…AUS DER PHILIPPINISCHEN PRESSE

 

VON HEIKO ECKARD

Donnerstag, den 26. Oktober 2017 

 

Der Sohn meines Vetters – Gestern Nachmittag zappte ich durch die TV-Kanaele und blieb bei “PTV” haengen, die eine Rede von Praesident Rodrido Roa Dutertes live uebertrugen. Wie fast immer sprach Duterte ueber den Krieg gegen Drogen, wobei er sich aktuell gegen Vorwuerfe der EU wehrte, die ihn ueber die Toten belehren wollen. In der Rede sprach er sie direkt an und sagte: “Son of…

An der Stelle gab es im Redefluss einen winzigen Moment des Ueberlegens, der den gewieften Redner sich seiner Umgebung bewusst werden liesz, und ihm ging auf, dass er in Malacañang war, dem Palast des Praesidenten der Philippinen, bei sich selbst also, vor Mitgliedern des ASEAN Law Association Governing Council, was fuer ein Verein das auch sein mag, jedenfalls saszen vor ihm wohl gewandet Damen und Herren auf gepolsterten Stuehlen auf roten Teppichen, ich erkannte in der ersten Reihe Staatsminister Salvador Medialdea, Ex-Praesidentin Gloria Macapagal-Arroyo und Justiz-Minister Vitaliano Aguirre, und da kam dem Praesidenten wohl unangebracht vor, was verbal zu aeuszern er grad im Begriff war, und er kriegte soeben noch die Kurve und setzte fort:

…my cousin”.



Einige Gaeste schmunzelten an der Stelle, als die Kamera ins Publikum schwenkte. Ihnen war klar, an welcher Klippe Praesident Duterte mit dem “Sohn meines Vetters” grad noch vorbeigeschrammt war.

An der Stelle scheint mir angebracht, da vielleicht nicht jeder Leser erinnert, was Rigoberto Tiglao im September 2016 in seiner Kolumne in “The Manila Times” ausfuehrte, dies noch einmal zu zitieren: “Das Oberste Gericht der Philippinen entschied 1969, und bestaetigte dies 2006 in einer anderen Entscheidung, dass duennhaeutige Menschen wie Praesident Obama – oder seine dummen Ratgeber und die uninformierte auslaendische Presse – nicht beleidigt sein sollen und glauben, dass die Tugend ihrer herzlich geliebten Mutter herabgewuerdigt wird, wenn der Ausdruck “putang ina”, oder gar das mehr direkte “putang ina mo”, in einer an sie gerichteten Aussage verwendet wird.” Das Oberste Gericht entschied, dass “putang ina” keine Beleidigung, sondern ein ueblicher Ausdruck des Aergers oder Unmuts ist. Die Uebersetzung in’s Deutsche als “Mutter ist Hure ~ Hurensohn” trifft nicht den Sprachgebrauch, wie ich vor ein paar Tagen bereits unter der Ueberschrift “Duterte basht zurueck” erwaehnte. Ich will das hier nicht wiederholen, sondern stelle dem Leser anheim, mit welchem Wort er seinen Unmut ausdruecken moechte – das waere die sinngemaesz treffende Uebersetzung.

Hoffen wir also, dass Donald Tusk, der Praesident des Europaeischen Rates, der zum ASEAN-Gipfel naechsten Monat in Manila erwartet wird, kluegere Ratgeber als Barack Obama hat, wenn es darum geht, Aeuszerungen von Praesident Duterte zur EU einzuschaetzen, auch wenn Duterte gestern die unpassende englische Uebersetzung des “putang ina”, das ihm fluessiger ueber die Lippen kommt, verballhornte und nur noch fuer eingefleischte Fans verstaendlich den “Sohn seines Vetters” ins Spiel brachte.

Gemaesz “PTV”, “ManilaTimes” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.