero die groszen Stiefel ausfuellt, die Lapeña hinterlassen hat, und nicht dasselbe Schicksal wie jener erleidet.

Die Schlagzeile des “Daily Tribune” bringt Dutertes Auftrag an den neuen BOC-Chef Rey Leonardo “Jagger” Guerrero “Beende die Korruption, wurde ‘Jagger’ gesagt” – darunter kommt ein groszes Bild mit dem Strand von Boracay und dann folgt der zugehoerige Artikel zum Fuehrungs-Wechsel beim Zoll. Die Nachrichten-Lage war gestern wirklich zwiespaeltig. Der neue Chef griff diesen Auftrag auf und sagte: “Das ist der Auftrag des Praesidenten, und ich bin hier um welche Reformen auch immer in dieser Behoerde erforderlich sind zu implementieren. Es ist wirklich wichtig, dass die Leute beim Zoll das Vertrauen ihres Chefs haben, damit er diese Reformen auch tatsaechlich durchsetzen kann.

Und damit komme ich langsam zum Thema – warum schenkt Praesident Duterte einem Militaer sein Vertrauen? Ex-Praesidentin, jetzt Sprecherin des Hauses, Gloria Macapagal Arroyo, steht voll hinter dem Praesidenten, wenn er Militaers waehlt: “Das sind buchstaeblich gute Soldaten, deshalb.

Eine Begruendung dafuer lieferte Duterte selbst in der Rede neulich: “Ich habe nichts gegen die Buerokratie. Die sind helle, Auserwaehlte des Oeffentlichen Dienstes, einige haben ihren Doktor gemacht. Doch ungluecklicherweise ist eine Amtszeit von sechs Jahren wirklich nicht genug. Du musst schnell sein. Ich koennte da die Belagerung von Marawi zitieren. Ich brauchte Haeuser sofort, und wir hatten die entsprechenden Gelder. Doch haette ich das an die Buerokratie gegeben, dann waere es bis heute nicht fertig geworden oder – ohne jemandem auf die Fuesze treten zu wollen – manchmal gehen Gelder unterwegs auch verloren.” Ein paar Saetze spaeter versetzte er General Guerrero zum Zoll.

Nun stellt Yen Makabenta in seiner Kolumne in “The Manila Times” Zivilisten und Militaers gegenueber und fragt “Wer ist vertrauenswuerdiger im Oeffentlichen Dienst?” Ihm geht es darum, was in der Verfassung steht. In Article II, Section 3 heiszt es glasklar: “Civilian authority is, at all times, supreme over the military.

Man kann einwenden, dass Generale im Ruhestand auch nur Zivilisten sind, doch das trifft die Sache nicht. Und ich widerspreche Makabenta, wenn er Dutertes Aussage, lieber von einer Militaer-Junta als von der Vize-Praesidentin abgeloest zu werden, als Argument fuer dessen Bevorzugung des Militaers wertet. Daraus spricht einzig und allein die Abscheu vor einer unfaehigen Nachfolgerin, die zerdeppert, was er erreicht hat. Ueber das Militaer sagt das erstmal nichts aus.



Bleibt also die Frage, ob eine militaerische Karriere einer zivilen Ausbildung vorzuziehen ist. Dabei sollte bedacht werden, dass eine militaerische Ausbildung sich nicht auf die Grundausbildung von Rekruten beschraenkt. Wer beim Militaer was werden will, studiert dort auch. Eine Armee ist selbstversorgend, und man muss verstehen, wie so ein Laden laeuft, will man ganz nach oben kommen.

Hier scheint Anderes durch, was Duterte schon im Juni 2017 waehrend der Marawi-Krise ansprach. Er sagte damals, er wolle das ROTC (Reserve Officers’ Training Corps) fuer College-Studenten obligatorisch machen, um Disziplin und Liebe zum Vaterland in der Jugend zu wecken. Armee-Sprecher Padilla ergaenzte das mit Blick auf Marawi und sprach die Jugend direkt an: “Wenn ihr wirklich dem Land helfen wollt, geht zum ROTC, sodass ihr wirklich versteht, was laeuft, und um eure Liebe fuer euer Land zu entwickeln. … Was wir hier tun ist nicht ganz so einfach. Unsere Jugend will schnelle und sofortige Ergenisse, weil das den Adrenalin-Kick gibt. Aber wir sprechen hier ueber [Menschen-] Leben.

Dahin gehoert auch die unsinnige Aufforderung des Militaers vor zwei Wochen, Eltern moegen ihre Kinder besser beaufsichtigen. Da CPP (Communist Party of the Philippines) und NPA (New People’s Army) ihre Anwerbung von Mitgliedern an Schulen und Universitaeten verstaerken, meinte eine Sprecherin der 7ten Infanterie Division damals, Eltern sollten “durchgehend informiert sein ueber die Aktivitaeten ihrer Kinder, auch wenn sie in der Schule oder auf dem Campus sind.” Denn junge Leute seien “idealistisch, empfaenglich fuer Radikalismus und leicht zu formen.

Das von den Eltern zu fordern ist unrealistisch. Das Militaer muss auf die Jugendlichen zugehen und Angebote fuer sie haben, um sie auf seine Seite zu bringen. Gibt es die aber nicht, dann bleiben den Studenten nur die Seilschaften und Kumpaneien, die das Land zu einem korrupten Laden gemacht haben. Das waere jedoch ein Kulturwandel, der sich nicht in einer Amtszeit durchziehen laesst.

Evolution dauert.



Gemaesz “DailyTribune”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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