Willkommen bei PHILIPPINEN MAGAZIN   Click to listen highlighted text! Willkommen bei PHILIPPINEN MAGAZIN

…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Mittwoch, den 07. Februar 2018

 

Menschen und Meldungen – Wer mein Blog verfolgt weisz, dass es mir darum geht, via Duterte, mit dem sich 80 Prozent der Filipinos nahezu identifizieren, eben diese Menschen zu verstehen, die nun meine Nachbarn sind. Der Praesident bietet sich dazu an, weil es genuegend Meldungen zu ihm gibt, waehrend meine Nachbarn nicht von einem Journalisten-Pulk verfolgt werden, in deren Blaettern ich dann lesen koennte, was meinem Verstaendnis weiterhilft. Rodrigo Roa Duterte dagegen kann nichts tun, was nicht in die Zeitung kommt, bis hin zu dem Schmusebild mit seiner juengsten Tochter, das vor ein paar Tagen z.B. bei “ABS-CBN” zu sehen war mit der Ueberschrift: “Duterte zeigt zaertliche Seite mit juengster Tochter”. Okay, seine Frau Honeylet Avanceña hat das gepostet, und natuerlich fand es dann seinen Weg aus den Social Media in die Public Media. Duterte hat auch eine andere Seite, die ansonsten fast ausschlieszlich beobachtet wird, aber wie das nun mal so ist: weder das eine noch das andere ist der ganze Duterte, oder der “Filipino an sich”, um den es mir geht – wobei mir durchaus klar ist, dass es den “Filipino an sich” gar nicht gibt. Das ist eine sprachliche Kruecke, um auf das zu zeigen, was man selbst nicht gesehen hat.

Ich hab an anderer Stelle versucht den Bereich des menschlichen Lebens zu beschreiben, um den es mir geht. Ich zitier mein “Geheimnis des Elfenbeinturms” aus dem Abschnitt zum “Umgang mit Menschen” des Freiherrn von Knigge, auch wenn der als “Benimm-Papst” abgetan wird. Tatsaechlich ging es dem um Lebensklugheit, und dazu schrieb ich: “Nimmt man ein buergerliches Umfeld, so ist dies der Unterschied zwischen den Taten, mit denen sich der Staatsanwalt von Berufs wegen beschaeftigt, und denen, wofuer man das Bundesverdienstkreuz bekommt – man kann ein gutes Leben fuehren, ohne mit dem einen oder anderen in Beruehrung zu kommen. Man muss nicht Held oder Unhold sein. Das Leben ist nicht schwarz oder weisz. Das Leben ist im wesentlichen die Grauzone, die man auch durch taegliches Haendewaschen nicht wegbekommt.” Mir geht es um diese Grauzone, und deshalb folgt mein Blick in die hiesige Presse nicht unbedingt den Schlagzeilen.

Einladung abgelehnt – Praesident Rodrigo Roa Duterte hat eine Einladung der EU zu einem Asien-Europa-Treffen im Oktober nach Bruessel ablehnt. Ich hatte bereits am 26. Januar dazu geschrieben, dass die EU sich diese Einladung “von der Backe putzen” kann. Der Mensch Duterte laesst sich nicht gefallen, von westlichen Medien und europaeischen Besuchern als Totschlaeger verleumdet und dann von der EU-Kommission eingeladen zu werden, um “ein Verstaendnis von Europa zu entwickeln”, wie der EU-Botschafter Franz Jessen das im Januar ausdrueckte. Und so fragt sich Duterte entgeistert, “warum sollte ich dahingehen?

Viel interessanter in dem Zusammenhang ist eine Meldung des BI (Bureau of Immigration), dass im vergangenen Jahr 74 Auslaender an der Einreise gehindert wurden, weil sie sich ruede gegenueber BI-Beamten verhielten. BI-Chef Jaime Morente: “Die Einreise und der Aufenthalt von Auslaendern in das Land ist kein Recht, sondern ein bloszes Privileg. In dem Sinne sollten sie [die Auslaender] Respekt und Hoeflichkeit gegenueber Einwanderungs-Beamten bei Ankunft an den Zutritts-Haefen zeigen.” Sehr viel deutlicher drueckte sich da einmal die verstorbene Senatorin Miriam Defensor-Santiago aus. Ich zitier das oefter, denn etwas von ihrer Haltung laesst sich auch bei Praesident Duterte finden. Als Santiago als BI-Chefin von einem Auslaender bei einer Presse-Konferenz unterbrochen wurde, fuhr sie ihn an: “Sir, ich erinnere Sie, dass ich als Chef der Einwanderungsbehoerde die Majestaet der Philippinischen Republik repraesentiere. Sie schulden mir Respekt und Hoeflichkeit. Jetzt halt die Klappe, oder ich schlag dir die Zaehne ein!

Und der europaeische Tourist oder Immigrant sollte in seinem Herzen bewegen, was Duterte im Januar bzgl. der EU-Einladung sagte: “Diese Laender, EU, ihr alle zusammen da, ihr habt nie aufgehoert Imperialisten zu sein. Ihr wart imperialistisch von jeher. Wir kennen das schon, sie haben immer Recht. Sie verordnen ihre eigenen Werte, ihr Ethos und ihre Politik wie sie es wollen und brauchen.

Der Tourist, ganz besonders der politische Tourist, der uneingeladen hierher kommt und Schildchen “Stop the Killings” hochhaelt, sollte wissen, dass sein Auftreten auf sein Land und die EU zurueckfaellt. Das mag ihm persoenlich voellig egal sein, der EU-Fuehrung sollte das zu Denken geben.

Aber tun die das?

