…aus der philippinischen Presse

 



 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 23. Dezember 2019

(zum Bild: Ein Waffenstillstand zu Weihnachten, an den niemand so Recht glauben kann)

 

Frieden – Die Schlagzeilen der Blaetter haben durchweg als Aufmacher, dass die Regierung auf einen einseitig von den Kommunisten erklaerten Waffenstillstand ueber die Feiertage – beginnend heute frueh um 0:00 Uhr bis zum Ende des 7. Januar 2020 – einen ebensolchen Waffenstillstand erklaert hat.

Times – Govt, NDFP declare Christmas ceasefire”

“Bulletin – Duterte, Reds declare 15-day ceasefire”

“Standard – 15-day Yule truce in force”

“Tribune – Last-ditch truce

Daran interessiert mich nur die Uebersetzung des “last-ditch”, was im “Pons” mit “in letzter Minute” angegeben wird. Das stimmt, denn erst gestern Abend gab Sprecher Salvador Panelo bekannt, dass Praesident Rodrigo Roa Duterte den entsprechenden Waffenstillstand fuer dieselbe Zeit angeordnet hat.

Der ist also breits in Kraft, doch an den Frieden mag ich nicht glauben, und dass dies eine guenstige Atmosphaere fuer Friedensgespraeche schaffen soll, glaub ich erst recht nicht. Beide Seiten – Armee und New People’s Army – sind im Krieg und werden weitermachen wie bisher, und wenn geschossen wird, werden beide Seiten erklaeren, die anderen haetten zuerst geschossen haben, und dazu faellt mir die Weisheit des US-Senators Hiram Johnson anlaesslich des Ersten Weltkrieges ein: “Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.

Und damit bin ich beim zweiten Thema:

Wahrheit – Der Leitartikel der “Times” bringt als eine Art Weihnachts-Fantasie Wuensche in der Art…

…was waere, wenn die Kongress-Abgeordneten mal kein “pork” im Haushalt versteckt haetten?

…was waere, wenn Senator Panfilo Lacson statt dunkler Hinweise auf “pork” einfach eine Liste der “pork-verdaechtigen” Punkte im Haushalt vorlegen wuerde?

…was waere, wenn der Senator nicht nur den “Schweinkram” des Hauses anprangert, sondern mit derselben Akribie den seiner Kollegen Senatoren unter die Lupe naehme?

Irreale Wuensche, und so bleibt es an Praesident Duterte haengen, sein Veto fuer die Punkte im Haushalt einzulegen und aus dem zu streichen, was ihm anruechig erscheint. Er hat ja sonst nichts zu tun ueber Weihnachten, und dem Praesidenten die Arbeit erleichtern? Auf die Idee kommt Senator Lacson nicht.

Es ist aber nicht nur Lacson, der gegen das Haus stichelt, und keinen Pfifferling auf das Grosze Ganze gibt. So macht sich der Abgeordnete Mike Defensor mal wieder dafuer stark, der Sprecher des Hauses Alan Peter Cayetano – entgegen dem “Gentlemen-Agreement”, dass Cayetano 15 Monate und Lord Allan Velasco 21 Monate Sprecher sein soll – moege seinen Posten behalten, da er so gute Werte in den Umfragen hat.

Nimmt man das zusammen, so soll der Mann, der dem Praesidenten einen “pork-verseuchten” Haushalt unterjubelt, weiter in Amt und Rampenlicht stehen, damit er sich fuer die Wahl 2022 positionieren kann, oder? Ueber “pork” redet er nicht, er redet darueber, dass er “puenktlich geliefert” hat. Das war letztes Jahr nicht der Fall. Da kam der Haushalt verspaetet und behinderte Projekte im “Build, Buid, Build”-Programm des Praesidenten.

Was ist die Botschaft?

Ich habe es ‘zig-mal geschrieben und schreibe es wieder: die Sprache wurde nicht erfunden, um die Wirklichkeit abzubilden, dafuer haben wir unsere Sinne, sondern um die Gedanken des anderen zu fuehren, sodass der am Ende die Welt so sieht, wie wir sie ihn sehen machen wollen.

Das hat Vor- und Nachteile, die Nachteile zuerst.

Man kann luegen, indem man etwas Falsches sagt. Das ist Stufe Eins, Luegen fuer Anfaenger. Man kann aber auch luegen, indem man ueber irgendwas redet, um den anderen davon abzulenken, worueber man nicht so gern reden moechte. Weit geschickter ist, man sagt gar nichts, wie Cayetano, und laesst andere, wie Defensor, ueber gute Performance reden, um zu verbergen, dass man sich selbst fuer die Wahl 2022 positionieren will. Darueber redet man nicht, denn wer sich da zuerst meldet, steht auch zuerst in der Kritik. Man tut sich leichter, man kommt am Schluss – etwa so wie Rodrigo Duterte, der sich lange zierte, um dann im letzten Moment doch zu kandidieren. Zirkus ist halt so: die beste Nummer kommt zum Schluss, die bleibt in Erinnerung, und von den Waehlern wurde Duterte bis zum Mai 2016 auch nicht vergessen.

Doch so kurz vor Weihnachten, will ich auch etwas zu den Vorteilen sagen. Man muss ja nicht luegen, und ein Sprichwort verspricht: “Ehrlich waehrt am laengsten.” Das baut Vertrauen auf, und so bilden sich im Laufe des Lebens und der Geschichte Kreise des Vertrauens, die dem Miteinander Struktur geben: die Familie und die Nation.

Luegen in der Familie geht nicht, sie zerbricht, wie sehr man sich bemuehen mag, das zu vertuschen oder zu ueberspielen. Man kann sich auf Dauer nichts vormachen, und nichts ist dauerhafter als Familie. Das Verhaeltnis zu Eltern, Geschwistern und Kindern wird man nicht los.

Im Rahmen der Nation laeuft das im Prinzip  auch so, und ein wesentlicher Faktor ist die gemeinsame Sprache. Man vertraut – und das beziehe ich auf meine eigene Situation hier im Ausland – erstmal dem, der die eigene Sprache spricht. Man gewaehrt ihm einen Vertrauens-Vorschuss. Umso schlimmer, wenn man dabei enttaeuscht wird.

Im Netz wird der Fall eines Abzockers diskutiert, der sich auf die Tour durchs Leben hangelt. Solche Typen lernte ich auch kennen, und so wurde ich zurueckhaltend, um es dezent zu formulieren, wenn jemand uneingeladen vor meinem Tor auftaucht und meint, darauf pochen zu duerfen, dass ich doch auch Deutscher sei.

Ja, aber nicht so einer. Ich bin schwierig, und das ist manchmal auch nicht leicht.

So freue ich mich zu Weihnachten, dass ich mit diesem Blog, das ich mal allein im weltweiten Netz begonnen habe, Leser gefunden habe, deren Namen in Likes und Kommentaren oefter auftauchen – die “Leser meines Vertrauens”. Ihnen wuensche ich friedliche Feiertage – und die anderen moegen sich zum Teufel scheren.

 



 

Gemaesz “Manila Times”, “Manila Bulletin”, “Manila Standard”, “Daily Tribune” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

 

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN MAGAZIN mit NACHRICHTEN veröffentlicht.