…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 07. Dezember 2017

 

Glaubensangelegenheiten – Gestern vor einem Jahr starb Conny, Brustkrebs. Sie war zu spaet bei “richtigen” Aerzten, sie hatte es erst mit einem Quackdoktor versucht. Der Leser kann Conny kaum kennen, aber sie hat in ihrem “tindahan ~ Laden, Kiosk” neben Bier und Softdrinks die besten mit Knoblauch geroesteten Erdnuesse verkauft, die man in der Subdivision Pineda kriegen konnte. Ihr Mann, nun Witwer, ist erfolgreicher Geschaeftsmann, Farmer und Praesident der GKK PVU. Meine Frau ist als “liturgist of arts” in der “Gamayng Kristianong Katilingban Pineda, Valiente, Urbano ~ Kleine christliche Gemeinde Pineda, Valiente, Urbano” engagiert, d.h. sie ist fuer den Schmuck des Altars in der Kapelle zustaendig, was sie mit ihrer Liebe fuer Blumen verbindet.



Ein Jahr nach dem Tod eines Familienangehoerigen erinnern Filipinos an die Verstorbene, und so war meine Frau eingeladen, und ich musste mit. Da ich Conny wegen der Erdnuesse in guter Erinnerung hatte, blieb mir nichts anderes uebrig. Und da der GKK-Praesident nach dem Essen auf ein Bier zu uns an den Tisch kam, konnte ich auch nicht weglaufen. Meine Frau und er erzaehlten sich in Visayan Geschichten, wie man sein Leben zu fuehren hat um Erfolg zu haben. Um zu zeigen, dass ich aufgepasst und auch was verstanden hatte, fasste ich das beim Abschied so zusammen: man braucht Disziplin und einen geraden Weg. Ohne Disziplin aendert sich der Weg an jeder Ecke und fuehrt zu nichts.

Ueber den geraden Weg sprach gestern Praesident Rodrigo Roa Duterte bei der Vereidigung von neuen Mitarbeitern in Malacañang, ich glaub es war “CNNPhil”, wo ich das sah, und dazu erzaehlte er eine Geschichte, eine Anekdote zu Leonardo da Vinci, historisch unverbuergt und frei von Duterte fuer heutige Filipinos zugeschnitten.

Leonardo war schon beruehmt, als er den Auftrag fuer das “Abendmahl” bekam. Eine Kopie dieses Bildes findet sich in fast jedem katholischen Haus hier, neben einem Bild von “Mama Mary” und einer kleinen “Señor St. Niño”-Statue. Leonardo begann sein Werk mit Jesus. Er suchte dafuer ein Modell und fand einen beruehmten Schauspieler in – Duterte fragte kurz in’s Publikum, wo dieser schiefe Turm steht. Gut, also, Leonardo malte den Jesus. Dann kamen die Apostel an die Reihe, und das “ist so wie General Esperon [Dutertes Sicherheits-Berater] als Modell fuer Sankt Peter auszusuchen”, und so ging es weiter. Sechs Jahre spaeter fehlte ihm nur noch Judas Ischariot. “Er suchte ueberall. Er suchte jemand, der wirklich boese aussah. So wie Trillanes. Er suchte jemanden, der wie Trillanes aussah.” Hier gab es Gelaechter und Beifall. Da Vinci fand jemand, und als er auch den fertig gemalt hatte, fiel der vor ihm auf die Knie und fragte den Meister, ob er ihn nicht erkannt haette. Er sei doch der, den er vor sechs Jahren als Jesus gemalt hatte. Da Vinci hatte ihn als Jesus gemalt, und der erwies sich sechs Jahre spaeter als das “Gesicht des Boesen”.

Danach sprach Duterte die soeben Vereidigten direkt an und mahnte sie, der Korruption zu widerstehen: “Ich hoffe, ich muss euch nicht fragen fuer ein Bild zu posieren, welches ich kurz vor Ende meiner [sechs-jaehrigen] Amtszeit malen werde. Ich hasse es euch als Jesus Christus zu sehen, nur um am Ende herauszufinden, dass ihr der Judas seid, nach dem ich auch gesucht habe.