Das Nachdenken beginnt komischerweise beim Menschen meist erst, wenn er nicht mehr weiter kommt, statt sich vorher zu ueberlegen, wie weit er mit seinem Tun wohl kommen kann. Solange es der EU gut geht, wird sie sich darueber kaum Gedanken machen.

Wenn die Chinesen alle ins Meer pinkeln… – …ersaufen wir hier, hab ich irgendwo mal als witzige Aussage eines Filipinos gelesen, finde die Stelle aber nicht mehr wieder, um sie zu zitieren.  Vermutlich wurde sie aus Gruenden der “political correctness” aus dem Internet geloescht. Man sollte dabei aber nicht aus dem Auge verlieren, dass es zwischen China und den Philippinen Groeszen-Unterschiede gibt. Von daher versteht sich, dass Praesident Duterte sich damit zufrieden gibt, dass die Chinesen in der West Philippine Sea, alias Suedchinesisches Meer, keine weiteren Inseln annektieren. Sie sind nun mal da, egal wie sehr sich die Philippinen aufplustern oder nicht.

Etwas anders liegt die Sache bzgl. des Philippine Rise, alias Benham Rise, in der Philippine Sea im Osten des Inselstaates. Hier hat der Praesident nun angeordnet, “dass kuenftig nur Filipinos die Erlaubnis bekommen, wissenschaftliche Forschung zu betreiben, Untersee-Kabel zu verlegen und die nationalen Schaetze am Philippine Rise zu erkunden und auszubeuten.

Die Nachricht ist nicht nur Schlagzeile in “Manila-” “Times” und “Standard”, sie hat es auch in die “Straits Times” und in die “South China Morning Post” gebracht, wobei Raul Dancel, Philippinen-Korrespondent der “Straits Times” darauf hinweist, dass die Anweisung Dutertes kam, nachdem bekannt wurde, ein nachranrangiger Diplomat eines anderen Landes habe gesagt, dass Philippine Rise nicht zu den Philippinen gehoert. Es wurde nicht gesagt, woher der Diplomat stamme, aber Dancel erwaehnt, dass ein Sprecher des chinesischen Auszen-Ministeriums im letzten Jahr gesagt hat, dass Manila die Philippine Rise nicht als Teil seines Territoriums beanspruchen kann.

Das kann man mal wieder als Haarspalterei abtun, denn das “Territorium” der Philippinen, wie auch jeden anderen Landes auf der Welt, das am oder im Meer liegt, endet 12 Meilen (~ 22 km) vor der Kueste. Laut UN-Beschluss von 2012 gehoert Philippine Rise, die innerhalb 200-Meilen (~ 370 km) liegt, aber zur ausschlieszlichen Wirtschaftszone der Philippinen. Und hierauf beruft sich Duterte, wenn er am Montag sagte: “Lasst mich das klar sagen: Die Philippine Rise gehoert uns, und jede Andeutung darauf, dass es jedermann offen stuende, sollte mit dieser Erklaerung enden.

Dieser Ausspruch des chinesischen Sprechers war aber bereits im Maerz letzten Jahres bekannt, kann also kaum der aktuelle Anlass sein. So ist zu vermuten, dass die anhaltende Kritik an den genehmigten Untersuchungen eines chinesischen Forschungsschiffes ueber der Philippine Rise Duterte zu einer Entscheidung gezwungen hat. Und so maekelt der Abgeordnete Gary Alejano nun, dass diese Order erst kommt, nachdem die Chinesen ihre Forschung dort beendet haben Der Sprecher des Praesidenten, Harry Roque, weist jedoch darauf hin, dass es auch Forschungen der Vereinigten Staaten, Japans, Koreas und Deutschlands dort gab, die ebenfalls abgeschlossen sind.

Auf Nachfrage erlaeutert Roque, dass es sich hier nicht um einen Bann handelt. Andere Staaten koennen durchaus Antraege zur Forschung stellen, man will dabei nur einen geregelten Ablauf haben, der ausschlieszlich ueber den Sicherheits-Berater Hermogenes Esperon laeuft. Unbeeinflusst ist auch die freie Ueberfahrt der internationalen Schiffahrt.

Das Oberste Gericht… – …hat die Beschwerde gegen die Verlaengerung des Kriegsrechts in Mindanao bis Ende des Jahres mit 10:5 Stimmen abgewiesen. Der Kongress koenne selbst entscheiden, wie oft und wie lange er das einmal verhaengte Kriegsrecht verlaengert. Die Verfassung gebietet nur, dass die erste Verhaengung durch den Praesidenten selbst auf 60 Tage beschraenkt ist.

Die Opposition befuerchtet nun gleich, dass die Entscheidung den Anreiz befoerdert, das Kriegsrecht landesweit auszudehen. Ob dies geschieht, hat weniger mit der Opposition oder der Regierung zu tun, sondern hauptsaechlich mit der NPA (New People’s Army). Sollte die tatsaechlich dem Aufruf des Terroristen Jose Maria “Joma” Sison folgen und landesweit pro Region taeglich einen Soldaten ermorden (siehe Montag), was Armee und auch ich bezweifeln, dass sie das koennen, dann wuerde das Kriegsrecht sicher ausgeweitet. Und ich gehe jede Wette ein, dass die Beschwerde-Fuehrer, sollte das in ihrer Region geschehen, die ersten sind, die protestieren, warum Duterte da nicht laengst was unternommen hat.

Politik ist manchmal zu einfach, um mit normalem Hirn noch verstanden zu werden.



Gemaesz “ManilaBulletin”, “ABS-CBN”, “ManilaTimes”, “ManilaStandard”, “Inquirer”, “StraitsTimes”, “SouthChinaMorningPost”, “PhilStar” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Click to listen highlighted text!