…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Dienstag, den 15. Mai 2018

 

 

Der Stuhl blieb leer… – …den Lehrer an der Daniel Aguinaldo National High School in Davao gestern extra aus einem Schaukasten geholt hatten, damit der prominenteste der dort registrierten Waehler Platz nehmen und seinen Wahlzettel ausfuellen konnte. Doch: Praesident Rodrigo Roa Duterte kam nicht zur Wahl, wie sein Assistent Christopher “Bong” Go bestaetigte. Ein Grund wurde nicht genannt. Bekannt war, dass er nach Manila flog, um die neue Tourismus-Ministerin Bernadette Romulo-Puyat zu vereidigen. Also belasse ich es einfach dabei, dass der Praesident viel zu tun hat.

Und der Stuhl? Das war der Stuhl, auf dem Duterte 2016 seinen Wahlzettel fuer die Praesidenten-Wahl ausgefuellt hatte. Gleich nachdem er gegangen war, hatten Lehrer den Stuhl gesichert, niemand sonst hat nach ihm darauf gesessen, und als er die Wahl gewann, wurde das gute Stueck in einem Glaskasten ausgestellt. So schafft man Reliquien.

Zur Wahl bleibt zu sagen, dass seit Beginn des Wahlkampfes am 14. April 35 Menschen getoetet und 27 verwundet wurden. Prominentester Fall ist der Mord an dem frueheren Abgeordneten Eufranio Eriguel und zwei seiner Bodyguards, die bei seiner Rede bei einer Wahlveranstaltung in La Union mit M16-Gewehren erschossen wurden. 8 weitere Menschen wurden verletzt, 2 davon kritisch. Gegen Felizardo Villanueva, Kandidat als Barangay-Vorsitzender dort, wurde Anzeige erstattet.

Vor Gericht verantworten… – …muessen sich heute der ehemalige Praesident Benigno Aquino, Janette Garin, Ex-Gesundheits-Ministerin, und Florencio Abad, Ex-Budget-Minister in Sachen Dengvaxia. Vorgeladen sind auch Zuellig Pharma als Haendler und Sanofi Pasteur als Hersteller des Impfstoffes, durch den die Gesundheit von ueber 800 Tsd Kindern in Gefahr kam und ist. Es gab etliche Todesfaelle, denen in getrennten Verfahren nachgegangen wird. In der heutigen Untersuchung geht es um die nicht regelgerechte Zulassung, Beschaffung und Bereitstellung der Gelder fuer den Impfstoff.

In Sachen Suedchinesisches Meer… – …meldet sich nun auch die inhaftierte Senatorin Leila de Lima zu Wort. Sie hinkt bei neuen Oppositions-Thema etwas hinterher, weil sie in Haft in Camp Crame keine elektronischen Informations-Medien zur Verfuegung hat, sondern von Mitgliedern ihres Stabes mit Nachrichten-Exzerpten versorgt wird, auf die sie mit handschriftlichen Notizen antwortet, die an die interessierte Presse gehen.

De Lima meint, dass auf die neuesten Nachrichten zur Installation von Raketen auf von den Chinesen ausgebauten Inseln und Riffen (siehe gestern) die Regierung dem Beispiel Vietnams haette folgen sollen, das die Chinesen aufgefordert hat, die Raketen zurueckzuziehen, die die auf den Spratly-Inseln, die auch von Vietnam beansprucht werden, installiert haben. Die “blutleere Antwort” der philippinischen Regierung sei eine “grosze Enttaeuschung” fuer die Filipinos.

De Lima aeuszert sich nicht dazu, ob die Chinesen der vietnamesischen Forderung nun nachgekommen sind, oder ob sie ueberhaupt darauf geantwortet haben. Viel Laerm um Nichts.

In dem Zusammenhang aeuszerte sich Stabschef General Carlito Galvez gestern, dass die AFP (Armed Forces of the Philippines) ihr Bestes tun, um das Territorium des Landes in der Westphilippinischen See zu schuetzen. Ein Marine-Batallion wurde in den Norden verlegt, doch mehr mochte er nicht sagen, da das bereits operative Einzelheiten seien, und weil nur das Auszen-Ministerium und der Verteidigungs-Minister in Angelegenheiten der Westphilippinischen See sich zu aeuszern berechtigt sind. Ansonsten sei man dabei Aussagen zu Raketen-Basen und Signal-Jammern (zur Stoerung der Kommunikation) zu verifizieren.

Man muss beruecksichtigen, dass die Philippinen nicht ueber die immensen technischen Mittel der USA verfuegen, um selbst Aufklaerung im groszen Stil zu betreiben. Bei allem was von “think tanks” an Meldungen dort gestreut wird, muss beruecksichtigt werden, dass die USA eine interessierte Partei sind, denen der auszenpolitische Kurs Dutertes nicht gefaellt. Ich erinnerte vor ein paar Tagen bereits an den “Zwischenfall im Golf von Tonkin” 1964. Den angeblichen Beschuss amerikanischer Schiffe damals hat es nie gegeben, die Amerikaner brauchten nur einen Grund, sich im Vietnam-Krieg zu engagieren. Die derzeitigen Meldungen von der Seite zu Chinas Aktivitaeten im Suedchinesischen Meer sind mit gebotener Skepsis zu behandeln, auch wenn auf der anderen Seite ziemlich klar ist, dass China sich dort “haeuslich einrichtet”.



Gemaesz “ManilaTimes”, “GMANews”, “ManilaStandard”, “ManilaBulletin” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.