…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Freitag, den 17. August 2018

 

Frisch gebrühter Kaffee aus den philippinischen Cordillera and die Presseschau ergeben eine gute Mischung.

 

Zwei-Raender-Land – Neulich beschrieb ich, dass die Philippinen an zwei Raendern liegen, die Probleme machen koennen. Sie liegen am suedlichen Rand der amerikanischen Verteidigungs-Linie im Pazifik, die nach Definition von Dean Acheson, amerikanischer Auszen-Minister von 1949 bis 1953, bei den Aleuten beginnt ueber die Ryukyu-Inseln Japans bis runter zu den Philippinen geht. Und sie liegen am noerdlichen Rand des Seeweges der “Neuen Seidenstrasze”, mit der Praesident Xi Jinping China durch die South China See alias West Philippine Sea, die Straits, den Indischen Ozean, das Rote Meer und den Suez-Kanal an Europa anbinden will. Und genauso wie die Amerikaner seit Pearl Harbour mit neurotischer Angst darauf achten, dass ihnen vom Pazifik nicht wieder Gefahr drohen kann, ist Xi aengstlich besorgt, dass diese Anbindung an Europa stoerungsfrei bleibt, um Handel und Wandel seines Riesenreiches von 1,379 Mrd Menschen fuer die Zukunft abzusichern.

Eben diese problematische Lage hatte Praesident Rodrigo Roa Duterte im Auge, als er nach einer Warnung an ein philippinisches Flugzeug neulich den Chinesen sagte: “Sie muessen das ueberdenken, weil das eines Tages ein Brennpunkt werden koennte… Du kannst nicht eine Insel schaffen, sie ist von Menschen gemacht, und du sagst dann, dass der Luftraum ueber dieser kuenstlichen Insel dir gehoert. Das ist falsch, denn die Gewaesser dort betrachten wir als internationale See.

Darauf liesz das chinesische Auszen-Ministerium in einer Mitteilung an “Reuters” umgehend wissen, wie ich in der “South China Morning Post” lese: “China hat ein Recht auslaendischen Flugzeugen und Schiffen entgegenzutreten, die in Luft oder Wasser Chinas ‘bedeutenden Inseln ~ relevant islands’ nahe kommen oder dort eindringen, oder mit provokativen Aktionen die Sicherheit des dort stationierten chinesischen Personals bedrohen. … China draengt die bezueglichen Parteien China auf halbem Wege entgegenzukommen und gemeinsam die gegenwaertig gute Lage zu schuetzen, die nicht leichthin in der South China Sea entstanden ist.

Auf der anderen Seite ueberlegt der philippinische Verteidigungs-Minister Delfin Lorenzana, ob er fuer die Philippinische Marine nicht U-Boote in Russland kaufen sollte, das offenbar mit sehr guenstigen Angeboten lockt. Nun frage ich mich zwar, wofuer die Marine U-Boote haben will, die nur in einem Krieg sinnvoll eingesetzt werden koennen, wo die Philippinen, um ihre Seegrenzen gegen Piraterie und illegale Haendler zu sichern, die Shabu und/oder ISIS-Kaempfer hierher transportieren, doch viel dringenderen Bedarf an Kuttern und Schnellbooten haette, aber auf mich kommt es wieder mal nicht an.

Der US-Unter-Minister zur Verteidigung der asiatisch-pazifischen Sicherheit – quasi der “Hueter des Randes” – Randall Schriver sagt zu dieser Absicht in Manila vor der Presse: “Ich meine, sie sollten darueber sehr sorgfaeltig nachdenken. Wenn sie weitermachen bedeutende russische Ausruestung zu kaufen, glaube ich nicht, dass das hilfreich ist im Hinblick auf die Allianz und letztlich meine ich, dass wir dem philippinischen Volk ein besserer Partner als die Russen sein koennen. … Ich denke mehr noch, ich meine, wir sollten die Natur des russischen Regimes verstehen. Ich muss da nicht die ganze Waescheliste durchgehen… die Krim, die Ukraine, die chemischen Angriffe im United Kingdom, also da investiert ihr nicht nur in eine Plattform, sondern ihr macht eine Aussage ueber unsere Partnerschaft.

Das kann man als “Schuss vor den Bug” bezeichnen, und wir sollten das im Auge behalten. Die Frage, ob der US-Handelskrieg gegen China ein heiszer Krieg wird, koennte sich an den Raendern der Philippinen entscheiden, und dann waeren wir mitten drin.



