…aus der philippinischen Presse

 

PRESSESCHAU VON HEIKO ECKARD

Montag, den 04. März 2019

(zum Bild: Präsident Duterte und seine Sprache und Ausdrucksweise.)

 

Die Sprache des Praesidenten – In seiner Wahlkampf-Rede in Cebu am 24. Februar sprach Praesident Rodrigo Roa Duterte das Verkehrs-Problem auf EDSA an, das er nicht loesen konnte.

Dazu erzaehlte er dies: “Mao na nga og anha ka sa bus unya maka-utot ka, tindog ka moingon dayon ang mga tao bastos itong nangutot. Na ingnon dayun nimo — tubag dayon na, „Taga Makati man ko, nia pa man tas Cubao, asa man ko nimo pautoton. Maghuwat pa ko’g…? [laughter] Maghuwat pa ko’g Makati?”

Das PCOO bietet diese Uebersetzung an: “That is why when you are inside a bus and you fart, you stand up and people will say that you are rude, answer them, “I’m from Makati and we are still in Cubao. Where will you let me fart? [laughter] Shall I wait until we got to Makati?”

Von Cubao, Quezon City, ist es eine Strecke auf der EDSA an den Staedten San Juan und Mandaluyong auf der einen, Pasig auf der anderen Seite vorbei, bis man nach Makati kommt, und die EDSA ist immer verstopft. Das dauert, und wenn einen ein menschliches Beduerfnis ankommt – was tun?

Die Zuhoerer haben gelacht. Sie haben das nicht als Aufforderung verstanden, sie sollten furzen, wenn sie im Bus fahren und es dauert lange. Duterte hat klar gemacht, dass der Verkehr in Metro Manila ein Problem ist, die Zuhoerer haben das verstanden, und keiner furzt nun in Bussen – nehme ich an.

Duterte spricht unpassend ueber alles Moegliche, was ihm in den Sinn kam, auch ueber Bischoefe, denen er alles Moegliche zutraut, und die fuehlen sich nun bedroht.

Ich will jetzt nicht jedem einzelnen Satz nachgehen, den Duterte gesagt hat, das wuerde mich und den Leser ueberfordern, sondern ein grundsaetzliches Missverstaendnis klaeren. Es gibt die Meinung, der ich selbst auch anhing, dass Sprache Information uebermittelt, und frei nach Ludwig Wittgenstein gilt: “Was sich sagen laesst, das laesst sich klar sagen.” Ich habe ein ganzes Philosophie-Studium und noch zehn weitere Jahre danach gebraucht zu verstehen, dass das Bloedsinn ist.

 



 

Sprache ist dazu da, die Gedanken des Zuhoerers zu fuehren und zwar moeglichst an den Punkt, von dem aus der Zuhoerer genau das sieht, was der Redner ihn sehen machen will. Ich schrieb an anderer Stelle dazu mal, und ich zitiere mich hier einfach selbst, weil es das Beispiel war, das mir den Informations-Aberglauben ausgetrieben haben.

Ein hübsches Beispiel ist die Dramaturgie des Spielfilmes „Billy Elliot – I will dance“. Der Film zeigt den Weg eines Jungen aus einem armen Bergarbeiterstädtchen gegen den Widerstand von Vater und älterem Bruder zum Tanz, zur Royal Ballet School und dann zum ganz großen Auftritt, womit der Film endet. Der Film zeigt aber keine lange Szene am Schluss, in der das Können des Tänzers entfaltet wird, sondern nach ungefähr 105 von 106 Minuten, die der Film dauert, und in denen gezeigt wird, wie der Junge sich durchbeißt und übt und verzweifelt und rackert und nicht weiß, ob er es schaffen wird, nach all diesen Plagen und Mühen und Hoffen und Bangen zeigt der Tänzer dann mit einem einzigen schwerelosen Sprung, wofür das gut war.

Man muss kein Tänzer oder Choreograph sein, um am Ende dieses Filmes zu „sehen“, dass man ohne diesen Weg so nicht springen kann, und auch, dass man ohne den Film diesen Sprung so nicht gesehen hätte. Der Regisseur Stephen Daldry führt den Zuschauer über einen langen Aufstieg an den besten Aussichtspunkt und dort sagt er nur: „Schau hin!“

Der Redner Duterte fuehrt seine Zuhoerer – die er kennt, es war eine Rede in seiner Muttersprache Visayan – an den Punkt, wo sie sehen, was er sie sehen machen will, und – es klappt.

Der Leser des Transkriptes, welches das PCOO ins Netz stellt, wird nicht gefuehrt. Er pickt sich raus, was ihm als “Information” passt. Das ist legitim, ich mach das ja auch. Nur passt dem einen dies, dem anderen das, und entsprechend unterschiedlich faellt die Presse aus. Aber hat man Duterte dann auch verstanden?

Wer Duterte verstehen will, muss sich selbst auf ihn einlassen und von ihm fuehren lassen – sonst wird das nichts. Wer das nicht will – auch gut, das faellt unter die Rubrik Meinungsfreiheit.

 



 

Saysay sa adlaw – Kuhaa ang akong patadyong, nga gisagbay sa ulohan sa katre.

Kuhaa ang akong patadyong… – kuha nehmen, holen + Nachsilbe Imperativ kuhaa hol, ang der, die, das, akong ~ ako nga ich + Verbinder, patadyong Rocktuch (Ein Tuch, das Filipinas um den Leib gewickelt als Rock/Kleid tragen) ~ Hol mein Rocktuch…

…nga gisagbay sa ulohan sa katre. – nga Verbinder, sagbay aufhaengen (Waesche) + Vorsilbe gi Vergangenheit/Gegenwart Passiv gisagbay wurde aufgehaengt, sa am, ulo Kopf + Nachsilbe han bildet Substantiv Kopf…, sa von, katre Bett ~ es haengt am Kopfende vom Bett.

Satz des Tages – Hol mein Rocktuch, es hängt am Kopfende vom Bett.

 



 

Gemaesz “PCOO” u.a.

 

Mein Name ist Heiko Eckard. Ich wurde 1946 in Werries – Deutschland – geboren, besuchte das Neusprachliche Gymnasium in Hamm, studierte Philosophie und Mathematik in Münster und arbeitete als Programmierer in München, Nürnberg und Fürth. Nach meiner Pensionierung ging ich 2011 mit meiner Frau Ofelia Villaflores Eckard in ihre Heimat, General Santos City – Philippinen. Auf dieser Seite beschreibe ich, was mir aus der philippinischen Presse ins Auge sticht.

Die Presseschau von Heiko Eckard wird mit seiner Einwilligung und Erlaubnis in den PHILIPPINEN NACHRICHTEN & MAGAZIN veröffentlicht.