Bei “GMANews” verfolgte ich gestern, soweit neben nachbarschaftlichen Verpflichtungen Zeit blieb, den Untersuchungs-Ausschuss zur Amtsenthebung der Obersten Richterin Maria Lourdes Sereno. Da blieb bei mir haengen, was ich in der Berichterstattung heute nicht wiedergefunden habe. Es war die Anwaeltin am Obersten Gericht, die ganz links sasz, ich weisz den Namen nicht. Macht nichts. Von der Abgeordneten Gwendolyn “Gwen” Garcia befragt, wie lange sie beim Obersten Gericht sei, kam heraus, dass sie sich beworben habe, als Sereno Oberste Richterin wurde, und auf Nachfrage kam heraus, dass sie – wie Sereno – eine “Born Again Christian” sei. Fuer die wollte sie arbeiten.

Da klickerte es mal wieder bei mir und draengte heraus. In Serenos psychologischem Gutachten, das ich vor einer Woche zitierte, hiesz es: “Dramatisch und emotional, sie tritt energisch auf, laechelt stets und ist nett, aber mit religioesen Vorbehalten in fast allen entscheidenden Aspekten ihres Lebens.” Und letzten Montag hat sich eine “Koalition fuer Gerechtigkeit” gebildet, die gegen das Verfahren gegen Sereno protestiert. Hinter der Koalition stehen religioese Gruppen wie “Philippine Council of Evangelical Churches” und “Intercessors for the Philippines”, eine Fuerbitten-Gruppe evangelischer Kirchen. Sereno ging nicht in die Untersuchungen des Hauses, die wollte sie mit Anwaelten abspeisen. Sie selbst besuchte eine Messe in der UP (University of the Philippines) und sprach zu Studenten: “Wahrlich, ich habe mit eigenen Augen gesehen, wie der Herr alles ueberschaut, sodass Luegen aufgedeckt werden, die Wahrheit wird triumphieren, Menschen werden mehr Mut fassen und da wird schlieszlich Einheit unter den Bruedern sein. Es gibt ein Erwachen in der Kirche und unter den gewoehnlichen Buergern.

Das erinnert mich nun wieder an die Senatorin Leila de Lima. Als die Untersuchungen des Hauses gegen sie im Oktober 2016 begannen, folgte auch de Lima dieser Einladung des “Kangoroo Court” nicht, wie sie den Auschuss nannte, sondern sie besuchte zur Zeit der Zeugen-Vernehmung eine Messe, was Fotos in den Zeitungen gab: neben Nonnen auf den Knieen betend. Rigoberto Tiglao fragte in seiner Kolumne in “The Manila Times” damals: “Sind diese Priester und Nonnen die ihr das gestatteten so ignorant oder nur sturzdumm, dass sie nicht sahen, dass sie sie blosz als Buehne für ihr verlogenes Drama des Verfolgt-Seins nutzte?

Filipinos haben ihr eigenes Verhaeltnis zur Religion. Aber es ist eigenartig, dass fuehrende Koepfe dieses Landes, vorwiegend weiblich, ploetzlich eine starke Hinwendung zur Kirche offenbaren, wenn sie sich weltlichen Schwierigkeiten gegenueber sehen. Ich will jetzt nicht mit dem Bibel-Zitat kommen “Gib Gott, was Gottes ist, und dem Staat, was des Staates ist”, doch wie waere es mit der Einsicht, zu der gestern der hiesige GKK-Praesident und meine Frau kamen: man braucht Disziplin und einen geraden Weg. Ohne Disziplin aendert sich der Weg an jeder Ecke und fuehrt zu nichts.

Ich muss da noch weiter drueber nachdenken.

Gemaesz “CNNPhil”, “GMANews”, “Inquirer”, “InterAksyon”, “Rappler”, “AbanteTonite” u.a.

 

Diskutiert wird darüber im DER PHILIPPINISCHE EXPAT KLUB, in der Gruppe POLITIK!

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.