Kleine Unschaerfe – Gestern habe ich ueber den Frust Dutertes geschrieben, dem er in einer Rede am Dienstag vor der Kapisanan ng mga Brodkaster ng Pilipinas (Vereinigung der Rundfunk-Gesellschaften der Philippinen) Ausdruck gab, wie ich in der “Manila Times” las. Heute lese ich in der Kolumne von Rigoberto Tiglao in der “Manila Times”, dass dies eine Rede war zum Start eines Hilfsprogrammes fuer Klein-Unternehmer, das von den Finanzgroeszen des Landes aufgelegt wird.

Wo auch immer Duterte seinen Dampf abgelassen hat, viel wichtiger ist mir der Inhalt. Und waehrend die Opposition rumargumentiert, ob dies oder jenes ueberhaupt rechtlich moeglich ist – sie haben ja sonst nichts zu sagen, wenn sie sich nicht ueber den Praesidenten aufregen koennen – geht Tiglao heute auf Situation und Inhalt der Rede ein.

Vor dem Praesidenten sitzen die Groeszen des Big Business und Botschafter – “die Sorte Leute in 1000-Dollar-Designer-Anzuegen mit Patek Philippe-Armbanduhren [Preise zwischen 1 und 13 Mio Peso] – und Duterte stellt dar, wie der Abschaum der philippinischen Gesellschaft aussieht, und seinen Frust da auch nach zwei Jahren Anstrengung nicht aufgeraeumt zu haben. … Wie ueber 1000 Polizisten und Soldaten in seinem Krieg gegen Drogen getoetet wurden, aber die ‘netten Jungs aus anderen Laendern’ klagen ihn wegen weitreichender auszergerichtlicher Toetungen an. Wie eine schwangere Staatsanwaeltin, die grad in einem Convenience Store was kaufen will, von einem Raeuber getoetet wird, der Geld fuer seinen naechsten Fix braucht. Wie nach einem Verbrechen, eine Gang eine blinde Frau und deren Schwiegertochter vergewaltigt, und die zwei Kinder duerfen sich das ansehen. Wie die Familie eines Polizisten hungert, wenn ein verdaechtigter Krimineller Gegen-Klage erhebt, und das Recht fordert, dass er [der Polizist solange] vom Dienst suspendiert wird. Wie ein ungenannter Richter in Manila, der die Klagen der Polizei gegen tausend Drogen-Pusher gehoert hat, die einfach alle abweist. Wie die Kommunistische Partei, trotz ihres Redens von Friedens-Willen ‘so viele tausend Soldaten getoetet hat, Gemeinde-Vorsteher, unschuldige Zivilisten, verdaechtigt Informanten des Militaers zu sein.’ Duterte sprach auch ueber das Elend der OFWs [Oversea Filipino Workers]: ‘Schaut auf die vielen geschlagenen Filipinas, die in einen Kuehlschrank gepackt werden, die Geld an ihre Kinder daheim geschickt haben. Das ist der Grund, warum ich in Rage bin.’

In dieser Rede von 8 Tsd Worten, schreibt Tiglao, kam nur in 110 Worten das Gruebeln ueber einen Ruecktritt – der dann ausschlieszlich in der Presse breitgetreten wurde. Und da kam dann auch dieser Seitenhieb auf Vize-Praesidentin Leni Robredo, von der er meint, dass sie hier nichts verbessern kann. Robredo wurde in Naga, Camarines Sur geboren, und sie war Abgeordnete von Camarines Sur, und dazu faellt Duterte ein: “Klar, sie wird das ableugnen, aber ein Shabu-Brennpunkt war in den letzten Jahren Naga City. Oder wollt ihr eine Militaer-Junta?

Bei dem Wort “Junta” – meint Tiglao – muessen die Big Business-Zuhoerer zusammengezuckt sein und haben sich vielleicht gedacht: “Ist wohl besser ich unterstuetze den Hundesohn etwas mehr.” Und Tiglao stellt die rhetorische Frage: “So, glaubt ihr da wirklich, dass Duterte es ernst meint, wenn er sagt, dass er zuruecktreten will?” Nach dieser Darstellung sicher nicht, denn so betrachtet war es eine sehr kalkulierte Rede, um den feinen Herren mal richtig Feuer unter dem Arsch zu machen.

Also, liebe Leser, vergesst das mit dem Ruecktritt des Praesidenten, legt euch ruhig wieder hin, aber – behaltet die Raender im Auge!



Gemaesz “SMP”, “ManilaTimes”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

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