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…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 03. Juli 2019

(zum Bild: Paolo “Pulong” Duterte testet die Gewässer und wird zum Störenfried)

 

Der “Film noir”… – …zu deutsch “Schwarzer Film” ist ein Begriff aus dem Bereich der Filmkritik, lese ich in der “Wikipedia”, der Filme mit ausgesprochen pessimistischer Weltsicht bezeichnet. Klassiker der Zeit sind 1941 “The Maltese Falcon ~ Die Spur des Falken” von John Huston mit Humphrey Bogart in der Hauptrolle, bis hin zu 1958 “Touch of Evil ~ Im Zeichen des Boesen” von Orson Welles mit Charlton Heston in der Hauptrolle und Orson Welles selbst als dessen Gegenspieler.

Ich erwaehne das, um einen Ausdruck fuer meine derzeit “schwarze Sicht” der hiesigen Politik zu haben, die offenbar – ich weisz nicht, aus welchem Grund – auch Praesident Rodrigo Roa Duterte teilt. Beim 72. Jahrestag der Philippine Air Force bat er die Truppe, nicht in seiner Amtszeit zu meutern. Sie sollten nicht in Waffen zu ihm kommen, sondern ihn einfach besuchen, “und dann trinken wir einen Kaffee und ich bin bereit zu sagen: ‘Okay, ihr seid dran!’ … Ich weisz, dass die Armee und die Polizei sich eines Tages entscheiden muessen. Bitte macht das nicht waehrend meiner Amtszeit.

Wie gesagt, ich weisz nicht, warum Duterte die Welt so finster sieht, doch Gruende gibt es schon.

China sucht Ende des Konflikts… – …um den Zwischenfall auf der Recto (Reed) Bank, hat der chinesische Botschafter Zhao Jianhua die Regierung der Philippinen wissen lassen, weil dies inzwischen die Beziehungen beider Laender beruehre. Man will das im Gespraech mit China klaeren, doch wann und wie ist offen.

Man kann die Sache nicht einfach unter den Tisch fallen lassen, denn vor dem Obersten Gericht wird derzeit eine Eingabe einer Gruppe von Fischern von Palawan und Zambales verhandelt, die verschiedene Gebiete der South China Sea geschuetzt haben wollen. So geht es also nicht nur um das Rammen des Fischerbootes, wobei niemand ums Leben kam, sondern auch um territoriale Ansprueche. Diese Ansprueche wurden von der Opposition genuegend hochgespielt, sodass man es als fair bezeichnen muss, wenn sich einer der Wortfuehrer dabei, Richter Antonio Carpio, selbst aus der Verhandlung ausblendet, um sich den Vorwurf der Parteilichkeit zu ersparen.

Wie immer das auch ausgehen mag, so bleibt im Hintergrund das Eingestaendnis Dutertes, er habe mit Xi Jinping vereinbart, dass chinesische Fischer dort – in der EEZ (Exclusive Economic Zone) der Philippinen fischen duerfen. Welche Vereinbarung ja hoffentlich beinhaltet, dass philippinische Fischer auch in der Nine-dash Line der Chinesen fischen duerfen. Laut Sprecher Salvador Panelo will Duterte eine Zusage Chinas bekommen, die die Rechte und Sicherheit der philippinischen Fischer in der South China Sea garantiert.

 



 

Eine Irritation der anderen Art… – …droht dem Praesidenten am 22. Juli. Gemaesz Verfassung von 1987, Article VI, Section 15 gilt: “The Congress shall convene once every year on the fourth Monday of July for its regular session…” und an diesem Tag konstituiert er sich, und anschlieszend haelt der Praesident seine SONA (State of the Nation Address).

Das ging im letzten Jahr durcheinander, weil die Tochter des Praesidenten, Sara “Inday” Duterte-Carpio, mit Imee Marcos und Gloria Macapagal-Arroyo eine Parkett-Revolution anzettelte, bei der der Sprecher des Hauses Pantaleon Alvarez gestuerzt und Arroyo als Sprecherin gewaehlt wurde.

In diesem Jahr scheint der Sohn des Praesidenten, Paolo “Pulong” Duterte, den Stoerenfried geben zu wollen. Im Rennen um die Position des Sprechers sind Lord Allan Velasco, Martin Romualdez, Alan Peter Cayetano und Pantaleon Alvarez, der den verlorenen Posten offenbar rueckerobern will. Er hat “Inday” Sara ein Friedens-Angebot gemacht, doch die gab sich im Mai unversoehnlich: “Alvarez war und bleibt sehr gefaehrlich, ein machiavellisches Individuum, das keinen Frieden verdient.” Cayetano sprach im Mai auch bei “Inday” Sara vor, doch zu dem findet sie: “Er kam jedoch mit einer verdeckten Drohung, wenn ich den Abgeordneten Velasco als Sprecher unterstuetze, wuerde ich die ‘Gruppe’ aufbrechen. Und das, sagte er, wuerde die Praesidial-Wahlen von 2022 beeinflussen.” Sie selbst haelt sich zurueck: “Ich bin nur die Buergermeisterin von Davao. Ich bin nicht die rechte Person, um jemand als naechsten Sprecher zu empfehlen. Ich habe nur einen persoenlichen Wunsch, doch ich beabsichtige nicht, den Kongress zu beeinflussen.” Das ist nicht so ganz richtig. Als Fuehrerin der Wahl-Plattform “Hugpong ng Pagbabago” hat sie einen Riesen-Erfolg erzielt, der ihr eine Stimme im Land gibt, ob ihr das nun passt oder nicht.

