aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 23. Juli 2018

 

 

Erfahrung – Wenn fuenf Weise fuenf verschiedene Prognosen abgeben, wie es mit einem Land weitergeht, dann ist ziemlich wahrscheinlich, dass eine davon zutrifft. Tritt dieser Fall ein, dann wird er fuer “wirklich weise” erachtet, man sagt “er hat es gewusst”, und ueber die anderen redet man nicht mehr. Wenn sich das Ganze im naechsten Jahr wiederholt, wieder liegen fuenf Prognosen vor, doch diesmal “hat es ein anderer gewusst” – dann ist der vorjaehrige “wirklich Weise”, der diesmal daneben lag, kein Thema mehr.

Was lernen wir daraus?

Kein Mensch weisz, was wird. Man weisz hinterher nur, was falsch war, und das nennt man Erfahrung.

Vor einem Jahr schrieb ich zur damaligen SONA (State of the Nation Address) von Praesident Rodrigo Roa Duterte, dass die Rede zwar gut ankam: “…Er hat aber nichts Neues gesagt. Der Kampf gegen die Drogen geht weiter … Mit den Kommunisten redet er nicht mehr… und beschied sie “lulu mo! ~ wichst euch selbst!”. … Den IS (Islamic State) mit dem Ziel eines Kalifats kann er nicht dulden, und deshalb bleibt das Kriegsrecht.

Unweise wie ich bin, gebe ich keine Prognose ab, was Duterte heute um 4 Uhr sagen wird.

The Manila Times” bringt als Schlagzeile den Rat von Geschaeftsleuten und Politikern, Duterte moege sich “Frieden und Ordnung, Preise” vornehmen. Der “Manila Standard” hofft in der Schlagzeile mehr, dass Duterte das BBL (Bangsamoro Basic Law) abzeichnen wird, dass nun in BOL (Bangsamoro Organic Law) umbenannt wurde – ich weisz nicht, ob das Gesetz damit umweltfreundlicher wird, oder ob sich da ein politischer Aberglaube zeigt, weil ein BBL ja schon einmal gescheitert ist, und das moechte man so vermeiden. Was wird – siehe oben – weisz eh keiner, auszer Senator Franklin Drilon. Der sieht das BOL scheitern, obwohl er selbst in der Kommission war, die es abgesegnet hat, weil darin kein Anti-Dynastie-Paragraph enthalten ist. Im Uebrigen ist er der Meinung, dass Dutertes Politik des “Appeasement ~ Beschwichtigung” gegenueber China vom Uebel sei. Er moechte, dass “die Philippinen die Inseln zuruecknehmen, die uns gehoeren, wie das Gericht erklaert hat.” Er scheint den Schiedsspruch, wie alle in der Opposition, nicht zu kennen, ganz abgesehen davon, dass der Schiedshof im Haag kein Gericht ist. Dort wurde entschieden, dass die “Nine dash-line” keine Rechte Chinas begruenden kann, und dass den Philippinen ihre EEZ (Exclusive Economic Zone) zusteht. Von Inseln und wem die gehoeren, war da keine Rede.



Aber lassen wir das… – …daran will ich mich nicht beteiligen. Mich interessiert aus naheliegenden Gruenden – ich wohne in GenSan – viel mehr, dass Central Mindanao unter “erhoehte Alarm-Bereitschaft” gestellt wurde. Wegen der Kaempfe der AFP (Armed Forces of the Philippines) gegen BIFF (Bangsamoro Islamic Freedom Fighters), sind die nun unter Druck und ziehen sich aus Maguindanao zurueck, wo sie bisher vornehmlich waren. Der Polizei-Chef der Region 12, SOCCSKSARGEN (SOuth Cotabato, Cotabato, SultanKudarat, SARangani und GENeral Santos City), Marcelo Morales: “Wir lassen die Moeglichkeit nicht unberuecksichtigt, dass der Krieg ueberschwappt, der zwischen BIFF und dem Militaer in Maguindanao gefuehrt wird, und wir wollen nicht auf dem falschen Fusz erwischt werden mit der Anwesenheit der Maute-Gruppe hier in der Region 12. Obwohl wir Nafisah gefasst haben und Najib Hussein getoetet wurde, muessen wir stets fuer alles vorbereitet sein.

Nafisah Pundug ist die Frau des Fuehrers der Maute-Gruppe Owaidah Abdulmajib Marohombsar, alias Abu Dar, der auch der neue Emir des IS (Islamic State) in Suedost Asien sein soll. Sie wurde vor zwei Wochen hier im Barangay Apopong in GenSan festgenommen. Gegen sie bestand ein Haftbefehl wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Sie war schon mal verhaftet in Marawi, konnte dort aber waehrend der Krise entkommen. Najib Calimba Pundug, alias Najib Hussein, ein Bomben-Spezialist, der zum harten Kern der Maute-Gruppe gerechnet wird, wurde danach in der Nacht in einer Aktion hier im Barangay Fatima erschossen, als er sich der Festnahme widersetzte.

Morales ist der Meinung, dass Drogen-Gelder den Terrorismus in Mindanao finanzieren und fuehrt dazu die Lumatay-Brueder Faroon und Alhoby an, die mit dem Al-Ansar Al-Khilafa in Mindanao verbunden sind, eine andere Gruppe, die mit Abu Sayyaf sympathisiert. Sie wurden in Maasim, Sarangani, gefasst, und von dieser Khilafa-Truppe wurden schon mehr wegen Drogen hier verhaftet.

Wir waren oefter in Maasim, das ist hier um die Ecke,  bei einem Ausflug zum “Lemlunay-Resort”. Und das beunruhigt mich nun wieder, wo wir doch vom Kriegsrecht bisher kaum etwas mitbekommen hatten. So sagte mir neulich meine Frau, als wir in der SM-Mall im “Tambilawan” gegessen haben, in Deutsch, damit die Gaeste am Nebentisch das nicht mitbekamen, dass das Maranaos seien. Sie hatte bestimmte Worte gehoert, die zu deren Sprache gehoeren. Das ist oefter ein Erkennungs-Merkmal. In Visayan ist Katze “iring”, und wenn mein Nachbar “koring” sagt, dann weisz ich, dass er urspruenglich Ilongo (Hiligaynon) spricht, was hier im Sueden Mindanaos oefter vorkommt. So ging es meiner Frau mit Maranao, auch wenn sie das selbst nicht spricht. Das ist so wie in Deutschland, wenn jemand “Bulette” oder “Fleischplanzerl” sagt, dann weisz man den einzuordnen, auch wenn man das selbst nur als “Frikadelle” kennt.

Mich beunruhigt, dass der Krieg irgendwie “naeher kommt”, und da beruhigt mich auf der anderen Seite dann eben, dass “das Kriegsrecht bleibt”, und dass die Polizei der Region 12 aufpasst, die hier in GenSan ihr Hauptquartier hat. Das liegt beim Barangay Fatima – wo sich dieser Bomben-Spezialist verstecken wollte. War wohl keine gute Idee.



Gemaesz “ManilaTimes”, “ManilaStandard” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Veröffentlichung in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN erfolgt mit der Erlaubnis von Heiko Eckhard.

 

 

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