Das weisz auch Cayetano, und so verbreitet er, die Sache mit “Inday” Sara sei ausgeraeumt, wozu ich allerdings keine Meldung gesehen habe, in der die das bestaetigt. Sie ist fuer Velasco, und da im Moment alles auf den hinauslaeuft, staenkert Cayetano dagegen an. Er sagt es habe eine “term sharing”-Vereinbarung mit Velasco gegeben, wovon der aber nichts wissen will.

Nun ist jeder gegen jeden, und da meldet sich “Pulong” Duterte zu Wort und meint: “Das Haus ist gespalten, ich koennte faehig sein bei der Vereinigung zu helfen. Wir alle sind gewaehlt. Wenn man auf ‘term sharing’ besteht, sollte jedem gestattet sein da teilzunehmen. … Wir sprechen hier nicht ueber zwei Personen. Wir sprechen ueber unser geliebtes Land…” Und so schlaegt er vor, dass die Vertreter von Luzon, Visayas und Mindanao je einen Vertreter waehlen, plus einen von den Party-List-Vertretern, und dass die vier sich den Posten des Sprechers teilen. Es sind aber auch Vorschlaege im Raum, dass “Pulong” Sprecher werden soll, der bekaeme sicher eine Mehrheit. Dagegen spricht zwar, dass Duterte mal drohte, er werde zuruecktreten, wenn “Pulong” Sprecher wird, aber, wie Sprecher Panelo erlaeutert, bei neuer Lage koenne der Praesident sich durchaus neu entscheiden.

Nun habe ich das Gefuehl, dass “Pulong” gar keine Ambitionen hat, sondern nur eine Entscheidung triggern will, oder, wie Duterte das bezeichnet, “mal den Baum ruettelt”, wie die Reaktionen sind, aber es sind genuegend Leute da, die ihn gern in dieser Position saehen. Und das gaebe ein wunderbares Chaos – wenn Praesident Duterte am 22. Juli da in irgendeinem Hinterzimmer mit seiner SONA sitzt – er arbeitet schon daran – und wartet, ob er an dem Tag wohl noch zu Wort kommt, weil sich im Kongress die Abgeordneten balgen, wer nun den Sprecher gibt.

Ich seh da schwarz.

 



 

Die Lumad… – …die derzeit durch die USA touren um darauf aufmerksam zu machen, dass CPP-NPA-NDF (Communist Party of the Philippines-New People’s Army-National Democratic Front) sie nach und nach umbringen, ich schrieb am Montag dazu, haben nun im UN-Hauptquartier ihr Leid geklagt. Die IP-Fuehrerin Christine Banugan begann mit der Geschichte, wie ihr Vater getoetet wurde. NPA-Leute brachen im Dezember 2016 in ihr Haus ein, erschossen ihren Vater, dessen Onkel und andere Familien-Mitglieder, die sich fuer Rechte und Kultur der IP (Indigenous People ~ Lumad) einsetzen. Nun hat sie die Fuehrung uebernommen und muss, wie die anderen mit ihr, um ihr Leben fuerchten.

Rosemary Lane vom Permanent Forum on Indigenous People forderte die Lumad auf, sich in dem UN-Forum zu engagieren: “Da gibt es ein Verfahren, es ist ganz offen. Das Forum ist eine offene Plattform. Niemand ist ausgeschlossen, solange ihr eine legitimierte IP-Organisation seid.

Und genau an dieser Stelle klickert es bei mir mal wieder im schwarzen Hinterkopf – wer legt denn fest, was “eine legitimierte IP-Organisation” ist? Wo kann man da einen Antrag stellen? Wie kommt es, dass Front-Organisationen der CPP unter der Fahne der Menschenrechte segeln und Spenden-Gelder aus Europa sammeln, wogegen die Armee grad erst bei europaeischen Abgeordneten vorstellig wurde? Oder sind jene die “legitimierten IP-Organisationen”, denen zum Beispiel Victoria Tauli-Carpuz angehoert, eine Aktivistin der Igorot und Bericht-Erstatterin der UN fuer die Rechte der IP? Im Maerz 2018 landete sie in einer Liste des DOJ (Department of Justice), das sie als kommunistische Terroristen erachtet. Dagegen gab es Proteste, soweit ich weisz wurde diese Liste vom Obersten radikal zusammengestrichen, aber die Frage bleibt offen. Sind nicht die “legitimierten IP-Organisationen” laengst von kommunistischen Front-Vereinen besetzt, die sich gegen Neu-Zugaenge wehren, die gegen CPP-NPA-NDF sind?

Fuer mich hat der Tip der Rosemary Lane mit dem UN-Forum einen Pferdefusz – wie ich ja auch bei anderen UN-Vereinen und -Bericht-Erstatterinnen meine Bedenken habe, wessen Angelegenheiten die eigentlich vertreten. Irgendwie ist das Boese in der Welt besser venetzt, sodass fuer das Gute immer nur die Rolle des Opfers uebrig bleibt – oder seh ich das mal wieder zu schwarz?

Schluss mit Schwarz – Ich koennte noch anfuegen, dass es dem Euro auch nicht gut geht, er ist im Wert einen Peso gesunken, doch das ist die falsche Sicht. Es liegt nicht am Fuehrungs-Gerangel in der EU, dass der Euro sinkt. Es liegt am ergiebigen Regen des Habagat (Suedwest-Monsun), dass der Pegel des Angat-Damm einen Meter gestiegen ist – schon steigt auch der Wert des Peso um einen Punkt gegenueber dem Euro.

Think positiv!

(Heute kein Visayan, hab mich verplauscht.)

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Daily Tribune”, “Manila Bulletin”, “PNA” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.

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